Die Lage: Inside Austria Péter Magyars Gespür für Österreich
Im Wiener Kanzleramt beweist Péter Magyar bei seinem Antrittsbesuch am Donnerstag sein besonderes Gespür für Österreich. Überraschend dankt Ungarns neuer Premier auf Deutsch während der Pressekonferenz dem Hausherrn Christian Stocker für die Einladung. »Ich freue mich sehr, dass ich die Möglichkeit hatte, deine – Ihre – schöne Sprache zu üben.« Es folgen von Pathos durchwirkte Minuten. Magyar preist die Schönheit Wiens und Budapests, beschwört die gemeinsame »historische wie kulturelle Vergangenheit«, damals, als Österreich-Ungarn unter der Krone der Habsburger eine europäische Großmacht darstellte.
Regierungschefs Stocker, Magyar: Partner mit großem Potenzial und großen Erwartungen
Foto: Tibor Illyes / EPAEin neues Kapitel beider Länder wolle man nun beginnen , versichern beide Regierungschefs. Mit regelmäßigen gemeinsamen Regierungskonsultationen, Verbesserungen für Pendler. Die Bahnstrecke zwischen beiden Hauptstädten, auf der der Zug ab der Grenze wie ein Bummelzug rollt, soll ertüchtigt werden, verspricht Magyar.
Für Wien besonders wichtig: Das Mobbing österreichischer Handelsunternehmen und Firmen aus anderen europäischen Ländern, das die Regierung von Viktor Orbán betrieb, soll aufhören. Man werde sich an die »Regeln des Clubs« halten, versichert der Gast. Den Namen seines Vorgängers nimmt Magyar nicht in den Mund, er spricht nur von der alten Regierung, beklagt den desolaten Zustand, in dem sie Ungarn hinterlassen hat.
Wien mied die Konfrontation mit Orbán
Magyar kannte vor zwei Jahren kaum jemand in Wien. Dann rollte er in nur zwei Jahren die ungarische Innenpolitik auf und beendete mit einem fulminanten Wahlsieg die Ära des kremlnahen Kraftmeiers Orbán. Der hatte noch 2022 Zigtausende Migranten nach Österreich durchwinken lassen, er paktierte offen mit der rechtsradikalen FPÖ und, etwas verdeckter, mit Ex-Kanzler Sebastian Kurz. Die direkte Konfrontation mit Orbán hatte Österreich stets gemieden. »Schauen Sie, wenn sich zwei Nachbarn nicht mögen, kann einer wegziehen«, sagte Kanzler Stocker im April 2025 dem SPIEGEL. Doch Wegziehen, »das lässt sich bei zwei Staaten schwer machen«.
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Der Konservative hielt still in der Hoffnung auf einen Regierungswechsel – der Wahlsieg Magyars ein Jahr danach gibt Stocker recht. Nun, beim Besuch des Orbán-Nachfolgers ist dem Kanzler die Genugtuung anzusehen, wenn sein Gast davon spricht gemeinsam Geschichte zu schreiben.
Regierungschefs Stocker (r.) und Magyar: Partner mit großen Erwartungen.
Foto: Tibor Illyes / EPAKontaminierter Schotter als Politikum
Doch Péter Magyars Auftritt deutet schon eine Bewährungsprobe an. »Ich will nicht um den heißen Brei herumreden«, sagt er und wird konkret. Es geht um asbestbelasteten Schotter aus Steinbrüchen im Burgenland . Auch in Ungarn kam der Stoff zum Einsatz im Straßen- und Hausbau. In mehr als 30 Orten soll das Material verwendet worden sein, ob Menschen krank geworden sind, ist noch unklar. Stocker und Magyar wollen ein gemeinsames Gremium einsetzen, das schon am Montag seine Arbeit aufnehmen soll.
Der neue Premier stellt unangenehme Fragen, will wissen, wer die Verantwortung für das Asbestdesaster trägt und wer für Schäden aufkommt. Wie Orbán klingt er dabei nicht. Österreich hat also nun in Budapest einen konstruktiven Partner sitzen – mit großem Potenzial und mit großen Erwartungen.
Freud und die Flucht
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Sigmund Freud war Meister darin, verborgene Konflikte im Alltag aufzuspüren — bei anderen und bei sich selbst. In der aktuellen Folge der Podcastserie »Der Fall Freud« geht es um Fehlleistungen, etwa Versprecher oder kleine Irrtümer, die nach Freud oft mehr verraten, als uns lieb ist.
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Schönes Wochenende und herzliche Grüße aus Wien!
Oliver Das Gupta
Autor für SPIEGEL und STANDARD
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