Erst zischende Geräusche, dann Schwefelgeruch: Bereits Hunderte iranische Schülerinnen sind infolge von Gasattacken in ihren Klassenzimmern zusammengebrochen. Die betroffenen Mädchen klagten über Schwindel, Übelkeit und Atemnot.
O-Töne:
»Zuerst rochen wir Gas im Klassenzimmer, dann wurde einer von uns übel und schwindelig.«
»Nach und nach wurde immer mehr Schülerinnen übel und dann sind alle raus.«
Videos, die sich derzeit in Sozialen Netzwerken verbreiten, zeigen dramatische Szenen vor unterschiedlichen Schulen in Iran. Ort und Zeitpunkt der Aufnahmen lassen sich nicht immer unabhängig überprüfen. Doch offenbar handelt sich um gezielte Attacken auf die Schülerinnen.
Die Vorfälle sorgen für Entsetzen – auch auf internationaler Ebene.
John Kirby, Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats der USA:
»Kleine Mädchen, die zur Schule gehen, sollten sich nur ums Lernen kümmern müssen. Sie sollten sich keine Sorgen um ihre eigene körperliche Sicherheit machen müssen. Aber im Moment wissen wir einfach noch nicht genug.«
Ravina Shamdasani, Sprecherin des Hochkommissars für Menschenrechte:
»Wir verurteilen jede Form von Gewalt gegen Frauen und Mädchen aufs Schärfste und fordern die Behörden auf, wirksame Gesetze und politische Maßnahmen einzuführen, um Gewalt und Diskriminierung gegen sie zu verhindern und die Täter zur Verantwortung zu ziehen.«
Berichten zufolge mussten bisher fast 1200 Mädchen ärztlich behandelt werden. Allein am Mittwoch wurden Fälle an Dutzenden Schulen gemeldet. Über die Hintergründe ist bisher wenig bekannt, es wird viel spekuliert. Die ersten Fälle wurden bereits Ende November gemeldet, als die Frauenproteste in Iran in vollem Gange waren.
Das Gesundheitsministerium versprach am Donnerstag, die Vorfälle aufzuklären. Doch viele Menschen in Iran glauben nicht, dass das Regime wirklich daran interessiert ist, vermuten dass die Vergiftungen Rache an den Schülerinnen für ihren Protest in der Vergangenheit seien. Bei den Demonstrationen gegen die repressive Politik im vergangenen Jahr hatten mehrheitlich junge Mädchen und Frauen teilgenommen.
Die Vergiftungswelle ist mittlerweile das beherrschende Thema in den iranischen Medien. Und sie treibt wieder mehr Menschen auf die Straßen. Eltern vergifteter Mädchen riefen zu Protesten auf – obwohl ihnen Strafen und Festnahmen drohen.
Klar ist: Wer auch immer hinter den Anschlägen steckt, sie sollen Angst und Schrecken verbreiten, Mädchen davon abhalten, zur Schule zu gehen – und die Bildung zu erhalten, die ihnen zusteht.