Rentner üben Breakdance: Tanzen bis die Beine wackeln - DER SPIEGEL
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Rentner tanzen zu Hip Hop: Die Knochenbreaker

Foto: André Forner

Rentner üben Breakdance Tanzen bis die Beine wackeln

Normalerweise turnen und steppen Wolfgang, 68, Regina, 63, Gisela, 63, und Klaus, 70, in der Seniorengruppe. Doch für das Jugendmagazin "Spiesser" versucht sich das Rentnerkompetenzteam im Breakdance - und treibt seine Körper bis an die Belastungsgrenze.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die Spiegelwand im Tanzsaal zeigt vier gespannte Gesichter. In Sportklamotten warten die Rentner auf Breakdancer Mario. Der hat schon 1993 mit Breakdance begonnen und gibt Unterricht für Kinder und Jugendliche. Und heute eben für Rentner. Wolfgang trägt Leggins und Ballerinas, Regina hat sich in einen modischen Fummel geworfen. Das knallblaue T-Shirt mit wildem Aufdruck und Glitzersteinen wirkt so gar nicht omahaft.

Regina: Das Shirt habe ich mir extra ausgesucht.

Auch Klaus hat sich vorbereitet. Er zieht zwei ausgeschnittene Zeitungsartikel aus seiner Tasche.

Klaus: Ich hab da was gefunden über Breakdance, ist das sowas, was wir heute machen?

Wolfgang: Wie Rock'n'Roll, oder?

Fast. Mario dreht erst mal den Lautstärkeregler bis zum Anschlag auf und verrenkt und dreht sich für Toprocks, Floor Rocks und Freezes. Die Rentner klatschen begeistert mit, Wolfgang macht mit, tanzt die ersten Kreuzschritte, Klaus schaut ungläubig.

Klaus: Das ist ja Hochleistungssport!

Regina: Kann man nur bewundern.

Gisela: Gute Körperbeherrschung!

Die wird Gisela auch gleich brauchen. Nach Aufwärmen der alten Knochen gehts an die ersten Breakdance-Moves. Doch eine steht abseits.

Mario: Du da hinten, komm doch vor!

Gisela: Ne, ich möchte im Hintergrund bleiben, weil ich keine Sportsachen anhabe.

Ganz nach vorne traut sich Gisela nicht, breakdanct aber im Windschatten der anderen. Dann versuchen sich alle am ersten Schritt. Wolfgang hüpft anmutig im Kreis.

Mario: Es geht jetzt nicht um Fußspitzen, wir sind nicht im Ballett.

Wolfgang: Ach so.

Klaus: Gibt's 'ne Regel, ob ich immer links beginne oder rechts? Aerobic ist ja links- oder rechtsbetont, das muss man ja wissen.

Als geklärt ist, dass weder Ballett noch Aerobic gemacht wird, folgt ein Breakdance-Klassiker: Six-Step. Gisela zählt heimlich mit, um im Rhythmus zu bleiben.

Wolfgang: Oh, verkehrt rum.

Regina: Mit dem rechten nach links!

Ob Regina den Durchblick behalten wird? Jetzt ist Schluss mit lustig, jetzt kommt die Choreografie.

Wolfgang: Ach nein! Ich kann mir doch nichts merken.

Für Verzweiflung ist keine Zeit, es wird gesprungen, sich auf dem Boden geräkelt.

Gisela: Wenn man übt, geht's schon.

Wolfgang: Mir wackeln schon die Beine.

Regina: Nochmal das Ding!

So viel Tatendrang! Aber diesmal mit Musik. Der Beat wummert, Bass lärmt mit dem Rapper um die Wette. Wie gefällt die Dröhnung?

Wolfgang: Zum Tanzen gehört doch schöne Tanzmusik, weniger Hip-Hop.

Regina: Ich höre schon Hip-Hop. Diese schwarze Musik, Death Metal oder so, das mag ich nicht.

Klaus: Mit AC/DC im Auto haben mich die Kinder immer fertig gemacht.

Schluss mit der Musik-Fachsimpelei. Geplauscht werden kann später, Musik ist zum Breaken da.

Mario: Bei dem CD-Player kann man die Schnelligkeit verstellen.

Regina: Gut, also altersgerecht.

Klaus: Es ist schwer, den Rhythmus richtig reinzukriegen. Das muss auf den Punkt kommen!

Mario: Wir sind hier aber nicht bei der Armee!

Klaus: Das hat mit Armee nichts zu tun, aber der Schritt muss doch auf den Rhythmus kommen.

Klaus hat ja Recht. Und nicht nur der Rhythmus macht Probleme.

Gisela: Wie war der Schluss nochmal? Den letzten hab ich nicht mitgemacht.

Wolfgang: Meine Beine machen, was sie wollen.

Klaus: Den Kreis bring ich noch.

Musterschülerin Regina kommt angetanzt. Sie kennt sich aus. Die Choreografie wird ein letztes Mal durchgetanzt. Alle lächeln zufrieden.

Regina: Ich würde das gerne weitermachen, aber vielleicht die Übungen am Boden weglassen.

Gisela: Da macht die Hüfte nicht mehr mit!

Klaus: Wenn du das drei Stunden machst, bist du k.o.

Wolfgang hat noch nicht genug.

Wolfgang: Mario wollte uns doch noch die Kopfdrehung zeigen.

Klaus: Ja, er hat ja die Mütze schon die ganze Zeit auf.

Geduld! Schon kreiselt Mario ein paar Runden auf dem Parkett. Unser Rentnerkompetenzteam schaut gebannt.

Klaus: Auf dem Kopf stehen können wir ja auch.

Wolfgang: Aber drehen dabei...

Klaus: Probieren wir heute Abend aus.

Wolfgang: Mützen müssen wir halt noch besorgen.

Von Anita Edenhofner und Jörg Flachowsky für das Jugendmagazin "Spiesser"

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