Alexandra Berlin, DER SPIEGEL: »Das ist mitten im Zentrum von Tel Aviv. Eine iranische Rakete hat hier gestern Nacht mehrere Gebäude stark beschädigt. Sie sind teilweise eingestürzt. Viele andere Häuser im Umkreis sind ebenfalls unbewohnbar, Wände abgerissen, Fenster zerstört. Und das ist ein Anblick, den man so vom Zentrum Tel Avivs absolut nicht kennt. Und der ist auch für Israelis, die Krieg ja eigentlich gewohnt sind, wirklich schockierend.«
Seit einigen Tagen ist SPIEGEL-Reporterin Alexandra Berlin in Israel. Da der Luftraum in Israel geschlossen ist, musste sie dieses Mal über Ägypten einreisen.
Alexandra Berlin, DER SPIEGEL: »Es ist nicht mein erster Reportereinsatz in diesem Land. Aber es ist schon noch mal anders als das, was ich sonst kenne. Die Menschen sind sehr viel vorsichtiger als bei den letzten Kriegen. Sie wissen, dass die iranischen Raketen viel mehr Zerstörung anrichten können als zum Beispiel die Raketen aus Gaza. Viele Menschen bleiben zu Hause, viele Geschäfte sind geschlossen. Es ist ruhiger in der Stadt als sonst. Man spürt wirklich überall die Anspannung und die Angst der Menschen.«
Bei den iranischen Raketenangriffen auf Israel sind laut israelischer Regierung bisher mindestens 24 Menschen getötet worden, darunter bis zu elf in der Nacht auf Montag. Nach Angaben Teherans seien wiederum 220 Menschen auf iranischer Seite durch die israelischen Angriffe getötet worden. In Tel Aviv ist die Lage gefährlicher denn je.
Alexandra Berlin, DER SPIEGEL: »Auch ich bin sehr viel vorsichtiger, als ich es die letzten Jahre war. Immer wenn ich Raketenalarm höre, gehe ich jetzt in den Bombenkeller meines Hotels. Und gleichzeitig muss ich jedes Mal, wenn ich so eine Raketenwarnung auf meinem Handy bekomme, daran denken, dass die Menschen in Iran oder die Menschen in Gaza diese Warnsysteme eben nicht haben. Und auch oft keine Bombenkeller, in die sie sich verkriechen können. Und das ist ein Gedanke, der mir wirklich sehr nachhängt. Ganz gleich, wie froh ich bin, dass es das hier in Israel gibt.«