Test: Toyota Corolla 1.8 Hybrid | heise autos

Test: Toyota Corolla 1.8 Hybrid

Der neue Toyota Corolla Hybrid soll noch sparsamer sein als sein in dieser Hinsicht bereits sehr guter Vorgänger. Und das mit zuverlässiger Lowtech anstelle des Technologie-Overkills aller anderen Hybridantriebe. Klappt das? Ein Test

vorlesen Druckansicht 413 Kommentare lesen
Toyota Corolla 1.8 Hybrid

(Bild: Schwarzer)

Lesezeit: 6 Min.
Von
  • Christoph M. Schwarzer
Inhaltsverzeichnis

Wenn Toyota, dann bitte als Hybrid: 91 Prozent der im April 2019 neu zugelassenen Corolla haben neben dem Verbrennungs- einen Elektromotor (exakt gezählt sogar zwei davon) unter der Haube. Der leistungsverzweigte Hybrid ist der international meistverkaufte Antrieb dieser Art. Er wird ständig weiterentwickelt, ist für unbedingte Verlässlichkeit bekannt, und er ist herausragend sparsam: Über 972 Testkilometer verbrauchte der Corolla 1.8 Hybrid durchschnittlich 4,2 Liter Superbenzin auf 100 Kilometer. Das entspricht 99 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer und fast genau dem im Fahrzeugschein eingetragenen WLTP-Wert von 102 g CO2 / km. Es ist außerdem kein Zufall, dass dieses Ergebnis gleichauf mit dem 2016 eingeführten Prius liegt.

Prius und Corolla nutzen die Toyota New Global Architecture. Das Kürzel TNGA steht sowohl für ein Gleichteileprinzip als auch eine Produktionsstrategie. Die Pressemappe hierzu ist überlang – es lohnt sich dennoch, das Wichtigste zu extrahieren: Der Corolla ist nur 1,44 Meter hoch, was die Stirnfläche reduziert und den mäßigen Luftwiderstandsbeiwert von cW 0,31 (Prius: 0,24) etwas kompensiert. Der 1.8 Hybrid hat eine Systemleistung von 90 kW (122 PS) und in seinen Versionen Schrägheck und Kombi eine Lithium-Ionen-Pufferbatterie. 2.0 Hybrid (132 kW / 180 PS) sowie 1.8 Limousine fahren hingegen mit dem herkömmlichen Nickel-Metallhydrid-Speicher.

Test: Toyota Corolla 1.8 Hybrid (15 Bilder)

Der Toyota Corolla 1.8 Hybrid ist ab 27.290 Euro kein Schnäppchen. Trotzdem waren 91 Prozent aller im April 2019 neu zugelassenen Corollas mit einem der beiden Hybridantriebe ausgerüstet.
(Bild: Christoph M. Schwarzer)

Das kommt einer mittleren Revolution gleich, denn die Dauerhaltbarkeit der klassischen Nickel-Metallhydrid-Batterie ist legendär. Toyota muss sich also ziemlich sicher sein, wenn nun im Massenmodell auf Lithium umgestellt wird. Ein Plus des 1.8 gegenüber dem 2.0 ist der mit 361 statt nur 313 Litern größere Kofferraum – beim starken Hybrid war vorne kein Platz mehr für die Starterbatterie. Ebenfalls erwähnenswert ist die hintere Doppelquerlenkerachse: Akio Toyoda, leitender Direktor und Präsident des japanischen Konzerns, hat gefordert, dass Toyotas Spaß machen sollen. Das ist in jeder schnellen Kurve spürbar. Dort, wo der verblichene Auris noch „nein, ich will nicht“ schrie, ruft der Corolla nach mehr.

