Vertretungsstunde mit Rick Kavanian: Ärgern macht lustig - DER SPIEGEL
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Vertretungsstunde mit Rick Kavanian: Ärgern macht lustig

Foto: Eva Merz

Vertretungsstunde mit Rick Kavanian Ärgern macht lustig

Einen echten Plan hat Comedian Rick Kavanian nicht, als er fürs Jugendmagazin "Spiesser" als Vertretungslehrer einspringt. Aber ein Herzensthema: Integration. Darüber diskutiert er mit Münchner Zehntklässlern - und gibt Tipps, wie sie satt bayerisch auf blöde Anmachen kontern können.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

12.25 Uhr: Auf dem Flur des Luitpold-Gymnasiums in München trifft Rick Kavanian (Comedy-Kompagnon von Bully Herbig, der auch schon einmal den Vertretungslehrer gab) seinen alten Sportlehrer und geht grinsend ins Klassenzimmer. Als die Schüler kommen, kehrt Rick mit einem Besen den Boden - sehr komisch. Dann geht's aber los. Alina beginnt die Stunde mit einem Referat über Kultur in New York.

Alina: In New York leben 44 Prozent Weiße, 27 Prozent Hispanics, 25 Prozent Schwarze, elf Prozent Asiaten…

Rick: Vielleicht habt ihr gehört, dass man New York auch als "Melting Pot" bezeichnet - als einen Topf, in dem sich alles mischt. Eine Generation Italiener mischt sich mit Juden, Juden wiederum mit Schwarzen. Auf jeden Fall vermischen sich Gott und die Welt. Am Ende hat man ein großes Durcheinander und eine kulturelle Vielfalt, die ich persönlich großartig finde.

Ein wirkliches Lehr-Konzept hat Rick für die Stunde nicht, aber dafür eine Herzensangelegenheit: das Thema Integration.

Rick: Unsere Bundeskanzlerin Merkel hat behauptet: Multikulti ist tot. Mulitikulti ist nicht tot. Ich selber bin ein wirklich gelungenes Produkt der Integration.

An der Stelle spielt Rick auf seine armenisch-rumänischen Wurzeln an.

Rick: Also hey, wenn ihr einen Menschen zum ersten Mal seht, versucht, offen zu sein. Wir sind als Menschen doch erst mal alle gleich.

Sind wir wirklich alle gleich?

Göcki: Aber lachen Komiker zum Beispiel nicht mehr als normale Menschen?

Rick: Nein. Ich steh hier als Rick, und ich bin erstmal Mensch. Das heißt, wir alle hier atmen den selben Sauerstoff. Meiner ist jetzt nicht explosiver oder komischer als deiner. Nach der Stunde werden wir uns wahrscheinlich auf dem Klo begegnen und sagen: "Hey, dein Gesicht kenn' ich." Jeder Mensch hat doch erst einmal die selben Bedürfnisse. Ich lache wirklich herzlich gerne. Lachen ist eines dieser Grundbedürfnisse.

12.58 Uhr: So ganz warm ist die Klasse mit dem Thema Integration noch nicht geworden. Rick versucht es mit direkteren Fragen.

Rick: Meine Eltern kommen aus Rumänien. Ich werde oft gefragt, ob ich Probleme mit Rassismus hatte: Ich hatte eine blöde Begegnung als Kind, da hat man mir die gängigen Vorurteile über Rumänen an den Kopf geschmissen. Wie ist das mit euch?

Max aus der dritten Reihe findet die Frage lustig. Er stupst seinen Banknachbarn an, die beiden machen Witze.

Rick: Ihr seid beste Kumpels, sonst würdet ihr ja nicht nebeneinander sitzen, oder?

Max: Ja, sind wir. Aber wir ärgern uns gerne gegenseitig.

Rick: Das wäre der ideale Nährboden für ein Comedyduo.

Selin (kommt wieder zum Thema): Ich denke es gibt auf jeden Fall immer noch Vorurteile, aber die sind nicht mehr so ausgeprägt wie früher.

Ganz am Rand sitzt ein dunkelhäutiger Junge, der sich meldet. Er trägt hippe Klamotten, seine Haare sind kraus.

Daniel: Hier in der Klasse gibt es keinen Rassismus. Manchmal kommen aber auf der Straße so alte Oberbayern auf mich zu und fragen: "Wo kommst du her?" Dann sag ich, dass ich halber Bayer bin, und bekomme immer blöde Blicke zurück. Das nervt.

Rick: Hast du dir mal eine zünftige Entgegnung für so einen Mist überlegt?

Daniel: Nein.

Rick: Sowas richtig Bayerisches, wie: "Schleich di, Zipfel. Weißt du wo i herkomm?" So ein Kontersatz ist super, wirklich.

Daniel: Ja stimmt, das ist gut. Ich überlege mir einen Konter.

13.13 Uhr: Jetzt meldet sich Kilian aus der letzten Reihe zu Wort.

Kilian: Vorurteile beruhen auf Angst. Aber liegt das nicht auch an der Gewohnheit oder der Erziehung?

Rick: Stimmt. Gewohnheit ist ein super Nährboden. Du machst etwas einmal, dann zweimal, und beim dritten Mal weißt du nicht mehr, warum.

13.15 Uhr Zum Stundenende will es Rick wissen: Wie viel Melting Pot steckt in der 10c?

Rick: Wer ist denn hier gebürtig aus München?

Nur wenige Schüler melden sich. "Italien", "Berlin" und "Dortmund" rufen die Schüler durcheinander. Rick grinst. Die Klasse ist ein gelungenes Integrationsprojekt.

Aufgezeichnet von Christina Kufer für das Jugendmagazin "Spiesser"

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