Apples erstes Foldable iPhone Duo: Zauberhaft oder fauler Zauber?
Apples neuer CEO schüttelt in seiner ersten Keynote gleich ein Foldable aus dem Ärmel. Doch so leicht wird es für ihn nicht weitergehen. Eine Analyse.
John Ternus vor dem ersten faltbaren iPhone: Zauberhaft oder droht ein fauler Zauber?
(Bild: Apple / Bearbeitung: heise medien)
Einer Sorge konnte sich der neue CEO von Apple gleich an Tag 9 seiner Amtszeit entledigen: Sein erstes großes Ding ließ nicht lange auf sich warten. Zumindest auf den ersten Blick. Das Apple-Foldable iPhone Duo ist das andersartigste iPhone seit dem ersten Gerät im Jahr 2007. John Ternus hat es als bisheriger Hardware-Chef sogar selbst mit erschaffen. Dass er es in seiner Debüt-Keynote präsentieren konnte, darf er getrost auch als Geschenk und Wegbereitung seines Vorgängers Tim Cook verbuchen, der im großen Werbefilm mit einem Blitzauftritt an seinen Nachfolger weitergab. Cook selbst musste sich nach seinem eigenen Einstand im Jahr 2011 wegen der langen Wartezeit einiges anhören, von Journalisten, Analysten und Apple-Kunden. Der Fluch der fehlenden ersten großen Innovation seiner Amtszeit war erst mit der Apple Watch im Jahr 2015 gebrochen.
Ein anderes Problem hat Ternus allerdings geerbt – und zumindest zum Auftakt konnte er es nicht vergessen machen: Apple strahlte in den vergangenen Jahren immer seltener das Gefühl aus, dass die Verantwortlichen selbst ihre besten Kunden sind. Daran konnte auch die Leichtigkeit, wie Ternus jetzt die magischen drei Worte „One more thing“ benutzte, nicht viel ändern.
Der Zauber früherer Tage
Der Zauber der oft zitierten ersten Produktpräsentationen von iPhone, iPad und einiger Macs war auch, dass der einstige Apple-Chef Steve Jobs das Gefühl vermittelte, dass er dieses Produkt selbst intensiv nutzt. Man kaufte Jobs ab, dass er das iPhone vor allem deshalb in die Welt setzen wollte, weil er wie viele seiner Kunden der vielen glücklosen Geräte anderer Hersteller überdrüssig war. Das iPhone sollte nicht nur Geld in Apples Kassen spülen, es sollte die Technikwelt besser machen.
Tim Cook ist das in seinen Jahren als CEO nicht immer gelungen. Zwar beteuerte er, selbst Vielnutzer der Apple Vision Pro zu sein. Aber so richtig abkaufen wollten ihm das nur wenige. Der Einstieg in das räumliche Computing wirkte eher wie eine strategische Entscheidung, weil sich Apples Mitbewerber aufmachten, den Bereich zu besetzen. Und passend dazu fehlte auch ein wenig der Nachdruck: Immersive Inhalte wurden erst spät nachgeliefert und die System-Apps sind bis heute nicht alle Vision-Pro-nativ. Ein klares Bekenntnis sieht anders aus.
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Tim Cooks Erfolgsrezept
Was Cook dagegen konnte: Zahlen lesen und Produktpflege betreiben – das bescherte Apple verlässlich Rekordzahlen. Vor allem im Inneren, in Apples Logistik, hat er sich damit einen Eintrag in die Geschichtsbücher erarbeitet: Das Zusammenspiel von Zulieferern, Fertigung und Distribution ist alles andere als trivial – speziell, wenn wir über ein millionenfach nachgefragtes Produkt wie das iPhone sprechen. Und unter Cooks Führung wurden immer neue Spielarten des iPhones auf den Weg gebracht: groß (Plus), klein (Mini) oder leicht (Air) – Apple lieferte verlässlich neue Reize, obwohl das Smartphone vielen als recht ausentwickelt galt. Nicht alles blieb am Markt, aber es erfüllte zumindest den Zweck, der Evolution des iPhones einen kleinen Aha-Effekt zu geben – und die Zahl der Geräteverkäufe zu sichern.
Nun also Ternus und das erste faltbare iPhone, das iPhone Duo. Es machte, wenn man sich die Reaktionen im Netz ansah, zumindest direkt nach der Präsentation vergessen, dass die Fortschritte beim iPhone 18 Pro (Max) und bei den Apple Watches im Modelljahr 2026 eher spärlich ausfallen. Aber das Duo teilt das Schicksal anderer jüngerer Produkte: Ästhetisch und technisch beeindruckend, aber es fehlt einem im Moment noch die Fantasie, dass es künftig jeder haben möchte. Und wer Ternus mal persönlich erlebt hat, traut ihm deutlich mehr Überzeugungskraft zu, als er sie in einem Premierenauftritt gezeigt hat.
Einstieg in einen (weiteren) schwierigen Markt
Das iPhone Duo wird beweisen müssen, ob es wirklich so zauberhaft ist oder sich für Apple als fauler Zauber erweist. Laut Marktforschern stellen Foldables gerade mal einen einstelligen Prozentanteil am gesamten Smartphone-Markt, obwohl andere Hersteller sie seit Jahren bauen und auf ein solides Qualitätsniveau gehoben haben. Mit einem Startpreis von knapp 2300 Euro ist das Duo kein Gerät, das Käufer leichtfertig ausprobieren, sondern ein Smartphone für Überzeugungstäter. Apple will hier mit Stabilität, Wertigkeit und einem durchdachten Software-Konzept punkten. Alleine die Animation beim Zusammenklappen des Duo ist ein optisches Highlight – aber genau mit dieser Mixtur wollte das Unternehmen vor drei Jahren auch gegen Plastikbomber der Mixed-Reality-Konkurrenz brillieren. Am Ende entscheidet über Erfolg oder Misserfolg, ob das Gerät für Käufer wirklich im Alltag einen Mehrwert entfaltet.
Der neue Apple-Chef Ternus hat durch die frühe Präsentation seines ersten großen Dings immerhin ein Ass im Ärmel. Wenn Apple damit den Foldable-Markt nachhaltig aufmischt, kann er es zu seinem Erfolg erklären – schließlich hat er ja sogar mit daran gebaut. Sorgt das iPhone Duo dagegen nur für ein kurzes Aha und teilt dann das Schicksal der Vision Pro, kann man es bei Apple als letzte Produktentscheidung Cooks verbuchen. Der ist so uneitel, dass er das im Dienste der Sache als neuer Executive Chairman für sein Apple mittragen würde.
Auf der Suche nach neuen Aha-Momenten
Die erste iPhone-Keynote von John Ternus sollte bemüht anders aussehen – das war an vielen Details des Videos zu erkennen –, aber sie trug natürlich noch zweifelsfrei die Handschrift seines Vorgängers. AirPods 5, Apple Watch Series 12, Apple Watch Ultra 4, die neuen Pro-iPhones – sie alle sind solide Produktpflege und werden die Einnahmen verlässlich weiterhin sprudeln lassen. Aber das kann Apple auf Dauer nicht zufriedenstellen. Neue Revolutionen müssen her, sonst gehen sie schlimmstenfalls von anderen aus. Der einzige wirkliche Aha-Moment am Mittwochabend war das iPhone Duo. Ternus kann auf große Erfolge als Hardware-Chef zurückblicken, deshalb ist er CEO geworden. Ausruhen – das wurde am Mittwochabend sehr deutlich – kann er sich darauf nicht.
(mki)