Israel-Gaza-Krieg: Das Leid der Zivilbevölkerung droht in Vergessenheit zu geraten - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Zur Ausgabe
Artikel 55 / 129
Foto: Haitham Imad / EPA

Gaza-Krieg In Vergessenheit geraten

• aus SPIEGEL Chronik 1/2025

Der Strand des Gazastreifens ist fast 40 Kilometer lang. Am Abend dieses heißen Frühsommertags baden Palästinenser vor der Küste von Gaza-Stadt. Bei Sonnenuntergang können sie sich in den Wellen eine kurze Auszeit vom Krieg nehmen, viele von ihnen sind schon mehrfach vertrieben worden. Hinter ihnen, am Strand, buddelten früher Kinder im Sand, verbrachten Familien freie Tage mit Spielen, Essen, Reden, Faulenzen. Jetzt drängen sich dicht an dicht die Zelte der Vertriebenen. Vermutlich hausen Zehntausende Menschen hier, die aus anderen Teilen des Gazastreifens an die Küste geflüchtet sind.

Eigentlich herrschte seit dem 19. Januar eine Waffenruhe zwischen Israel und der palästinensischen Terrorgruppe Hamas. Doch die Vereinbarung war bereits zwei Monate später hinfällig: Am 18. März begann Israel erneut, Gaza zu bombardieren – offiziell als Reaktion auf gescheiterte Gespräche mit der Hamas über die Freilassung weiterer Geiseln.

Hier an der Küste von Gaza-Stadt hat die israelische Armee bisher weder eine Evakuierungsanordnung erlassen, noch eine militärische Zone ausgewiesen. Aber am Horizont kreuzen israelische Kriegsschiffe auf dem Mittelmeer. Im Juli wird ein Sprecher der israelischen Armee warnen, dass sich Fischer, Schwimmer und Taucher entlang des gesamten Gazastreifens vom Meer fernhalten sollten; wer das nicht tue, gefährde sein Leben.

Aber viele Geflüchtete sind auf das Meer angewiesen, sie waschen sich darin, nutzen das Wasser zum Kochen und Wäschewaschen. Und für viele ist der Strand auch ein Zufluchtsort.

Zugleich sorgt sich die Weltöffentlichkeit in diesen Tagen um einen weiteren Konflikt in der Region: den Krieg zwischen Israel und Iran. Eine Woche zuvor hat das israelische Militär diverse Ziele bombardiert, um das Nuklearprogramm Irans auszuschalten; am 22. Juni werden die USA mit bunkerbrechenden Bomben nachlegen.

lph
Zur Ausgabe
Artikel 55 / 129