Autonamen: Unterm Schutz griechischer Götter - DER SPIEGEL
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Autonamen Unterm Schutz griechischer Götter

Selbst Branchenkenner verlieren auf der IAA den Überblick. Das liegt an der Weitläufigkeit der Messe und an der horrenden Zahl der Neuheiten. Ungewöhnliche Autonamen sind ein Versuch, die Orientierung zu erleichtern und das Interesse zu wecken.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Nicht nur das Kind braucht einen Namen, einem neuen Automodell geht es ganz genauso. Auf der IAA in diesem Jahr ist eine ungewöhnliche Kreativität der Hersteller zu beobachten, was diese Namenswahl anlangt. Im Trend liegen dabei vor allem Anklänge an das Griechische, offenbar weil die Marketingexperten hoffen, damit positive Gefühle des Publikums zu provozieren. Schließlich steht Griechenland seit dem Gewinn der Fußball-Europameisterschaft und den gelungenen Olympischen Spielen inzwischen für mehr als Akropolis, Zaziki und harzigen Wein.

VW zum Beispiel nennt das neue Coupé-Cabriolet, ein viersitziges Auto mit stählernem Klappdach, nach der griechischen Göttin der Morgenröte: Eos. Sie fährt, so berichtet es die Mythologie der Hellenen, jeden Morgen mit einem Pferdegespann aus dem Weltenmeer hinauf, um den Menschen das Tageslicht zu bringen. "Zugleich", weiß VW zu berichten, "ist Eos die Mutter der Winde sowie des Abend- und des Morgensterns." Sie ist außerdem die Geliebte des Orions, sonst aber von tadelloser Tugend. Damit trägt das neue Auto einen positiv besetzten Götternamen, anders etwa als die Luxuslimousine Phaeton, die nach einem antiken Raser des Sonnenwagens benannt wurde.

Griechisch klingen soll auch das Kunstwort Egeus, mit dem Renault seine neue Geländewagenstudie bezeichnet. Es handle sich um einen griechischen Gott mit lateinischer Wortendung, teilt Renault mit. Überdies klinge der Begriff so ähnlich wie Ägäis - und, kann man sich weiterdenken, nach Sonne, Strand und Sirtaki. Die Franzosen gelten überhaupt als sehr kreative Erfinder von Autonamen, wie vorangegangene Studien bewiesen, die Namen wie Fluence oder Zoe trugen.

Tief ins Buch der Mythen und Geheimnisse drang auch Ford vor, um einen Namen für die neue Coupé-Studie zu finden. Iosis heißt das formschöne Auto, und dankenswerterweise liefern die Kölner auch gleich eine Erklärung mit. Iosis, steht da, sei "ein Begriff aus der Alchimie, der die finale Transformation von Metall zu Gold bezeichnet". Wesentlich diesseitiger traf der japanische Hersteller Mazda seine Wahl. Die Studie Sassou, so Mazda, trage den Namen, weil der Begriff im Japanischen für eine "positive Geisteshaltung" stehe.

Positiv und zugleich sehr plakativ fällt die Bezeichnung einer neuen Hyundai-Studie aus. Die Koreaner zeigen auf der IAA in Frankfurt ein Auto mit Portal-Türen, die den kompletten Innenraum des Wagens öffnen. Der Name des Konzeptfahrzeugs klingt ebenso logisch wie eingängig: Portico.

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