Neue Elektroautos 2019 | heise autos

Neue Elektroautos 2019

Es kommt Bewegung in das E-Auto-Angebot, denn endlich steigen auch die Großen der Branche ernsthaft in das Geschäft ein. Mit frischen Autos, die rund 50 kWh Batteriekapazität bieten, deckt das Angebot immer mehr Anforderungsprofile ab

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Honda

(Bild: Honda)

Lesezeit: 7 Min.
Von
  • Christoph M. Schwarzer
Inhaltsverzeichnis

Die Auswahl wächst rasant: Nach Jahren der Ankündigungen kommen immer mehr batterieelektrische Autos (abgekürzt BEV für Battery Electric Vehicle) und Plug-in-Hybride (PHEV für Plug-in Hybrid Electric Vehicle) tatsächlich beim Kunden an. Das ändert zwar nichts daran, dass wiederum neue Ankündigungen die Neugierde weiter steigern sollen. Viele Ungeduldige aber haben das Warten zu Recht satt: Sie können sich zum Beispiel, drei Jahre nach der großen Präsentationsshow von Elon Musk, endlich auf die Auslieferung des Tesla Model 3 freuen. Das wird mit mindestens 57.900 Euro („Long Range“) bzw. 68.600 Euro („Performance“) zwar viel teurer als erhofft – dennoch werden die Autos allen Unkenrufen zum Trotz wirklich gebaut.

Wir geben die Bruttolistenpreise exklusive Umweltprämie an, die für BEV 4000 Euro und für PHEV 3000 Euro beträgt. Wichtiger als diese Förderung, die je zur Hälfte vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle und Herstellern getragen wird, ist die seit 1. Januar 2019 geltende Steuersenkung für Firmenautos mit E-Motor. Für die private Nutzung muss statt einem nur noch ein halbes Prozent des Bruttolistenpreises pro Monat als geldwerter Vorteil versteuert werden.

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Der Hyundai Ioniq ist so erfolgreich, dass der Hersteller nicht mit der Produktion hinterherkommt. Aktuell gehalten wird die Serie dennoch, die Kapazität steigt demnächst auf geschätzt 40 kWh.
(Bild: Christoph M. Schwarzer)

Davon wird auch der VW ID. profitieren. Das kompakte Elektroauto mit Heckantrieb und modularem Elektrifizierungsbaukasten (MEB) wird wohl erst im Januar 2020 zu den Händlern rollen. Volkswagen wird trotzdem eine gigantische Vermarktungskampagne starten. Die Wolfsburger werden Vorbestellungen entgegennehmen – vielleicht schon Ostern. Ob die Premiere des ID. auf der IAA oder ob zu einem Sondertermin stattfinden wird, steht noch nicht fest. Die Preise sollen bei unter 30.000 Euro anfangen.

Der Volkswagen-Konzern bringt neben dem ID. noch den international ersehnten Porsche Taycan und gibt Aussprachekurse. Die erste Silbe des Namens soll wie bei Thailand und die zweite mit offenem A ausgesprochen werden. Der Grundpreis wird unter 100.000 Euro liegen – der tatsächliche Kurs wie üblich bei Porsche deutlich darüber. Wer es geringfügig günstiger will, bekommt den Audi e-tron ab circa 80.000 Euro. Das über 2,4 Tonnen schwere SUV erhält im Jahresverlauf mit dem e-tron Sportback eine Schrägheckvariante. Und als Ausblick auf 2020 wird Audi den e-tron GT vorstellen, der die 800-Volt Premium Platform Electric mit dem Porsche Taycan teilt. Am anderen Ende der Modellpalette wird der VW e-Up (Test) durch einen Nachfolger ersetzt, der auch als Skoda e-Citigo und Seat e-Mii erscheint.

Ein optisch begehrenswerter Konkurrent bei den lieben Kleinen könnte der Honda Urban EV sein. Das Serienauto wird, anders als die Studie, vier Türen haben. Die angenehmen Proportionen bleiben jedoch erhalten. Wir hoffen, dass der gestalterische Mut belohnt wird. Massenrelevanter wird die zweite Generation des Renault Zoe, dessen Premiere bereits für den Genfer Autosalon erwartet wird. Im Unterschied zum Topseller Nummer 1 wird der neue Zoe gleichstromladefähig sein, zeitgemäße Assistenzsysteme bieten und eine auf rund 50 kWh gewachsene Batteriekapazität haben. Diese Größenordnung dürfte der Mindeststandard bei den Kompakten werden.

