Janita Hämäläinen, DER SPIEGEL:
»Wir sind hier an dem Grenzübergang von Salla, etwas mehr als 800 Kilometer weiter nördlich von dem Grenzübergang, den Ursula von der Leyen zusammen mit dem finnischen Ministerpräsidenten Petteri Orpo besucht. Aber auch dieser hier, wie die weiteren acht anderen Grenzübergänge, bleiben geschlossen. Es herrscht Ruhe, Stille und der Zugang ist gesperrt und bleibt auch so weiterhin, auch für uns Medien.«
Der Grund dafür sind sogenannte »Hybride Operationen« von russischer Seite. Migranten aus Drittländern wurden gezielt an diverse finnische Grenzstationen geschleust. Daraufhin reagierte Finnland mit dem Bau eines Grenzzauns an verschiedenen Orten und mit der Schließung seiner Grenzübergänge zu Russland.
Im Winter ist die mehr als 1300 Kilometer lange Landgrenze zu Russland insgesamt nur schwer zugänglich. Vor allem im Norden Finnlands. Doch auch hier beginnt das Tauwetter und damit die Frage, wie es mit der Situation an den Grenzen weitergeht. Der Leiter der Grenzstation von Salla gibt uns seine Einschätzung der Lage.
Hans-Michael Gros, Leiter Grenzstation Salla:
»Also zurzeit die Situation hier in Salla ist ruhig an der Grenze. Nachdem wir die Grenze, die Grenzstation, geschlossen worden ist, haben wir keine besonderen Ereignisse gehabt auf unseren Gebieten. Und zurzeit bereiten wir uns vor für den Sommer. Und es ist schwer zu sagen, wie der Sommer und wenn der Schnee geschmolzen ist, wie die Situation dann aussieht. Aber wir haben Training und normale Patrouillenaufgaben und natürlich dann Risikoanalyse wird für den Sommer gemacht und geplant, wie wir die Situation dann unter Kontrolle behalten.«
Zurzeit wird in Finnland ein Gesetzentwurf diskutiert, der schnellere Rückführungen von Migranten direkt an der Grenze erlauben würde. Ein Entwurf, der kontrovers diskutiert wird. Nicht nur würde das Gesetz gegen Menschenrechtskonventionen verstoßen. Auch wäre unklar, was es für die einzelnen Grenzbeamten bedeuten würde, die mit der Umsetzung konfrontiert werden.
Janita Hämäläinen, DER SPIEGEL:
»Ob und in welcher Form dann dieser Gesetzentwurf vom finnischen Parlament tatsächlich bewilligt oder auch umgesetzt wird, bleibt erstmal abzuwarten. Möglicherweise ist der Besuch von der EU-Kommissionspräsidentin an der finnisch-russischen Grenze aber auch ein Zeichen dafür, dass man vielleicht ein Segen dafür einholen möchte von der EU oder dass es zumindest diskutiert wird.«