Fedir Petrov, DER SPIEGEL: »Ich stehe im Solomjanskyj-Bezirk von Kyjiw, einem der vielen Schlafbezirke der Stadt. Heute Nacht ist hier, wie man hinter mir sehen kann, in einem Wohngebäude eine Rakete eingeschlagen. Die Stockwerke eins bis neun sind eingestürzt. Es sind geschätzt 30 Wohnungen, die in diesem Teil des Hauses waren.«
So beschreibt SPIEGEL-Mitarbeiter Fedir Petrov das Ausmaß der jüngsten russischen Angriffe auf die ukrainische Hauptstadt. Mittlerweile nannten die Behörden 14 Tote und mehr als 40 Verletzte als Opfer. Die ukrainische Feuerwehr sucht mithilfe von Baggern und einem kleinen Roboter weiter nach Überlebenden. In der Nacht auf Dienstag hat Russland Kyjiw an mindestens 27 verschiedenen Orten aus der Luft attackiert.
Fedir Petrov, DER SPIEGEL: »In solchen Nächten wie heute schläft kaum jemand. Es gibt stundenlang Explosionen. Der Himmel wird von anderen Explosionen der Luftabwehr aufgeleuchtet. Kleinere Maschinengewehrteams rasen durch die Stadt und versuchen, die letzten Drohnen, die noch über der Stadt sind, abzuschießen. Es gibt das Rattern der Maschinengewehre, Explosionen, dumpfe Einschläge. Diese schweren Geräusche der Shahed-Drohnen, Eintakt-Benzinmotoren. Und nur mit dem Morgen wird es klar, was und wie stark getroffen wurde.«
Die Angriffe führten laut der Nachrichtenagentur RBK-Ukraine zu Stromausfällen. Trotz einer besseren Flugabwehr als in anderen Städten des Landes wird auch Kyjiw immer wieder von russischen Drohnen oder Raketen getroffen.
Fedir Petrov, DER SPIEGEL: »Und vor Ort hier sieht man Szenen, die in der Ukraine schon in diesen letzten dreieinhalb Jahren viel zu oft zu sehen waren. Leute räumen nach dem Angriff auf, sammeln Glasscherben. Sammeln den Schutt, den ganzen ausgebrannten Müll, der geblieben ist. Sie überlegen sich, wo sie jetzt hinziehen werden. Was sie mit ihren zerstörten oder zum Teil zerstörten Wohnungen machen sollen. Und versuchen, sich irgendeine Zukunft vorzustellen.«