Rentner schießen mit Laser: "Dieses Geschreie macht mich fertig"
Rentner üben Ballerspiele "Warte Frank, ich habe dich getroffen"
Von außen sieht alles aus wie eine stinknormale Büroetage. Trotzdem tauschen unsere rüstigen Laserneulinge unsichere Blicke.
Frank: Ich habe keine Ahnung, worauf wir uns hier einlassen.
Marlies: Also, ich habe mich im Internet informiert. Hoffentlich müssen wir nicht die ganze Zeit rennen und uns ducken. Sonst komme ich nicht mehr hoch.
Keine Zeit für Sorgen: Mit dem Fahrstuhl gehts in den zweiten Stock des Krazytown. Da warten eine ausführliche Einweisung - und klobiges Equipment. Für das Spiel hängen sich die Kandidaten Westen aus schwerem Plastik um, je nach Team leuchten die blau oder grün. Das Ziel ist es, die gegnerische Mannschaft zu verzaubern - ein nicht jugendgefährdender Ausdruck für schnödes Abschießen. Innerhalb von 15 Minuten müssen die Gegner so oft wie möglich mit dem Laser getroffen werden.
Marlies: Also ich habe das noch nicht kapiert.
Marion: Eine Viertelstunde? Danach bin ich doch fix und alle!
Noch ein paar Ratschläge zum Spielablauf, dann werden Teams gebildet. Sportunterricht für Junggebliebene. Marlies und Marion in grün verbünden sich mit vereinter Frauenpower gegen den blauen Frank. Fehlt nur noch ein passender Name.
Marlies: Was hältst du von "Magic Green"? Zuerst dachte ich an "Magic Oldies", aber das ist irgendwie doof.
Frank: "Greenhorn" ist doch besser.
Marlies: Die "Greenhorns", very good. Dann bist du aber der "Bluebird".
Letzte taktische Besprechung...
Marlies: Marion, wir stellen Frank immer schön das Bein.
Plötzlich gehen die Lichter aus, nur die Rentner leuchten in Neon. Und schon wird losgeballert, dass es nur so knallt.
Marlies: Hallo? Läuft jemand mit mir mit? Ich sehe doch so schlecht!
Über den Geräuschpegel und Marlies hinweg brüllt ein Drill Commander den Spielern aus der Weste Motivationssprüche ins Ohr: "Don't give up" und "Well done" plärrt es.
Marion: Dieses Geschreie macht mich fertig.
Marlies: Was heißt denn überhaupt "Don't give up"?
Marion: Ich glaube, ich schieße mein eigenes Team ab. Oh, warte. Frank, ich habe dich getroffen.
Frank: Was ist denn hier los?
Marlies: Du bist tot. Merkst du das nicht?
Im Kampf ist fast alles erlaubt und die Greenhorns legen jetzt erst richtig los.
Frank: Marion, hör auf, die ganze Zeit hinter mir her zu laufen. Kann jemand die Frauen bremsen?
Marlies: Nu pagadi!
Was "Na warte" auf Russisch heißt, vergessen unsere Rentner auch im größten Chaos nicht. Und klappt es mit dem Zielen mal nicht, haben sie prompt eine Erklärung parat.
Marlies: Ich bin halt human.
Englische Sprache und Adrenalin vertragen sich hingegen weniger.
Marlies: Ich glaube, meine Weste schreit die ganze Zeit "shit".
Naja, fast. Die Weste brüllt "hit", wenn man getroffen wird.
Frank: Jetzt hab ich euch!
Marlies: Marion, du darfst nicht auf die eigenen Leute schießen.
Nach 15 Minuten und viel Gekicher ist die Runde vorbei. Erster Eindruck?
Marion: Es hat eine Weile gedauert, bis ich mitbekommen habe, dass man zielen muss.
Frank: Ich habe lange nicht mehr so geschwitzt.
Marlies: Ich fühle mich okay. Allerdings hatte ich wohl deutlich mehr Leben als unsere Katze.
Zeit, das Spiel auszuwerten. Wie genau sahen die Pläne aus, um den Gegner zur Strecke zu bringen?
Frank: Marlies ist der Grabenkämpfer und Marion schleicht sich immer von hinten an.
Marlies: Eigentlich hatten wir gar keinen richtigen Plan. Ich musste mich erst ans Spiel gewöhnen.
Marion: Also, ich hatte auch keine Taktik. Ich musste erst mal sehen, wo die anderen hin laufen.
Frank: Meine Taktik war brutales Vorgehen bei gegenseitiger Achtung.
Marlies: Aha, jetzt wissen wir, wie du wirklich bist.
Die Greenhorns haben den Bluebird haushoch geschlagen. Wie lautet das Fazit zum Spiel?
Marlies: Ich habe gar nicht richtig mitgekriegt, wann Schluss war. Da hätte man ruhig noch weiter spielen können.
Frank: Es hat mir über alle Maßen Freude gemacht.
Marion: Wir müssen unbedingt nochmal hier hin gehen.
Marlies: Durch die Weste, die einen die ganze Zeit angeschrien hat, war man auch nicht so allein. So etwas bräuchte man für das normale Leben.
Aufgezeichnet von Anastasia Bass für das Jugendmagazin "Spiesser"