Im Test: Honda Civic 1.0 VTEC Turbo CVT
Seit ein paar Monaten gibt es die zehnte Generation des Honda Civic auch hierzulande. Ein Test mit dem Basismodell zeigt, dass Honda der eigenwilligen Gestaltung der beiden Vorgänger weitgehend treu geblieben ist. Doch an mindestens einem Punkt muss nachgebessert werden
Es kann schon mal passieren, dass man beispielsweise statt eines Renault Mégane einen Opel Astra kauft – weil das Angebot so gut, der Verkäufer so nett oder der Händler so nah ist. Einen Honda Civic kauft dagegen vermutlich keiner zufällig. Mit der achten Generation hat sich die Marke entschieden, mittels grobem Keil aus der Masse der Autos in dieser Klasse herauszusteigen. Seit dem ist der Civic ein Fall für Individualisten. Der zehnten Auflage kann man allerhand nachsagen, doch Everybodys Darling ist sie ganz sicher nicht. Ein Test mit dem Basisbenziner zeigt dies in vielerlei Hinsicht eindrücklich.
Polarisiert
Über die Gestaltung wollen wir nicht viele Worte verlieren – das Design polarisiert gewaltig, was man letztlich wohlwollend durchaus als Bereicherung sehen kann. Der Civic hat die ursprünglichen Konkurrenten in einer Dimension allerdings weit hinter sich gelassen. Mit einer Länge von 4,52 Meter sprengt er den Rahmen des in der Golf-Klasse Üblichen bei weitem und ist damit etwa so lang wie ein VW Touran. Dies wäre kein Problem, wenn das Platzangebot dafür entsprechend besser wäre.
Im Test: Honda Civic 1.0 VTEC Turbo CVT (29 Bilder)

(Bild: Florian Pillau)
Doch weder vorn noch hinten bietet der Civic mehr, als in der Kompaktklasse üblich ist. Vor allem auf den Vordersitzen ist der Platz sogar ziemlich beschränkt. Die Sitze lassen sich nicht weit genug nach hinten rücken, sodass Menschen mit sehr langen Beinen fast nur mit dem Hintern auf der Sitzfläche hocken. Eine Neigungsverstellung der Sitzfläche könnte das Problem teilweise entschärfen, doch die gibt es nicht. Dazu hat das rechte Knie Dauerkontakt mit der Mittelkonsole. Da trösten dann weder die flinke Sitzheizung noch die weit nach oben reichenden, stabilen Kopfstützen. Hinten sind die ISOfix-Bügel hinter Lederlappen zwischen Sitzfläche und -Bank so eingeklemmt, dass man bei häufigem Wechsel Angst um den Bezug haben muss.
Großer Kofferraum
Wirklich deutlich mehr als in der Kompaktklasse üblich bietet der Civic beim Kofferraum. Mit 478 Litern ist er kaum kleiner als die Gepäckabteile in Mercedes C-Klasse T-Modell oder Audi A4 Avant – und diese Autos sind rund 20 cm länger. Allerdings gibt es eine kleine Erhebung vor der Rückenlehne, die sich mangels höhenverstellbaren Ladebodens auch nicht ausgleichen lässt. Sehr eigenwillig löst Honda auch die Laderaumabdeckung. Sie ist zweiteilig: Ein Teil ist an der Heckklappe befestigt, der zweite Teil ist ein Rollo, das quer aufgezogen wird. Wo der Vorteil dieser Lösung liegt, wird nicht so recht ersichtlich, aber vielleicht reichte den Gestaltern die Gewissheit, wieder etwas anders gelöst zu haben.
Diesen Anspruch hatten die Designer auch beim Armaturenbrett, womit weniger die große Linie gemeint ist als zahlreiche Detaillösungen. In das Infotainmentsystem muss man sich etwas einarbeiten, stellt dann aber fest, dass sich die Entwickler hier und da doch etwas gedacht zu haben scheinen – das ist keineswegs selbstverständlich. Nach und nach erschließen sich die Menüs, wenngleich mancher Weg etwas weniger verwinkelt sein könnte. Dass es hier keinen Drehregler für die Lautstärke mehr gibt, ist genauso gut wie bei Volkswagen – nämlich gar nicht. Zumal hier noch der Temperaturregler genau der Stelle sitzt, an der man den für die Lautstärke vermutet. Anfangs verstellt man also öfter mal die Gradzahl statt die Intensität des Schalls.
Die Verkehrszeichenerkennung hat Probleme mit Ortseingangsschildern. Dann wird innerorts schon mal Tempo 80 empfohlen. Der Fernlicht-Assistent könnte eine große Erleichterung sein, doch er blendet in manchen Situationen etwas zu spät ab. Mitunter ist auch im Ort noch Fernlicht an. Wie bei der Verkehrsschilderkennung fragt man sich, warum hier keine Verknüpfung mit dem Navi geschaffen wurde – das weiß ja schließlich, wo das Auto gerade ist. Der Spurhalte-Assi funktioniert insgesamt recht zuverlässig und rüttelt vernehmlich am Steuerrad, wenn er einen Fehler erkannt haben will.
