Die ersten Krankenwagen passieren die Grenze nach Gaza: Seit Mittwochmorgen können Rettungskräfte schwer verletzte palästinensische Patienten zur Behandlung in ägyptische Krankenhäuser transportieren.
Auch in die andere Richtung gibt es Bewegung: Über den Grenzübergang Rafah durften in den vergangenen beiden Tagen einige Hundert Ausländer und Palästinenser mit doppelter Staatsbürgerschaft den Gazastreifen in Richtung Ägypten verlassen. So auch Suzan Beseiso, eine US-Amerikanerin palästinensischer Herkunft. Sie war seit Beginn des Ramadans in Gaza, konnte dann aber nach eigenen Angaben nicht mehr ausreisen.
Suzan Beseiso, Amerikanerin:
»Ich sollte eigentlich am zweiten Tag des Krieges abreisen, aber ich konnte meine Familie nicht einfach zurücklassen und sagen: ›Ich sehe euch auf der anderen Seite!‹ Also blieb ich in Gaza, und der Krieg eskalierte so schnell. Viele Menschen sterben. Viele Menschen liegen unter den Trümmern von Gebäuden.«
Tausende sind zum Grenzübergang gekommen und halten ihre Pässe in die Höhe – in der Hoffnung, schnell aus dem Krisengebiet zu entkommen. Erleichterung und Verzweiflung liegen hier in Rafah nah beieinander.
Suzan Beseiso, Amerikanerin:
»Leider freue ich mich nicht einmal, Gaza zu verlassen. Wir haben so viele Menschen, die wir lieben und um die wir uns sorgen. Im Moment bin ich deshalb zwiegespalten: Ich weiß nicht, ob ich meine Familie und Freunde, die ich zurückgelassen habe, wiedersehen werde. Menschen sterben. Jeder stirbt. Niemand ist in Sicherheit. Wir haben keine Luftschutzbunker.«
Längst nicht alle Menschen hier schaffen es schnell aus dem Gazastreifen. Nach Angaben Ägyptens warten insgesamt rund 7000 Menschen aus 60 Ländern auf eine Evakuierung. Aus Diplomatenkreisen hieß es, dass es bis zu zwei Wochen dauern könnte, bis diese abgeschlossen sind.
Das Leid im Gazastreifen mindern die stark beschränkten Ausreisen kaum: Das israelische Militär hat nach eigenen Angaben inzwischen 12.000 Ziele im abgeriegelten Küstenstreifen angegriffen. Darunter seien Waffenlager, Gebäude von führenden Mitgliedern der Hamas, Terroristen und Raketenarsenale gewesen. Der Raketenbeschuss und die Bodenoffensive treffen aber auch viele Zivilisten. Die meisten der 2,2 Millionen Menschen im Gazastreifen haben keine Chance, dem Elend des Krieges zu entfliehen.