So verkauft der PSA-Konzern mit dem DS3 Crossback E-Tense ab der zweiten Jahreshälfte das erste Modell auf der neuen, gemeinsam mit dem cinesischen Partner Dongfeng entwickelten Plattform. Der E-Tense hat 50 kWh Batteriekapazität und ist serienmäßig dreiphasig mit Wechselstrom und natürlich mit Gleichstrom aufladbar. Die gleiche technische Basis erhalten der elektrische Opel Corsa, der Nachfolger des Peugeot 208 sowie ein Modell der Marke Citroën.

Bevor wir die wichtigen, weil realistischen elektrischen Neuheiten aus Asien aufzählen, sollen die deutschen Premiummarken BMW und Mercedes zu Wort kommen: BMW bringt den iX3 mit mindestens 70 kWh Batteriekapazität, kündigt den „elektrischen 3er“ mit dem Arbeitstitel i4 an, und weil es offenbar unvermeidbar ist, wird ein schweres SUV folgen. Für die dynamische Stadtfahrt geht der e-Mini in den Verkauf – ein hausinterner Wettbewerber des bewährten i3, bei dem die Option des Range Extenders mit der aktuellen Batterie weggefallen ist. Mercedes liefert endlich den GLC F-Cell in Kleinserie aus; es folgen der EQA auf Basis der A-Klasse und eine Studie des EQS als Ausblick auf eine S-Klasse ohne Verbrennungsmotor.

Unterdessen steigt die Vielfalt der Modelle aus Japan und Südkorea: Nissan ergänzt den Leaf 2 (Test) durch eine von 40 auf mehr als 60 kWh gesteigerte Batteriekapazität. Hartnäckig hält sich das Gerücht, der starke Leaf hätte keine Flüssigkeitskühlung für den elektrochemischen Speicher, was beim 40er Leaf zu Rapidate führte – warten wir es ab. Toyota lässt sich wie gehabt Zeit und wird ein BEV auf Basis des C-HR einführen und das vorerst nur für den chinesischen Markt. Toyota, ganz auf Bodenständigkeit gepolt, will in Europa zuerst mit dem Corolla Hybrid und dem Corolla Touring Sports Hybrid sowie mit dem RAV4 Hybrid punkten. 2020 soll es weitere BEVs und vor allem FCEVs geben, also brennstoffzellenelektrische Fahrzeuge.

Hyundai verkauft bald das Facelift des Ioniq electric mit auf geschätzt 40 kWh erhöhter Batteriekapazität. Dazu liefert der südkoreanische Autohersteller den Kona EV als BEV sowie den Nexo als FCEV aus. Hyundai hat seinen guten Ruf bei Elektroautos etabliert, was zu längeren Lieferfristen in Folge hoher Nachfrage führt. Damit müssen die Käufer bei Kia gleichfalls rechnen: Der e-Niro ist 20 Zentimeter länger als der Hyundai Kona EV und hat entsprechend mehr Platz. Ebenfalls neu ist der Kia Soul EV 2, der mit 150 kW und 64 kWh deutlich mehr bietet als sein Vorgänger.

Während die großen Hersteller aus den Vollen schöpfen können, müssen die kleinen kämpfen: Der Sono Sion wird mit 25.500 Euro viel teurer als vermutet, und der e.Go Life lässt inzwischen zu lange auf sich warten. Das Zeitfenster für die mutige Kleinkonkurrenz schließt sich, denn die Großen der Branche können mittels Quersubventionierung zumindest mittelfristig Preise aufrufen, die kleine Hersteller nicht mitgehen können. Die Frage ist, ob sie das wollen.

Neben den vielen BEVs sollten die PHEVs nicht vergessen werden. Sie erhalten durch die 0,5-Prozent-Regelung Rückenwind. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit nennen wir die wichtigsten Vertreter dieser Antriebsgattung: Der neue 3er BMW kommt in der zweiten Jahreshälfte als 330e. Nach der Vorstellung im Februar wird der Volkswagen Passat GTE zeitgleich mit dem allgemeinen Facelift an die Käufer übergeben. Mercedes versucht es sogar mit der Kombination aus aufladbarer Batterie und Dieselmotor: bei C300de und E300de ist es entweder leise oder – ein wenig – rumplig. Das alles ist lediglich die Erweiterung des Anfangs der Elektromobilität – der echte Boom dagegen ist für die erste Hälfte des kommenden Jahrzehnts absehbar.

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