Ostdeutsche Absolventen: Tolles Studium, schwieriger Berufsstart - DER SPIEGEL
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Uni-Werbung: Der Osten ist groß

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Ostdeutsche Absolventen Tolles Studium, schwieriger Berufsstart

Ossis meckern wenig und Wessis wissen auch nichts besser: Eine neue Studie zeigt, dass Absolventen ostdeutscher Hochschulen mit ihrem Studium zufriedener sind als die im Westen. Personaler schätzen die Qualität der Ost-Abschlüsse als gleich gut ein. Beim Jobeinstieg im Osten hakt es aber.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Wende, Mauer, Teilung - daran denken Schüler auch heute noch, wenn sie nach Ostdeutschland gefragt werden. Eine Werbekampagne für Hochschulen in den neuen Bundesländern arbeitet schon lange daran, diese Stichworte durch neue zu ersetzen.

Angehende Studenten sollen lieber an moderne, schicke Uni-Gebäude denken, niedrige Mieten und Sitzplatzgarantie im Hörsaal. Nun kommt ein neues Stichwort hinzu: Zufriedenheit mit den Studienbedingungen. Denn eine aktuelle Studie im Auftrag der "Hochschulinitiative Neue Bundesländer" ergibt: Absolventen ostdeutscher Hochschulen sind mit der eigenen Hochschule und dem Studienverlauf etwas zufriedener als die westdeutscher Hochschulen.

Auch wenn 2010 erstmals mehr westdeutsche Abiturienten an einer ostdeutschen Hochschule ihr Studium aufnahmen als umgekehrt, müssen Hochschulen in den neuen Bundesländern weiter für neue Studienanfänger kämpfen. Denn die Zahl der Schulabgänger sinkt im Osten stark. Die "Hochschulinitiative Neue Bundesländer" möchte deshalb Abiturienten in den Osten locken. Getragen wird sie von den Wissenschaftsministerien der neuen Länder, gefördert vom Bundesbildungsministerium und werblich befeuert von der Werbeagentur Scholz & Friends.

Bislang setzte sie mit der Werbekampagne "Studieren in Fernost" oft auf Krawall und Jux: So reisten die Asiaten Gang und Dong für einen Imagefilm in Vampirkostümen zum Rektor der Uni Leipzig. "Saublöd", fand der das allerdings. Daneben gab es die "Abenteuerreise Fernost", drei Tage Osten, für 99 Euro, alles inklusive. Und die Uni Leipzig bot den Sprachkurs "Sächsisch für Anfänger" an - ein ziemlich guter Marketing-Gag.

Ostdeutsche Absolventen fühlten sich sehr gut betreut

Nun setzt die Initiative offenbar auf seriösere, belastbare Zahlen. Sie beauftragte für ihre Studie "Karrierechancen der Absolventen ostdeutscher Hochschulen", die SPIEGEL ONLINE vorliegt, die Unternehmensberatung DIW econ des Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (Zusammenfassung der Studie als pdf) . Die befragten 515 Absolventen in Deutschland, die seit dem Jahr 2001 ihr Studium beendet haben. Gleichzeitig nahmen Personalverantwortliche von 505 Unternehmen in Deutschland mit 100 und mehr Beschäftigten teil. Studienautor für die DIW econ ist der Wirtschaftswissenschaftler Anselm Mattes.

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Absolventen-Studie: Ostdeutsche Akademiker sind zufriedener

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Die Absolventen sollten rückblickend ihr Studium und die Hochschule einschätzen, die Aktualität der Studieninhalte beispielsweise, Verbindung von Theorie und Praxis, Betreuung durch Lehrende und die Ausstattung der Hochschule. Insgesamt bewerten ost- und westdeutsche Absolventen ihr Studium recht ähnlich. Allerdings sagen 87 Prozent der ostdeutschen und nur 82 Prozent der westdeutschen Absolventen, sie würden diese Hochschule noch einmal wählen. Auch in den Detailfragen schnitten die Hochschulen in den neuen Bundesländern bei den Absolventen immer etwas besser ab. Sie konnten dabei Werte von 1 (sehr negativ) bis 5 (exzellent) vergeben.

  • Bei der Frage nach der Studierbarkeit, also ob ein Studium in der Regelstudienzeit gut machbar ist, vergaben rund 73 Prozent der ostdeutschen Absolventen die Bestnoten 4 oder 5. Das taten nur rund 65 Prozent der Westdeutschen.
  • Rund 62 Prozent der ostdeutschen Absolventen fühlten sich gut bis exzellent betreut. Das sagte etwa jeder zweite westdeutsche Absolvent. Ähnlich bewerteten die Absolventen auch die Ausstattung west- und ostdeutscher Hochschulen.
  • Immerhin 35 Prozent der ostdeutschen Absolventen fühlten sich gut bis exzellent auf den Beruf vorbereitet, bei den westdeutschen waren es rund 28 Prozent.

Berufseinstieg: Ostdeutsche Absolventen haben's schwer

Wobei sich dann beim Berufseinstieg deutliche Unterschiede zwischen den Absolventengruppen ergeben. So suchten die Ostdeutschen durchschnittlich 4,3 Monate bis sie ihren ersten Job gefunden haben, die Westdeutschen nur 2,5 Monate. Letztere mussten auch deutlich weniger Bewerbungen schreiben und Bewerbungsgespräche führen. Auch beim Einstiegsgehalt schneiden sie besser ab: Absolventen von westdeutschen Hochschulen erhielten durchschnittlich ein Jahresgehalt von 34.000 Euro, die von ostdeutschen Hochschulen nur 28.400 Euro. "Dies dürfte jedoch in erster Linie die Arbeitsmarktsituation in den neuen Bundesländern widerspiegeln", schreiben die Autoren der Studie.

Das könnte stimmen, denn zumindest die befragten Personalverantwortlichen schätzten die Qualität des Studiums in Ost- und Westdeutschland als weitgehend gleichwertig ein. Fast jeder Dritte sagt sogar, dass die Ausstattung in den ostdeutschen Hochschulen besser ist als in den westdeutschen. Die Vernetzung mit der Wirtschaft allerdings fand etwa jeder Fünfte schlechter als in den alten Bundesländern, ein Nachteil für die Ost-Absolventen, die in der Nähe ihres Studienorts auf Arbeitssuche gehen wollen.

Mietspiegel der Studentenbuden

Als Bewerber seien beide Absolventengruppen ähnlich gut qualifiziert, urteilten die Personalverantwortlichen. Unterschiede sieht nur etwa jeder Sechste: So sagten 15 Prozent der Personaler, Absolventen ostdeutscher Hochschulen seien motivierter, gleichzeitig wird ihnen etwas weniger internationale Kompetenz zugetraut.

Auch wenn der Jobeinstieg in den neuen Bundesländern mühsamer ist und das Einstiegsgehalt geringer, schreiben die Wissenschaftler in ihr Fazit: "Zusammenfassend gibt es damit keinen Hinweis darauf, dass die Arbeitsmarkt- und Karrierechancen für Absolventen ostdeutscher Hochschulen schlechter sind als diejenigen der Absolventen westdeutscher Hochschulen." Über 20 Jahre nach der deutsch-deutschen Einheit sei die Angleichung auch auf bildungspolitischer Ebene vollzogen - zumindest aus Sicht der Absolventen und Arbeitgebern, die auf Wunsch der "Hochschulinitiative Neue Bundesländer" befragt wurden. Aus Sicht der Auftrageber passt dieses Fazit natürlich ziemlich gut. Denn trotz umgestrickter Kampagne heißt deren Slogan weiterhin: Studiert in Fernost!