meinung •Die Lage: Inside Austria Österreichs Sozialdemokraten und ihr liebstes Hobby – Demontage des Parteichefs
Die österreichische Sozialdemokratie ist wieder einmal mit einem ihrer liebsten Hobbys beschäftigt: der Demontage des eigenen Vorsitzenden. Dafür braucht sie nicht einmal schlechte Wahlergebnisse. Umfragen reichen – und ein 71-jähriger Multimillionär, der von sich selbst überzeugt ist: Medienmanager Gerhard Zeiler.
Der in Wien geborene Unternehmer spielt seit vielen Jahren mit dem Gedanken, seiner internationalen Karriere einen Epilog in der Politik zu verschaffen. Schon vor zehn Jahren brachte sich der frühere RTL-Manager in Stellung, das Rennen machte damals jedoch der glücklose Kurzzeitkanzler Christian Kern . Jetzt scheint Zeiler seine letzte Chance zu sehen. Wohl auch, weil die baldige Übernahme seines Arbeitgebers Warner Bros. durch Paramount Skydance das letzte Kapitel seiner Managerkarriere bedeutet.
Medienmanager Zeiler: »Klassischer Sozialdemokrat«
Foto: Georg Hochmuth / APA / dpaSo beeindruckend Zeilers Vita ist, so missraten war der Start seiner politischen Kampagne. Seine Pläne sickerten vorab durch, gedacht waren aber ohnehin nur Interviews im Massenblatt »Krone« und in der wichtigsten ORF-Nachrichtensendung »Zeit im Bild 2«. Social Media? Fehlanzeige.
Vages Programm
Aber auch von konkreten Inhalten fehlte jede Spur. Zeiler sprach davon, »kein Marxist« zu sein, aber ein »klassischer Sozialdemokrat«. Man müsse die Wirtschaft ankurbeln, um Geld verteilen zu können. Dazu listete er Punkte auf, die großteils im Regierungsprogramm stehen. Erst nach einigen Tagen kitzelten Interviewerinnen und Interviewer ein paar Ideen aus ihm heraus. Im Interview mit dem »Standard« nannte er sich selbst »Übergangskandidat« und kündigte an, das Regierungsprogramm neu verhandeln zu wollen.
Als erste Unterstützer tauchten nur Proponenten eines »Old Boys Clubs« in der SPÖ auf. Kein einziger Abgeordneter bekannte sich zu Zeiler. Allerdings dürfte der Manager nicht angetreten sein, wenn er gar keine Unterstützung hätte. Parteichef Andreas Babler ist für viele in der sozialdemokratischen Elite nach wie vor ein Fremdkörper.
Eigentlich hatte die damalige Obfrau Pamela Rendi-Wagner sich mit einer Mitgliederwahl vor Querschüssen des burgenländischen Landeshauptmanns Hans Peter Doskozil schützen wollen. Die Wahl entschied dann plötzlich Babler für sich – der Bürgermeister der Kleinstadt Traiskirchen.
SPÖ-Chef Babler: Demontage des eigenen Vorsitzenden
Foto: Helmut Fohringer / AFPKurz wirkte es so, als würde der Linke aus der niederösterreichischen Provinz der Partei neues Leben einhauchen können. Das gelang ihm aus mehreren Gründen nicht. Ein wichtiger Faktor sind die österreichischen Boulevardmedien. Einerseits will Babler die Medienförderung neu aufstellen und mehr Fokus auf Qualität richten.
Andererseits tritt er vehement für eine Erbschaftsteuer ein, die den Verlegerfamilien Fellner (»Ö24«) und Dichand (»Krone«, »Heute«) gar nicht schmeckt. Seit Langem ist spürbar, dass der Boulevard gegen Babler schießt. Das große Auftakt-Interview von Zeiler in der »Krone« sprach Bände.
Dazu kommt, dass Babler in einer Koalition mit der konservativen ÖVP und den liberalen Neos regiert. Der Vizekanzler und SPÖ-Chef konnte zwar rote Akzente setzen, bleibt aber in der Realpolitik einer solchen Regierungskonstellation gefangen.
Das wäre Zeiler auch – außer, ein Obmannwechsel löst eine Kettenreaktion aus, die in Neuwahlen oder einen Koalitionswechsel münden könnte. Dann stünde Österreich am Ende wohl mit einem Kanzler Herbert Kickl da, denn die stramm rechte FPÖ führt in Umfragen haushoch. Den Plan, das relativ wahlfreie Jahr 2026 zum ruhigen Durchregieren zu nutzen, hat Zeiler jedenfalls ins Wanken gebracht. Am Dienstag flog er zurück in die USA. Den Oktober habe er schon seiner Familie für Urlaub versprochen, so der Mann, der gern Parteichef wäre.
Podcast über ein Hamas-Netzwerk in Europa
Im »Inside Austria«-Podcast geht es diese Woche um ein geheimes Waffenlager mitten in Wien und den Verdacht eines Kommandos der islamistischen Terrorgruppe Hamas in Europa. Die deutsche Bundesanwaltschaft wirft mehreren Beschuldigten vor, einen Anschlag vorbereitet zu haben. Der Anlass: der zweite Jahrestag des Hamas-Massakers vom 7. Oktober 2023 in Israel.
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In dieser Folge rekonstruieren wir, was ein gemeinsames Rechercheteam von SPIEGEL und »Standard« über ein Hamas-Netzwerk mitten in Europa herausgefunden hat. Wie nach Auffassung der Ermittler über Monate Waffen durch Europa geschmuggelt und Anschläge vorbereitet worden sein sollen. Und wie sie dem Netzwerk auf die Spur kamen.
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Mit besten Grüßen aus Wien,
Ihr Fabian Schmid
Leitender Redakteur Investigativ, DER STANDARD
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