Eigenheiten
Eigenwillig ist auch das Kombiinstrument: Rechts und links gibt es zwei Leuchtbalken, die über Tankinhalt und Temperatur des Kühlwassers informieren. In der Mitte verbaut Honda ein Display, was allerdings im grundsätzlichen Layout nicht variabel ist. Unterhalb des großen Drehzahlmessers können dann Dinge wie Weghinweise, Bordcomputer und aktuelle Audio-Infos eingeblendet werden. Zwischen diesen Dingen zu hin und her zu wechseln, ist nicht ganz trivial: Erst die Infotaste drücken, dann mit den Lenkradtasten innerhalb einer bestimmten Zeit bestimmen, was man sehen will. Zu der Einfachheit eines VW-Bordcomputers hält der Honda so sicheren Abstand. Das gilt auch für die Bedienung des Tempomats, an dem zwei Tester verzweifelt sind. Wie mit vielen Bedienschrullen gilt freilich auch hier: Wer den Civic länger fährt, wird sich mit den meisten Eigenheiten irgendwann arrangieren.
Vielleicht gilt das auch für Materialwahl und Verarbeitung. Der Testwagen, in der höchsten Ausstattungslinie ab Werk umfangreich ausstaffiert, ließ durchaus noch Raum für Verbesserungen in beiden Bereichen. Große Spaltmaße und zum Teil sehr einfache Kunststoffe zeugen von einer gewissen Nonchalance auf Seiten des Herstellers zu diesem Thema. Im Testwagen war zudem aus dem Bereich obere B-Säule/Dach ein leises Quietschen zu hören. Nach ein paar Tagen konnte ich das Geräusch weiter eingrenzen: Es kam im Testwagen von der Bewegung der Türen im Türrahmen. Die Dichtung war es, die dabei leise quietschte.
Sympathischer Antrieb, jedoch ...
Für die zehnte Generation hat Honda neue Motoren ins Programm genommen. In Europa gibt es den Civic derzeit mit einem 1,5-Liter-Vierzylinder, der 182 PS leistet, und einem Einliter-Dreizylinder mit 129 PS. Letzterer war im Testwagen installiert. Die kleine Maschine tritt kräftig an – kein Vergleich zum müden Renault Mégane mit ähnlich viel Leistung. Im Verbund mit dem CVT ergibt sich insgesamt eine angenehme Antriebsquelle, zumal Honda den gefürchteten Gummiband-Effekt erfolgreich verhindert. Gewundert hat mich, wie es manchmal eine künstliche Stufung mit der stufenlosen Arbeitsweise überlagert. Da fährt man in einem Gang konstant dahin und die Drehzahl sinkt, ohne, dass der Gang gewechselt wird. Das war mir bisher unbekannt. Aber warum eigentlich nicht?
Wer sich mit der stufenlosen Regelung gar nicht anfreunden mag, kann auch zwischen sieben festen Stufen wählen. Im Sportmodus bleibt die Drehzahl stets etwas höher, obwohl die Maschine eigentlich auch aus Drehzahlen rund um 1500/min ganz ordentlich beschleunigt. Das Drehmoment ist in der Version mit CVT (180 Nm) etwas geringer als ohne (200 Nm). Ganz interessant ist übrigens die Übersetzung von Achse (4,992) und Getriebe (0,408 bis 2,526). Die Achse ist im Civic also sehr viel kürzer übersetzt als normal, was auch auf die Version mit Schaltgetriebe zutrifft. Dort sind es 4,702.
An zwei Dingen könnte Honda allerdings noch nacharbeiten. Zum einen ist die Geräuschdämmung eher dürftig, was dadurch etwas gemindert wird, dass der kleine Motor recht sympathisch tönt. Schwerwiegender ist aber der viel zu hohe Verbrauch. Zunächst vermutete ich, Honda wolle über einen irren Bordcomputer die nervliche Leistungsfähigkeit des Fahrers testen. Dass mir mein Kollege Christian den Testwagen mit rund zehn Litern auf der Anzeige übergab, ist im Normalfall kein Schock. Der arme Mann hat es stets eilig und offenbar auch öfter freie Bahn.
Viel zu viel
Doch die ersten Nachtankungen ergaben auch bei meinem Profil, bestehend aus betont zurückhaltender Fahrweise und rund 50 km am Stück über Land, Werte um sieben Liter. Das ist viel zu viel. Minimal waren es 6,4 Liter, was ungefähr auch dem entspricht, was der Bordcomputer anzeigt. Die Anzahl der Nutzer mit gleichem Modell auf Spritmonitor ist noch sehr gering, doch der Verbrauch geht dort in eine ähnliche Richtung. Um das einmal ins Verhältnis zu setzen: Ein Seat Leon 1.4 TSI ACT mit DSG hatten wir unter ähnlichen Bedingungen bei rund 5 Litern, einen Opel Astra 1.4T ebenfalls. Beide haben mit 150 PS auch noch mehr Leistung.
