Sie fliehen vor den israelischen Bomben. Im Süden des Gazastreifens warten und hoffen am Montag Tausende Menschen die Grenze nach Ägypten überqueren zu können. Aus ägyptischen Sicherheitskreisen hieß es zuvor, dass der Grenzübergang Rafah für die Ausreise von ausländischen Staatsangehörigen und die Einfuhr von humanitären Hilfsgütern geöffnet werden sollte. Am Montagvormittag blieb der Übergang jedoch geschlossen.
Hadeel Abu Dahoud, aus Gaza
»Es gibt keine Sicherheit. Selbst wenn man an der Kreuzung steht, hat man Angst. Auf dem Weg zum Grenzübergang haben sie die Rafah-Straße beschossen, wir fingen an zu schreien. Wir kamen zum Grenzübergang und dachten, es sei sicher. Aber in Gaza ist es nirgendwo sicher. Wo immer wir hingehen, gibt es Schüsse, Weinen, Schreie, Blut. Im Ernst, wir wissen nicht, was wir tun sollen. Wir kommen zum Grenzübergang und wissen, dass sie ihn nicht öffnen werden.«
Rafah liegt an der Grenze zwischen der ägyptischen Sinai-Halbinsel und dem Gazastreifen. Hier liegt der einzige Grenzübergang, der ins nicht von Israel kontrollierte Gelände führt. Noch ist die Grenze zu. Die ägyptische Regierung will ausschließen, dass Tausende Palästinenser nach Ägypten fliehen. Daher sollen nur Inhaber eines ausländischen Passes ausreisen können. Doch auch sie warteten den dritten Tag in Folge vergeblich auf Durchlass.
Zakariya al Araisha, US-Bürger
»Ich bin hergekommen, um meine Familie zu besuchen - meine Schwester, meinen Bruder, meine... Und ich war nur ein paar Tage hier vor dem Krieg. Ich wollte zwei Wochen mit meiner Familie hier verbringen und es genießen. Ich bin hier im Krieg, im Krieg kann ich nicht schlafen, es gibt ständig Bomben, kein Wasser, kein Essen, nichts, kein Leben hier, kein Leben. Das hier ist Gaza, Palästina. Sie denken, dass es hier keine Menschen gibt. Es sind Menschen hier. Hier leben Menschen. Das ist kein Leben.«
Die israelische Armee forderte erneut die Bevölkerung im Norden des Gazastreifens und der Stadt Gaza zur Flucht in den Süden des Küstengebietes auf. Die Armee werde am Montag einen entsprechenden Fluchtkorridor nicht angreifen, teilte ein Armeesprecher mit.
Auf der ägyptischen Sinai-Halbinsel stauten sich Lkw-Konvois mit Hilfslieferungen für den Gazastreifen. In der ägyptischen Hafenstadt Al-Arisch warteten Lkw auf Abfahrerlaubnis in Richtung Grenze.