Tausende Tüten und Verpackungen aus Plastik stapeln sich auf einem Fabrikgelände in Scharkia, nordöstlich von Ägyptens Hauptstadt Kairo. Was daraus wird: Pflastersteine.
Das ägyptische Start-up TileGreen will durch das Recyceln Gutes fürs Klima tun und die Menge des Plastikabfalls in der Umwelt reduzieren – jeder hergestellte Stein besteht aus 125 Plastiktüten.
Khaled Raafat, Co-Gründer von TileGreen:
»Bis jetzt haben wir fünf Millionen Plastiktüten recycelt, und das ist erst der Anfang. Wir planen bis 2025 fünf Milliarden Plastiktüten zu recyceln. Wir wollen in Ägypten und in andere arabische Länder expandieren.«
Knapp 40 Prozent der globalen CO2-Emissionen entstehen laut einem Uno-Bericht beim Bau und Betrieb von Gebäuden. Das liegt zum Beispiel an der Herstellung von Beton, wodurch große Mengen Kohlendioxid freigesetzt werden.
Aus Beton bestehen in der Regel auch Pflastersteine. TileGreen hingegen setzt bei ihren Steinen auf Plastikabfälle. Das Plastik wird zerkleinert und zu einer dicken Flüssigkeit eingeschmolzen, die gepresst und zu Backsteinen gebrannt wird. Das soll klimaschädliches CO2 einsparen.
Khaled Raafat, Co-Gründer von TileGreen:
»Die Baustoffindustrie ist eine der umweltschädlichsten Industrien der Welt. Wir wandeln Kunststoffabfälle in umweltfreundliche Baumaterialien um, die keinerlei Kohlenstoffemissionen verursachen oder negative Auswirkungen haben.«
Ägypten war im vergangenen November Gastgeber der 27. Uno-Klimakonferenz. Das Land bemüht sich um mehr Klima- und Umweltschutz, der Anteil erneuerbarer Energien soll bis 2035 auf 42 Prozent steigen. Doch noch sieht die Realität anders aus: Ägyptens Energie wird hauptsächlich aus Erdgas und Öl gewonnen.
Auch in der Abfallwirtschaft gibt es Probleme: Rund 60 Prozent der Abfälle werden gesammelt, der Rest landet auf Straßen oder illegalen Mülldeponien. Weniger als ein Fünftel wird ordnungsgemäß deponiert oder wiederverwertet.
Und nach Angaben der ägyptischen Organisation für Menschenrechte landet jährlich sehr viel Müll im Nil. Auch das Mittelmeer ist voller Plastikmüll. Dieser stammt fast zur Hälfte aus Ägypten, so der WWF.
2020 wurde ein neues Abfallwirtschaftsgesetz verabschiedet. Das Gesetz schreibt etwa ein Müllverbrennungsverbot im Freien vor, enthält strengere Regelungen für Einwegplastik und schafft Investitionsanreize. Eine neue Behörde soll zudem eine nationale Strategie für das Abfallmanagement ausarbeiten.
Mehr tun für die Kreislaufwirtschaft will auch Tressa Saaid. Sie leitet eine Wohltätigkeitsorganisation in Kairos Stadtteil Manshiyat Naser, auch bekannt als »Müllstadt«: Bewohnerinnen und Bewohner sortieren und reinigen hier Abfälle aus der Hauptstadt. Die Straßen sind voller Müll, die Lebensbedingungen schlecht und gesundheitsschädlich.
Saaid gibt Workshops für Kinder. Darin lernen sie, Abfällen wie Plastikflaschen, alten Stöcken oder Pappe ein zweites Leben zu schenken.
Tressa Saaid, Gründerin des Al-Masaha-Zentrums für Recycling:
»Wir leben in einem Viertel, in dem 85 Prozent der Menschen in der Müllsammlung, -sortierung und -wiederverwertung tätig sind. Kinder sehen Plastik, Pappe und Papier, warum also nicht das vorhandene Material nutzen, um daraus ein Spielzeug, ein Musikinstrument, eine Vase oder etwas Wiederverwendbares herzustellen?«
150 bis 200 Kinder pro Woche sollen so ein stärkeres Bewusstsein für Nachhaltigkeit bekommen. Für die 34-Jährige eine Leidenschaft.
Tressa Saaid, Gründerin des »Al-Masaha«-Zentrums für Recycling:
»All das hilft Kindern, sich mit der Umwelt, in der sie leben, zu beschäftigen und anders zu denken. Anstatt sich über ihre Umgebung zu ärgern, geht es darum, sie zu verbessern.«
Was Müll war, wird zum Rohstoff. Zwei Ansätze, die Ägyptens Kreislaufwirtschaft verbessern sollen. Denn auch Recycling spielt im Umweltschutz eine entscheidende Rolle.