Gut ausgestattet
Schockpotential bietet auch die Preisliste, allerdings nur auf den ersten Blick. Mit der von uns gefahrenen Kombination aus dem Dreizylinder, CVT und der Ausstattungslinie „Executive Premium“ kostet der Civic immerhin 30.170 Euro. Doch egal, ob Navigationssystem, LED-Scheinwerfer, Lederbezüge oder Schiebedach – im Civic ist dann so gut wie alles drin, was Honda anbietet. Übrig bleiben noch Metalliclack, größere Alufelgen, Anhängerkupplung und ein Spoilerkit. Wer den Civic mit CVT haben will, muss mindestens 26.470 Euro anlegen. Schon in diesem Preis sind Dinge wie Navigationssystem und Klimaautomatik enthalten. Dem Basismodell für 19.990 Euro fehlt nicht nur ein Radio, sondern auch die Klimaanlage. Bei aller zur Schau getragenen Eigenständigkeit: Das dürfte heute auch unter Individualisten kaum noch mehrheitsfähig sein.
Die Überführung hat Honda übernommen. Kosten für Sprit wurden vom Autor getragen.
Datenblatt
| Motorart | Turbo-Benziner |
| Zylinder | 3 |
| Ventile pro Zylinder | 4 |
| Hubraum in ccm | 998 |
| Leistung in PS | 129 |
| Leistung in kW | 95 |
| bei U/min | 5500 |
| Drehmoment in Nm | 180 |
| bei U/min | 1700 bis 4500 |
| Antrieb | vorn |
| Getriebe | CVT |
| Spurweite vorn in mm | 1537 |
| Spurweite hinten in mm | 1565 |
| Radaufhängung vorn | McPherson |
| Radaufhängung hinten | Mehrlenker |
| Bremsen vorn | Scheiben 280 mm |
| Bremsen hinten | Scheiben 282 mm |
| Wendekreis in m | 11,8 |
| Räder, Reifen vorn | 7j x 17; 235/45 R17 |
| Räder, Reifen hinten | 7j x 17; 235/45 R17 |
| Lenkung | Adaptive elektrische Servolenkung mit variabler Übersetzung |
| Länge in mm | 4518 |
| Breite in mm | 1799 (2076 mit Außenspiegeln) |
| Höhe in mm | 1434 |
| Radstand in mm | 2697 |
| Leergewicht in kg nach EU inklusive 68 kg Fahrer und 7 kg Gepäck | 1284 |
| Kofferraumvolumen in Liter | 478 |
| Maximales Kofferraumvolumen in Liter | 1245 |
| Anhängelast, gebremst in kg | 800 |
| Tankinhalt in Liter | 46 |
| Höchstgeschwindigkeit in km/h | 200 |
| Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden | 11 |
| EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km | 5 |
| EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km | 5,7 |
| EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km | 4,6 |
| Testverbrauch Minimum in Liter/100 km | 6,4 |
| Testverbrauch Gesamt in Liter/100 km | 7,3 |
| Modell | Honda Civic 1.0 VTEC Turbo CVT |
| Bohrung x Hub in mm | 73 x 78,7 |
| Schluesselnummer zu 2 / zu 3 | 7100 / ADH |
Preisliste
| Grundpreis | 28.870 |
| Währung | Euro |
| Seitenairbags vorn | Serie |
| Kopfairbags vorn | Serie |
| Kopfairbags hinten | Serie |
| Klimaautomatik | Serie |
| Automatikgetriebe | 1300 (CVT) |
| Navigationssystem | Serie |
| CD-Player | - |
| Schiebedach | Serie |
| Metallic-Lackierung | 520 |
| Leichtmetallfelgen | Serie |
| Lederausstattung | Serie |
| Modell | Honda Civic 1.0 VTEC Turbo Executive Premium |
| Preisliste Stand | November 2017 |
| Alarmanlage | Serie |
| Freisprecheinrichtung | Serie |
| DAB+ (Digitalradio) | Serie |
| Abstandstempomat | Serie |
| Spurhalteassistent | Serie |
| Einparksensoren vorn | Serie |
| Einparksensoren hinten | Serie |
| Totwinkelwarner | Serie |
| USB-Anschluss für Musik | Serie |
| LED-Scheinwerfer | Serie |
| Sitzheizung | Serie |
| Abnehmbare Anhängerkupplung | 740 |
| Spoilerkit | 1090 |
| 18-Zoll-Alufelgen | 1390 |
| Abnehmbare Anhängerkupplung | 740 |
| Spoilerkit | 1090 |
| 18-Zoll-Alufelgen | 1390 |
| Abnehmbare Anhängerkupplung | 740 |
| Spoilerkit | 1090 |
| 18-Zoll-Alufelgen | 1390 |
(mfz)