Russland in Afrika auf dem Vormarsch Tschad und Senegal dulden keine französischen Soldaten mehr
Französischer Soldat im Tschad (im Juni 2022)
Foto:Aurelie Bazzara-Kibangula / AFP
Frankreich verliert an Einfluss in West- und Zentralafrika – und damit auf dem Gebiet seiner einstigen Kolonien:
Der Sahelstaat Tschad hat in einer Mitteilung ein Militärabkommen mit Frankreich für beendet erklärt. Erwartet wird, dass das den Abzug der bislang rund 1000 französischen Soldaten aus dem zentralafrikanischen Land bedeuten wird.
Auch der Senegal geht diesen Schritt. Präsident Bassirou Diomaye Faye sagte französischen Medien zeitgleich in Interviews, dass französische Soldaten den Senegal mittelfristig verlassen sollten. Einen Zeitpunkt ließ er offen und versprach, dass Paris rechtzeitig informiert werde. Frankreich hat offiziell noch rund 350 Soldaten in dem westafrikanischen Küstenstaat.
Medienberichten zufolge wollte Paris ohnehin Hunderte Militärs aus Afrika abziehen. Frankreichs Außenminister Jean-Noël Barrot besucht in dieser Woche unter anderem den Tschad und den Senegal, wobei keine Angaben zu Verteidigungsthemen gemacht wurden.
Tschadische Militärmaschine
Foto: Aurelie Bazzara-Kibangula / AFPDer Tschad ebenso wie der Senegal verwiesen auf ihre Souveränität. Es sei Zeit für den Tschad, seine Partnerschaften neu auszurichten, teilte das Außenministerium mit. Man stelle die historischen und freundschaftlichen Bande zu Frankreich nicht infrage. Faye betonte aber, für eine Zusammenarbeit seien keine französischen Militärbasen im Senegal nötig.
Der Tonfall unterschied sich deutlich von dem in Mali, Burkina Faso und Niger, die nach Militärputschen in den vergangenen Jahren im Streit mit Frankreich gebrochen hatten. Die antifranzösische Stimmung wird von Russland verstärkt, das zum Partner dieser Länder geworden ist. Der Senegal grenzt im Westen, der Tschad im Osten an die Ländergruppe an.
Russlands Vizepremierminister Alexander Nowak besuchte in dieser Woche Mali und Burkina Faso und wird in Niger erwartet. Man wolle die Zusammenarbeit in der Verteidigung, Energie, Infrastruktur und Landwirtschaft ausbauen, hieß es. In allen drei Staaten, vor allem aber Mali, sind russische Militärs und Söldner, offiziell als Ausbilder, im Einsatz.
Der Tschad, der an Niger angrenzt, liegt im Inneren der Sahelzone am Südrand der Sahara inmitten mehrerer Konfliktstaaten und galt als letzter verbliebener Partner des Westens gegen islamistische Terroristen in der Sahelzone. Durch die Region verlaufen entscheidende Migrations- und Schmuggelrouten Richtung Europa. Im Juni hatte Russlands Außenminister Sergej Lawrow den Tschad besucht und militärische Hilfe versprochen.
Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieser Meldung war das Flugzeug auf dem Bild in der Textmitte als französisches bezeichnet worden. Tatsächlich handelt es sich um eine tschadische Maschine. Wir haben die Stelle korrgiert.