Elektroautos auf der IAA: Im Strom der Wartezeit
Appetithäppchen auf der IAA Warten auf's Elektroauto
"Auf der diesjährigen IAA wird die zunehmende Bedeutung der Elektromobilität klar erkennbar", kündigt Matthias Wissmann, Präsident des Verbands der Deutschen Automobilindustrie (VDA), gut eine Woche vor dem Start der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt an. Und tatsächlich überstürzen sich derzeit die Nachrichten zum Thema "Fahren mit Strom". Der neue Trend belebt eine Branche, die derzeit heftig von einem weltweiten Absatzrückgang gebeutelt wird. Vorläufig allerdings ist dieser Effekt nur virtuell, denn die Autos, die jetzt vollmundig angekündigt werden, sollen frühestens in einem Jahr, meist aber erst deutlich später verfügbar sein; und außerdem wird es sich bei den ersten E-Mobilen keineswegs um Massenmodelle handeln, sondern um vergleichsweise teure Hightech-Vehikel.
Als die wohl ersten Elektroautos eines Großserienherstellers dürften voraussichtlich die Modelle aus der Kooperation von Mitsubishi mit dem französischen PSA-Konzern (Peugeot-Citroën) auf den Markt kommen. Der in Japan seit Juli erhältliche Mitsubishi iMIEV, ein viertüriger, 3,40 Meter langer Kleinwagen mit einem 64 PS starken Elektromotor im Heck soll Ende nächsten Jahres in Deutschland angeboten werden. Parallel dürften dann auch technisch identische Modelle von Peugeot und Citroën marktreif sein. Peugeot zeigt das Modell iOn jetzt als Weltpremiere auf der IAA. Der Wagen mit Lithium-Ionen-Batterie könne mit einer Akku-Ladung 130 Kilometer weit fahren, ehe er für sechs Stunden wieder an eine herkömmliche 220-Volt-Steckdose müsse, heißt es.
Über den Preis gebe es "noch überhaupt keine Vorstellung", sagt ein Peugeot-Mitarbeiter. Eine Vorstellung erhält man vielleicht, wenn man sich vor Augen hält, dass der baugleiche Mitsubishi iMIEV in Japan für umgerechnet 34.000 Euro verkauft wird. Allerdings können japanische Kunden mit einer staatlichen Förderung von 11.000 Euro rechnen, und oft zahlt auch noch die jeweilige Präfektur einen Elektroauto-Zuschlag.
Die Mercedes-Marke Smart zeigt auf der IAA ebenfalls ein Elektroauto, nämlich die zweite Generation des Smart Fortwo electric drive, diesmal mit Lithium-Ionen-Akkus vom Kooperationspartner Tesla Motors. Der 40-PS-Elektromotor kann den Zweisitzer mit der Energie aus einer vollen Batterie rund 115 Kilometer weit bewegen, dann muss das Auto ein paar Stunden an die Steckdose. Noch in diesem Jahr sollen die ersten Modelle an ausgewählte Kunden verleast werden. In den freien Verkauf solle der Smart electric drive erst ab 2012 gelangen.
Rätselraten um den Aufpreis von Elektroautos - er dürfte happig werden
Der Preis? Auch bei Mercedes gibt es dazu noch keinerlei Auskunft. Man muss also selbst ein bisschen rechnen; zum Beispiel so: Pro Kilowattstunde (kWh) Speicherkapazität einer Batterie müssen derzeit Herstellungskosten von 600 bis 800 Euro veranschlagt werden. Die im Smart eingesetzten Akkus kommen auf 14 kWh - macht also rund 9800 Euro Batteriekosten. Schlüge man die komplett auf den Neuwagenpreis auf, würde sich der Preis des Smart Coupés glatt verdoppeln. Es hinge also vermutlich von den staatlichen Zuschüssen ab, ob ein Elektro-Kleinwagen hierzulande überhaupt verkäuflich wäre. Oder von den bis dahin üblichen Benzinpreisen.
Es werden noch zahlreiche andere Hersteller Elektroautos auf der IAA präsentieren. Renault zum Beispiel will gleich vier elektrisch angetriebene Fahrzeuge vorstellen, Opel zeigt erneut den bereits bekannten Opel Ampera und nach einem ähnlichen Konzept - also der Kombination eines Elektromotors mit einem Verbrenner zur Stromerzeugung für höhere Reichweiten - funktioniert auch die Mercedes-Studie Blue Zero E-Cell plus. Und VW wird den Kleinwagen Up, der auf der IAA Premiere feiern wird, auch gleich in einer Elektroversion präsentieren.
Das VW-Elektroauto kommt erst 2013, indische Modelle ab 2010
Auf dieses Fahrzeug wird man aber noch länger warten müssen. "Voraussichtlich 2013" heißt es vage aus Wolfsburg, wenn nach dem Verkaufsstart des Elektro-Kleinwagens gefragt wird. Die Batterietechnik sei der große Hemmschuh. Das gilt zwar für alle Hersteller, doch sind die Ansprüche an die Fahrzeuge oft unterschiedlich. Wer nicht nur ein reines Kurzstreckenfahrzeug anbieten möchte, sondern den Kunden auch größere Reichweiten rein elektrischen Fahrens garantieren will, braucht eben auch mehr Entwicklungszeit.
Wer nur ein Stadtwägelchen braucht, kommt schneller ans Ziel. Die kalifornisch-indische Firma Reva zum Beispiel, die auf der IAA den viersitzigen Dreitürer Reva NXG vorstellt, ein Elektroauto, das ab Frühjahr 2010 in Europa auf den Markt kommen soll. Eine sportlichere Variante, die als Studie auf der IAA zu sehen ist, soll im Jahr darauf folgen. Zum Preis oder zur Reichweite gibt es bislang keine Informationen, dafür aber eine ungeheuerlich klingende Ankündigung: Reva will auf der IAA ein System präsentieren, mit dem die Autobatterie per Fernladung zumindest wieder so weit aufgeladen werden kann, dass ein Weiterfahren bis zur nächsten Steckdose möglich ist. Das klingt utopisch, wenn nicht gar lebensgefährlich. Auf der IAA sollen die Details folgen.