Kernkompetenz des Toyota Corolla 1.8 Hybrid aber ist die Sparsamkeit. Die Stichproben: Im flüssigen Stadtverkehr ergaben sich 3,5 bis 3,9 Liter. Auf einer Überlandtour wurde der Minimalwert von 3,0 Litern gemessen. Und auf der Autobahn lässt sich vereinfacht sagen, dass bis zur Richtgeschwindigkeit eine fünf und darüber eine sechs vorm Komma steht. Der Durchschnittswert von 4,2 Litern ist auch das Resultat von günstigen Wetterbedingungen bei etwas unter 20 Grad Außentemperatur und trockenen Straßen sowie von einer sehr hohen Verkehrsdichte: Die Autobahnen waren dermaßen voll, dass kein zügiges Vorankommen möglich war – bei freier Fahrt und auf 180 km/h (mehr geht nicht) vorgewählten Geschwindigkeit hätte der Durchschnittsverbrauch sicher über dem des windschlüpfigeren Prius gelegen. Stattdessen konnte der Corolla zeigen, dass er als Hybrid über einen adaptiven Tempomaten verfügt, der im Stop & Go-Gewürge eine Standzeit von bis zu zehn Sekunden zulässt, bevor das Wiederanfahren mit dem Antippen des Gaspedals oder der Resume-Taste nötig war.

Der Vierventil-Saugmotor läuft dank seiner auf Ein- und Auslassseite phasenvariablen Ventilsteuerung auch mit kurzem Verdichtungs- und langem Expansionshub. Der im Vergleich zum künstlich verkürzten Kompressionshub fast doppelt so lange Arbeitshub nutzt die Ausdehnung des brennenden Gases deutlich effizienter.

Zudem kann über die Ventilsteuerung der Füllungsgrad des Zylinders über weite Bereiche so geregelt werden, dass der Motor dank weit geöffneter Drosselklappe weniger Pumparbeit leisten muss. Der Motor erreicht bereits ohne die Elektromaschinen einen maximalen Wirkungsgrad um die 40 Prozent, was an das Niveau eines Dieselmotors herankommt. Die längere Brenndauer führt zudem zu weniger Partikel im Abgas, ein Ottopartikelfilter ist unnötig.

Es mag überflüssig erscheinen und soll trotzdem erwähnt werden: Das elektronisch gesteuerte Zusammenspiel des Vierzylinder-Verbrennungsmotors und der beiden E-Motoren (Toyota-Jargon MG1 und MG2) über das Planetengetriebe funktioniert perfekt, die E-Maschinen gleichen den prinzipbedingten Drehmomentnachteil des hocheffizienten Ottomotors vom Fahrer völlig unmerklich aus. Der Hybridantrieb von Toyota ist bei näherer Betrachtung klug kombinierte und liebevoll gepflegte Low-Tech: Rekuperation plus Lastpunktverschiebung reichen aus, um die niedrigsten Emissionswerte nicht nur in dieser Klasse zu erzielen. Auch Gelegenheitsautofahrer bewegen den Corolla mühelos sparsam.

Zu den Schwächen: Keineswegs an der Spitze der Klasse steht der Corolla beim Geräuschkomfort. Die Dämmung von Verbrennungsmotor und Fahrwerk hält nicht mit dem VW Golf mit. Das ist bedauerlich, denn der Charakter des Toyota Corolla ist eigentlich komfortbetont. Diese Auslegung wird auch durch die etwas zu trockene Federung konterkariert. Das Fahrwerk ist in sich nicht stimmig – das kann ein Ford Focus besser. Der dritte Abstrich ist der Preis: Bei 27.290 Euro geht es los. Die Ausstattung ist umfangreich und wird bei vielen Käufern durch Wunschfarbe (640 Euro) sowie das Businesspaket (890 Euro) ergänzt werden. Eine Empfehlung mit besserem Preis-Leistungs-Verhältnis ist der 1200 Euro teurere Kombi namens Tourings Sports: Er hat einen sechs Zentimeter längeren Radstand, der den Hintensitzenden zu Gute kommt. Mit 4,65 Meter Länge ersetzt er faktisch den nicht mehr erhältlichen Avensis.

In der öffentlichen und veröffentlichten Diskussion ist der Klimaschutz zurzeit ein dominierendes Thema. Kohlendioxidemissionen als Verbrennungsprodukte fossiler Ressourcen sollen reduziert werden. Ein Ziel, dass viel älter ist als politische Zeitströmungen: Spätestens nach dem ersten Preisschock von 1973 heißt es „weg vom Öl“. Im Verkehrssektor ist seitdem erschreckend wenig erreicht worden. Fahren mit Batterie- und Brennstoffzellen-Strom steht in der Gesamtbetrachtung am Anfang, und umso wichtiger ist es, bei den konventionellen Antrieben effizienter zu werden.

