Mord an US-Versicherungschef Waffe des Tatverdächtigen passt zu Patronenhülsen am Tatort
Das Interesse an dem Mordfall ist groß. Hier warten Medienvertreter vor einem Gerichtsgebäude in Hollidaysburg, Pennsylvania
Foto:Eduardo Munoz / REUTERS
Nach dem Mord auf den Chef des US-Versicherungskonzerns United Healthcare, Brian Thompson, hat die New Yorker Polizeichefin neue Beweise gegen den festgenommenen Luigi M. präsentiert.
Wie Commissioner Jessica Tisch auf einer Pressekonferenz sagte, passe die Waffe, die der 26-Jährige bei seiner Festnahme bei sich trug, zu Patronenhülsen am Tatort. Auch seien Fingerabdrücke von Luigi M. auf einer Wasserflasche und auf der Verpackung eines Müsliriegels nachgewiesen worden, die in Manhattan gefunden wurden.
Thompson war am Mittwochmorgen vor einem Hotel- und Wohngebäude in der Nähe des Times Square niedergeschossen worden. Der 50-Jährige erlag laut Polizei seinen Verletzungen in einem Krankenhaus. Videoaufnahmen von Überwachungskameras zeigen Thompson auf dem Bürgersteig vor dem Hilton-Hotel im Bezirk Midtown, als sich ein Mann mit einem Hoodie von hinten nähert und mit einer Pistole auf ihn schießt.
Am Montag war M. in Altoona, Pennsylvania in einem McDonald's festgenommen worden. Der Verdächtige, nach dem mit Bildern einer Überwachungskamera gesucht worden war, wurde von einem Gast des Schnellrestaurants erkannt.
Er wurde wegen Mordes angeklagt. Am Dienstag weigerte sich M., einer Überstellung nach New York zuzustimmen. Sein Anwalt Thomas Dickey erklärte, ihm lägen »null« Beweise dafür vor, dass sein Mandant der Todesschütze sei. Dieser werde auf nicht schuldig plädieren.
Der Mord sorgte wegen seiner Skrupellosigkeit international für Aufsehen. Aber auch wegen des mutmaßlichen Motivs: Der Tatverdächtige trug bei seiner Verhaftung einen Text bei sich, in dem er das US-Gesundheitssystem und das Verhalten der Versicherungskonzerne anprangerte. Im Internet gibt es deswegen auch Unterstützung für M.; viele Amerikanerinnen und Amerikaner sind wütend auf das marode Gesundheitssystem .
Medienberichten zufolge entdeckte die Polizei Botschaften auf den Patronenhülsen. Demnach standen die Wörter »delay«, »deny« und »depose« auf Munitionsteile und Hülsen geschrieben; Begriffe, die auf die Art und Weise anspielen, wie Versicherungsgesellschaften häufig Ansprüche von Versicherten ablehnen.
United Healthcare steht regelmäßig wegen der Ablehnung von Patientenansprüchen in der Kritik. Auch wenn ein Arzt oder ein Krankenhaus in den USA feststellt, dass ein Patient eine medizinische Behandlung benötige, kann der Versicherer sich weigern, diese zu bezahlen. Die Ablehnung kann vor oder nach der Behandlung erfolgen. Im Zweifel muss dann der Patient die Kosten tragen.
Luigi M. wird als Held gefeiert. Einen Text über die Romantisierung des mutmaßlichen CEO-Mörders lesen Sie hier .