Hochschwanger & hochmotiviert: "Mit Kind starte ich richtig durch" - DER SPIEGEL
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Hochschwanger & hochmotiviert "Mit Kind starte ich richtig durch"

Schluss mit dem lustigen Langzeitstudium - mitten im Auslandssemester erfuhr Julia Kraushaar, 26, dass sie schwanger ist. Das sorgt für einen Energieschub. Nun ist die Berlinerin im neunten Monat und will ihr Studium nach einer Babypause zügig zu Ende bringen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

"Als ich vor neun Monaten festgestellt habe, dass ich schwanger bin, war ich gerade im Auslandssemester in Paris. Mein Freund und ich haben uns damals gesagt: 'Wir schaffen das.' Wir stehen beide kurz vor unserer Magisterarbeit und könnten uns keinen besseren Zeitpunkt zur Familiengründung vorstellen.

Ich bin jetzt 26, und alle sagen mir, das sei das beste Alter, um Mutter zu werden. Als junger Mensch kann man einem Kind viel mitgeben - wichtig ist allerdings, dass man schon eine gewisse Reife hat. Martin ist der erste Mann, mit dem ich es mir vorstellen kann, eine Familie zu gründen. Wir reden schon seit vergangenem Jahr darüber, zusammen ein Kind zu bekommen.

In den ersten sechs Monaten nach der Geburt meiner Tochter werde ich mein Studium zurückstellen, um für sie da zu sein. In der Zeit wird Martin seine Magisterarbeit schreiben und seine Prüfungen machen. Wenn ich dann abgestillt habe, wird er sich um das Kind kümmern, damit ich zu Ende studieren kann.

Jetzt muss ich konkreter planen

Mit seiner Unterstützung denke ich, dass ich mein Studium mit nur einem Jahr Verzögerung zu Ende bringen werde. Wenn ich dann in den Beruf einsteigen möchte, kann ich mein Kind schon in die Krippe geben.

Ein Kind zu bekommen, motiviert mich. Nach dem Studium werde ich nicht in dieses große Loch fallen, keine Orientierung zu haben - ich muss mich ja um meine Tochter kümmern. Außerdem will ich mein Studium schnell zu Ende bringen und im Beruf richtig durchstarten, damit ich gut für sie sorgen kann. Ich merke, dass die Schwangerschaft unglaubliche Energien in mir freisetzt, mein Leben auf die Reihe zu bekommen.

Ich studiere schon 14 Semester und muss mich daher als Langzeitstudentin bezeichnen. Gerade Langzeitstudenten fällt es oft schwer, zum Schluss zu kommen, besonders in meinen Fächern, Französische und Deutsche Literatur. Ein Kind zu kriegen, zwingt einen dazu, keine Zeit zu verlieren und konkreter zu planen.

Wir zählen zu den letzten Magisterstudenten

Ohne die finanzielle Unterstützung von unseren Eltern sähe die Situation allerdings ganz anders aus. Studenten, die auf ihren eigenen Job angewiesen sind, haben es viel schwerer. Außerdem haben mein Freund und ich den Vorteil, zu den letzten Magisterstudenten zu gehören. Die Umstellung auf die Bachelor- und Masterstudiengänge ist für junge Familien schlecht, weil die Stundenpläne so straff durchorganisiert sind.

Das größte Problem beim Thema Familie ist allerdings unsere Gesellschaft: Es gibt in Deutschland eine unglaublich Hemmschwelle, das Kind früh abzugeben, weil man sich dann als Rabenmutter beschimpfen lassen muss. Mit diesen altmodischen Einsichten sind moderne Berufe und Lebensentwürfe einfach nicht vereinbar.

Unsere Familienplanung finde ich sehr emanzipiert, weil mein Freund und ich uns die Arbeit teilen. Es wäre schön, wenn wir eine Vorreiterrolle spielen könnten."

Aufgezeichnet von Khuê Pham


Auf SPIEGEL ONLINE erzählen diese Woche vier Studentinnen, warum sie sich dafür entschieden haben, während ihres Studiums ein Kind zu bekommen - und wie sie den Alltag zwischen Krippe und Hörsaal bewältigen.

Montag: Studium mit Kind, jetzt oder nie
Dienstag: "Alles eine Frage der Organisation", sagt Gesine, 22
Mittwoch: Ingemarie, 26 - ein Kind, zwei Jobs, Spitzennoten Freitag: Das neue Leben von Rock'n'Roll-Mami Carmen, 25

Bafög bis Urlaubssemester - Tipps für studierende Eltern

Bafög: Für das erste Kind wird seit Januar ein pauschaler Zuschlag von 113 Euro zum persönlichen Bafög-Satz gewährt, der nicht zurückgezahlt werden muss (für weitere Kinder 85 Euro).

Elterngeld: Seit 2007 erhalten Studenten 12 Monate lang Elterngeld (Alleinerziehende 14 Monate). Wer vor der Geburt einen sozialversicherungspflichtigen Job hatte, erhält 67 Prozent des letzten Nettogehalts (mindestens 300, max. 1800 Euro). Das Elterngeld gibt es unabhängig vom Bafög.

Kinderbetreuung: wird an vielen Universitäten vom Studentenwerk angeboten, Übersicht unter www.studentenwerke.de (Rubrik Beratung und soziale Dienste)

Kindergeld: Pro Kind gibt es monatlich 154 Euro. Antragsformular unter www.familienkasse.de .

Regelstudienzeit: verlängert sich in der Regel durch Geburt und Betreuung eines Kindes (Infos beim Prüfungsamt). Dadurch erhöht sich auch die maximale Bafög-Bezugsdauer.

Studiengebühren: werden jungen Eltern in den meisten Bundesländern erlassen (Altersgrenze der Kinder maximal 8 bis 10 Jahre).

Urlaubssemester: Studenten können wegen der Geburt und bis zu drei Jahre danach eine Pause einlegen, ohne exmatrikuliert zu werden. Während dieser Zeit fließt allerdings kein Bafög (mögliche Einnahmequellen: Eltern-, Kinderund Wohngeld, Sozialhilfe). Ändert sich die Prüfungsordnung, besteht kein Rechtsanspruch auf eine Prüfung nach den alten Regeln.