Das tut der Toyota Corolla 1.8 Hybrid wie kein anderer Pkw in seinem Segment und darüber hinaus. Seine Käufer sind all jene, denen die Markentugenden wichtig sind: Solidität, Praxistauglichkeit und Emissionsarmut. Dass die Basisbenziner im Corolla und auch bei den Wettbewerbern deutlich weniger kosten, interessiert die Käufer des Hybridantriebs offensichtlich nicht. Und wer weiß: Vielleicht steigt der Rohölpreis doch an oder die Politik sich traut, die Steuerlast auf Kraftstoffe zu erhöhen.

Toyota hat den Testwagen kostenfrei zur Verfügung gestellt und überführt. Der Autor hat den Kraftstoff bezahlt.

Motorart Benziner
Zylinder 4
Ventile pro Zylinder 4
Hubraum in ccm 1798
Leistung in PS 98 Benziner / 72 Elektro; Systemleistung: 122
Leistung in kW 72 Benziner / 53 Elektro, Systemleistung 90 kW
bei U/min 5200 (Benziner)
Drehmoment in Nm 142 (Benziner), 163 (Elektro)
bei U/min 3600 (Benziner)
Antrieb Front
Getriebe ECVT (kupplungs- und stufenlose Automatik)
Spurweite vorn in mm 1531
Spurweite hinten in mm 1544
Radaufhängung vorn Feder-Dämpfer-Bein, unterer Querlenker
Radaufhängung hinten Aufgelöste Mehrlenkeraufhängung
Bremsen vorn Scheibe, innenbelüftet
Bremsen hinten Scheibe
Wendekreis in m 10,2
Räder, Reifen vorn 225/45R17W
Räder, Reifen hinten 225/45R17W
Lenkung Zahnstange, elektrisch unterstützt
Länge in mm 4370
Breite in mm 1790
Höhe in mm 1435
Radstand in mm 2640
Leergewicht in kg nach EU inklusive 68 kg Fahrer und 7 kg Gepäck 1285
Zuladung in kg 535
Kofferraumvolumen in Liter 361
Maximales Kofferraumvolumen in Liter 1024
Anhängelast, gebremst in kg 750
Tankinhalt in Liter 43
Höchstgeschwindigkeit in km/h 180
Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 10,9
EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 3,3
EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km 3,2
EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km 3,6
Testverbrauch Minimum in Liter/100 km 3,0
Testverbrauch Gesamt in Liter/100 km 4,2
CO2-Emission in g/km 76 (101 nach WLTP)
Schadstoffklasse Euro 6d-TEMP-EVAP-ISC (WLTP)
Steuer pro Jahr in Euro 48
Garantie 3 Jahre / 100.000 km / im ersten Jahr ohne Km-Begrenzung
Modell Toyota Corolla 1,8 Hybrid
Bohrung x Hub in mm 80,5 x 88,3
Schluesselnummer zu 2 / zu 3 5013 / AMU
Grundpreis 27.990
Währung Euro
Klimaautomatik S
Automatikgetriebe S
Navigationssystem 890
Schiebedach 1000
Metallic-Lackierung ab 640
Leichtmetallfelgen S
Lederausstattung -
Modell Toyota Corolla 1,8 Hybrid Comfort
Preisliste Stand 6. April 2019
Alarmanlage S
Freisprecheinrichtung S
DAB+ (Digitalradio) 890 (im Business-Paket)
Soundsystem -
Head-up-Display -
Abstandstempomat S
Spurhalteassistent S
Fahrwerksoption -
Einparksensoren vorn S
Einparksensoren hinten S
Einparkassistent 990 (Paket)
Elektrische Heckklappe -
USB-Anschluss für Musik S
Lederlenkrad S
LED-Scheinwerfer S
Sitzheizung S vorn
Toyota Corolla 1,8 Hybrid Business Edition 27.990
Toyota Corolla 1,8 Hybrid Club 27.990
Toyota Corolla 1,8 Hybrid Business Edition 27.990
Toyota Corolla 1,8 Hybrid Club 27.990

(chlo)