Programmierkollege KI
Co-Authored by Claude Code
Dank KI gibt es plötzlich so viel Code wie nie. Die Technik senkt Einstiegshürden und ändert, wie Entwickler arbeiten. Gleichzeitig scheint sie die Situation am IT-Arbeitsmarkt zu verschlechtern. Eine Bestandsaufnahme.
Jahrelang wurde jungen Menschen eingetrichtert, dass es fast ein Garant für einen sicheren, gut bezahlten Bürojob ist, wenn man programmieren kann. Wer vor vier Jahren angefangen hat, Informatik oder einen verwandten Studiengang zu studieren, kannte Begriffe wie Vibe-Coding, Agentic AI Development oder Tokenmaxxing noch nicht. Schlicht, weil es sie damals noch nicht gab. Im November 2022 wurde ChatGPT veröffentlicht. Die Welt zeigte sich beeindruckt davon, was OpenAIs Flagship-LLM (Large Language Model) konnte: polierte PowerPoint-Folien, deren Inhalt oft weniger überzeugend war als ihre Optik; Texte, die orthografisch und grammatikalisch richtig waren, faktisch aber oft schwächelten, und Code, der mit ein bisschen nachbessern oft ausführbar war, den aber niemals jemand in einer Produktivumgebung verwendet hätte.
Heute steht die These im Raum, dass man, um mit KI Software zu entwickeln, gar nicht mehr zwingend programmieren können muss. Dass das nicht die ganze Wahrheit ist, werden einem vor allem Menschen sagen, die sich mit der Materie auskennen (siehe S. 24). Dennoch: KI-Tools senken die Einstiegshürden. Laut dem jährlich vom Unternehmen hinter der gleichnamigen Versionsverwaltungsplattform GitHub veröffentlichten State of the Octoverse Report wurde im Jahr 2025 im Schnitt mehr als ein neues Benutzerkonto pro Sekunde auf der Plattform eröffnet – knapp ein Viertel mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Nutzerzuwachs fiel laut des Reports zeitlich zusammen mit der Einführung der kostenlosen Basisversion von GitHubs KI-Programmierassistenten „GitHub Copilot Free“ Ende des Jahres 2024.