Die Alleskönnerin: Ein Kind, zwei Jobs, Studium mit Spitzennoten - DER SPIEGEL
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Die Alleskönnerin Ein Kind, zwei Jobs, Studium mit Spitzennoten

Ingemarie Spiewak, 26, hat den Dreh raus: Die Einserstudentin aus Bremen kümmert sich um ihre vierjährige Tochter, schmeißt den Haushalt und hat auch noch zwei Nebenjobs. Ein straffes Programm - aber das Studium findet sie kinderleicht.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

"Mir war schon immer klar, dass ich eine junge Mutter sein wollte. Die weit verbreitete Vorstellung, dass eine Frau erst mit Mitte 30 ein Kind bekommen sollte, finde ich merkwürdig. Heutzutage kümmern sich die meisten erst mal um ihre Karriere, weil der Leistungsdruck so groß ist. Aber ich finde, dass es mindestens genauso erstrebenswert ist, ein Kind zu bekommen!

Ich habe meine Tochter ganz bewusst vor meinem Studium bekommen und bin anschließend drei Jahre in Elternzeit gegangen. Jetzt ist sie vier Jahre alt, und ich studiere im dritten Semester des Bachelor-Studiengangs Soziale Arbeit an der Hochschule Bremen. Mit dem Vater meiner Tochter bin ich inzwischen verheiratet.

Mein Tagesablauf ist streng durchgeplant: Ich stehe um 5.30 Uhr auf und bringe meine Tochter um 7 Uhr zum Kindergarten. Von dort fahre ich direkt zur Hochschule, um meine Vorlesungen und Seminare zu besuchen. Wenn ich Freistunden habe, lerne ich. Gegen 14 Uhr hole ich meine Tochter wieder ab und fahre mit ihr nach Hause, manchmal gehen wir zusammen einkaufen.

Verplantes Leben

Nachmittags kuscheln oder spielen wir zusammen, dann koche ich Abendessen. Wenn mein Mann Spätschicht hat und erst um 20.30 Uhr nach Hause kommt, nutze ich die Zeit zum Lernen. Ansonsten verbringen wir einfach Zeit zu zweit.

In meiner Freizeit arbeite ich. Einen Vormittag die Woche habe ich keine Vorlesungen, dann putze ich vier Stunden bei einer Familie. Außerdem putze ich an vier Tagen für jeweils anderthalb Stunden in einer Kneipe in der Nähe.

Streckenweise ist es natürlich schon anstrengend, Familie, Studium und Arbeit unter einen Hut zu bekommen. Aber dadurch, dass alles so durchgeplant ist, nutze ich die Zeit sehr bewusst und verbringe jede freie Minute mit Lernen. Meine Noten sind sehr gut, ich habe einen Schnitt von 1,3. Daran sehe ich doch, dass alles machbar ist!

Einmal im Jahr ausgehen

Obwohl ich ein Bachelorstudium mache, habe ich relativ viel Zeit. Wir haben keine Anwesenheitspflicht und können Veranstaltungen, die wir verpassen, nachholen. Die Semester sind sehr kompakt und die Ferien sehr lang.

Manchmal wünsche ich mir, dass die Semester nicht so komprimiert wären, aber im Großen und Ganzen finde ich es gut, dass man beim Bachelor gezwungen wird, schneller zum Schluss zu kommen. Ich hätte nicht gedacht, dass das Studium so einfach werden würde.

Natürlich muss ich mit einigen Einschränkungen leben: Wir haben nicht viel Geld, und ich kann keine Abendveranstaltungen oder Auslandssemester mitmachen. Richtig ausgehen tue ich vielleicht einmal im Jahr.

Vorbereitung auf den Beruf

Manchmal überkommt es mich, und ich denke: 'Wenn ich einfach nur studieren würde und kein Kind hätte, hätte ich voll die lockere Zeit.' Aber wenn ich abends mit meiner Tochter und meinem Mann auf der Couch liege, schätze ich unser Familienglück sehr.

Im Studium ein Kind großzuziehen, ist eine gute Vorbereitung auf die spätere Doppelrolle als berufstätige Mutter. Ich stelle mich gar nicht erst darauf ein, entweder Mutter oder Berufstätige zu sein - ich kenne ja nur beides zusammen. In meinem Kurs studieren elf Mütter, davon zehn alleinerziehend. Die meisten wollen auch beruflich etwas erreichen.

Wir müssen uns von dem Gedanken verabschieden, dass eine Frau in allen Bereichen perfekt sein muss: eine perfekte Mutter, eine perfekte Studentin und eine perfekte Hausfrau. Es gehört einfach zum Leben dazu, dass die Wäsche mal eine Woche lang liegen bleibt oder das Kind eine Stunde fernsieht. Man muss halt die richtigen Prioritäten setzen - und richtig planen."

Aufgezeichnet von Khuê Pham


Auf SPIEGEL ONLINE erzählen diese Woche vier Studentinnen, warum sie sich dafür entschieden haben, während ihres Studiums ein Kind zu bekommen - und wie sie den Alltag zwischen Krippe und Hörsaal bewältigen.

Montag: Studium mit Kind, jetzt oder nie
Dienstag: "Alles eine Frage der Organisation", sagt Gesine, 22
Donnerstag: Julia, 26, will mit Kind richtig durchstarten
Freitag: Das neue Leben von Rock'n'Roll-Mami Carmen, 25

Bafög bis Urlaubssemester - Tipps für studierende Eltern

Bafög: Für das erste Kind wird seit Januar ein pauschaler Zuschlag von 113 Euro zum persönlichen Bafög-Satz gewährt, der nicht zurückgezahlt werden muss (für weitere Kinder 85 Euro).

Elterngeld: Seit 2007 erhalten Studenten zwölf Monate lang Elterngeld (Alleinerziehende 14 Monate). Wer vor der Geburt einen sozialversicherungspflichtigen Job hatte, erhält 67 Prozent des letzten Nettogehalts (mindestens 300, maximal 1800 Euro). Das Elterngeld gibt es unabhängig vom Bafög.

Kinderbetreuung: Wird an vielen Universitäten vom Studentenwerk angeboten, Übersicht unter www.studentenwerke.de  (Rubrik Beratung und soziale Dienste)

Kindergeld: Pro Kind gibt es monatlich 154 Euro. Antragsformular unter www.familienkasse.de 

Regelstudienzeit: Verlängert sich in der Regel durch Geburt und Betreuung eines Kindes (Infos beim Prüfungsamt). Dadurch erhöht sich auch die maximale Bafög-Bezugsdauer.

Studiengebühren: Werden jungen Eltern in den meisten Bundesländern erlassen (Altersgrenze der Kinder maximal acht bis zehn Jahre).

Urlaubssemester: Studenten können wegen der Geburt und bis zu drei Jahre danach eine Pause einlegen, ohne exmatrikuliert zu werden. Während dieser Zeit fließt allerdings kein Bafög (mögliche Einnahmequellen: Eltern-, Kinder- und Wohngeld, Sozialhilfe). Ändert sich die Prüfungsordnung, besteht kein Rechtsanspruch auf eine Prüfung nach den alten Regeln.