Viele Menschen leiden in diesem Sommer unter extrem hohen Temperaturen. Der Juli war nach Auswertungen des EU-Klimawandeldienstes Copernicus und der Weltwetterorganisation der heißeste Monat seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Weltweit brennen Wälder, zuletzt etwa in Griechenland, Kanada oder auf Hawaii.
Alvaro Soto, WMO-Klimaexperte:
»Das ist in der Tat die neue Normalität und kommt nicht überraschend. So haben Häufigkeit und Intensität vieler Extreme wie Hitzewellen und starkes Schwitzen in den letzten Jahrzehnten zugenommen, und es ist sehr wahrscheinlich, dass der vom Menschen verursachte Klimawandel die Hauptursache für diese Veränderungen ist.«
Waldbrände werden durch Trockenheit begünstigt – bis 2050 könnten über drei Viertel der Weltbevölkerung von Dürren betroffen sein – für Menschen und Landwirte ein echtes Problem. Regen würde helfen. Doch was tun, wenn es nicht regnet?
Es wird schon lange dazu geforscht, bereits in den 1960er Jahren ist in den USA mit Silberiodid experimentiert worden. »Cloud seeding«, übersetzt »Wolkenimpfen«, nennt sich ein Verfahren, bei dem das gelbliche Salz in die Wolken gestreut wird. Dadurch werden die Tropfen oder das Eis in einer Wolke schwerer und größer. Irgendwann werden sie zu schwer, die Wolke regnet ab.
Heute wird das Verfahren in vielen Staaten angewendet. In den Vereinigten Arabischen Emiraten etwa soll es die energieintensive und teure Meerwasseraufbereitung zumindest zum Teil ersetzen.
Abdulla Al Hammadi, Leiter der Abteilung für Regenverstärkung am Nationalen Zentrum für Meteorologie der Vereinigten Arabischen Emirate:
»Unseren Berechnungen zufolge sind die Kosten für das »cloud seeding« wesentlich geringer als die für die Entsalzung. Allerdings setzt das »cloud seeding« Regenwolken voraus und das ist ein Problem, denn die gibt es nicht immer.«
Auch Mexiko setzt auf die Technologie, um der Versteppung bereits trockener Regionen entgegenzuwirken. Ein Start-up treibt die Anwendung in Zusammenarbeit mit dem mexikanischen Landwirtschaftsministerium und dem Militär derzeit voran.
Alejandro Trueba, Gründer von »Startup Renaissance«:
»Wenn wir die Silberiodidmoleküle in die Wolken freisetzen, sind die Wasserpartikel winzig, mit einem mikrometrischen Durchmesser, die Größe eines Wassermoleküls in den Wolken liegt zwischen acht und zehn Mikrometern, aber wenn sie von dem Silberiodid angezogen werden, werden sie bis zu 150-200 Mikrometer groß. Diese Verbindung bildet Tropfen, und die Tropfen werden zu Regen.«
Ob das Verfahren tatsächlich mehr Regen bringt, ist allerdings umstritten. Der Gouverneur des mexikanischen Bundesstaates Nuevo León zeigt sich in einem Video während eines Flugs begeistert. Handyvideos des Start-ups sollen Regen nach Stimulationsflügen zeigen. Doch die Wirkung lässt sich wissenschaftlich kaum bestätigen.
Jessica Martinez, Meteorologin bei »Startup Renaissance«:
»Die Auswertung der Ergebnisse ist der schwierigste Teil. Wir wissen zwar, dass es regnet, aber es ist nicht einfach, das zu beweisen, weil die Atmosphäre ein dynamisches System, also in ständiger Bewegung, ist.«
Die Flüge finden in ausgewählten Gebieten statt. Dort wird die Menge an Niederschlag gemessen, um den Erfolg der Regenstimulation nachzuweisen.
Jessica Martinez, Meteorologin bei »Startup Renaissance«:
»Wir haben ein Netz von Regenmessern installiert, mit denen wir die Niederschläge messen. Das hier ist das Polygon über der Sonora-Wüste. Jeder Punkt, den man sieht, ist ein Regenmesser, um jeweils die jährliche Niederschlagsmenge zu messen.«
Nach der Wolkenaussaat werden die Daten mit der vorhergesagten Niederschlagsmenge für die Region verglichen, so Recherchen des Fachmagazins »Nature«. Nach 104 Regenstimulationsflügen seit 2020 soll die Niederschlagsmenge in diesen Gebieten durchschnittlich um 45,1 Prozent zugenommen haben.
Doch die Wettervorhersagen sind ungenau, die Wolken hätten auch ohne die Chemikalien Regen produzieren können, meint Fernando García, Wolkenphysiker an der Nationalen Autonomen Universität von Mexiko.
Selbst wenn die Regenstimulation gelingt, reicht das allein zur Bekämpfung des Wassermangels in Mexiko nicht. Es fehlt eine Gesamtstrategie, um die Krise zu lösen. Die mexikanische Regierung will das Projekt dennoch ausweiten – und auch andere Staaten halten daran fest.