Bambus-Fahrrad My Volta E8000 im Test - DER SPIEGEL
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Bambusrad My Volta E8000: Yabba Dabba Doo!

Foto: Stefan Weißenborn

Bambus-Rad My Volta E8000 E-Bike für Fred Feuerstein

MyBoo vermarktet seine Räder mit Bambusrahmen als nachhaltig, der schnellwachsende Rohstoff bindet CO2. Ein Modell wie das My Volta E8000 mit energieaufwendig produziertem Akku ist da widersinnig. Oder?
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Der erste Eindruck: Yabba Dabba Doo! Endlich ein Fahrrad wie aus der Steinzeit-Zeichentrickserie "Familie Feuerstein"! Nur viel, viel moderner.

Das sagt der Hersteller: Seit 2014 vertreibt die Kieler Marke MyBoo Fahrräder mit Bambusrahmen. Eine Neuheit ist das My Volta E8000 - ein E-Bike, das mit dem Shimano-Motor Steps E8000 bestückt ist, dem derzeit stärksten Aggregat des japanischen Zulieferers.

Elektroräder hat die Firma schon länger im Angebot, der Vorgänger My Volta war den Angaben zufolge das weltweit erste E-Bike aus Bambus mit Mittelmotor. Allerdings fuhr der Akku altmodisch wie beim E-Cityrad der ersten Stunde auf dem Gepäckträger mit - unsportlicher Look, hecklastiges Fahrgefühl. "Zum Modelljahr 2020 sitzt der Speicher nun am Unterrohr", sagt MyBoo-Sprecher Felix Habke.

Aber warum Bambus? Weil das neue Bike als Pendler-Rad angelegt ist und Bambus die Eigenschaften von Alu und Stahl, den Werkstoffen, die sich für die Langstrecke am besten eignen, verbindet. "Bambus ist wahnsinnig verwindungssteif, zugleich aber komfortabel", sagt Habke.

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Bambusrad My Volta E8000: Yabba Dabba Doo!

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Mit Bambus arbeite MyBoo doppelt nachhaltig: sozial und ökologisch. Ökologisch, "weil Bambus einer der am schnellsten nachwachsenden Rohstoffe ist. Dabei bindet er viel CO2", sagt Habke. Zweieinhalb Jahre nach dem Anbau sei das Süßgras bereits 25 Meter hoch und genügend verholzt, um es für die Weiterverarbeitung zu schlagen.

Sozial, weil MyBoo die fertigen Rahmen aus Ghana bezieht, wo 35 Männer und Frauen Arbeitsplätze "unter fairen Arbeitsbedingungen" haben. Sie ernten den Bambus vor Ort und fertigen die Rahmen. "Ein Teil der dabei erzielten Gewinne fließt in Bildungsprojekte", sagt Habke. In Schulstipendien etwa oder eine eigene Schule im Ort Yonso, die zunächst 200 und später bis zu 1000 Kindern Schulbildung ermöglichen soll.

Das ist uns aufgefallen: Mal wieder ein Rad, das einen als Fahrer allerorten in Gespräche verwickelt. "Ist das wirklich aus Bambus?", ist die häufigste Frage, mit der wir konfrontiert werden. Eine Frau betrachtet den Rahmen: "Lustig!" Eine andere ist schier begeistert. Unterm Strich ruft das Bike ein zwiegespaltenes Echo hervor, auch die Einschätzung "retro" kommt vor.

Tatsächlich hat der Bambusrahmen etwas von einem knochigen alten Wanderstock. So rustikal es aussieht, so ausgereift fährt sich das My Volta E8000. Der Rahmen fühlt sich bocksteif an, fast so, als säßen wir auf einem Carbonrad. Die Rohre sind allerdings dick, um Stabilität zu gewährleisten. So ergibt sich gegenüber anderen E-Bikes kein Gewichtsvorteil: Mit Motor, Akku und Pedale wiegt das Flintstone-Bike rund 23 Kilo.

Der Antrieb sorgt für ordentlichen Schub. Das maximale Drehmoment liegt bei 70 Nm, kein Shimano-Motor am Markt ist derzeit kraftvoller. Die Sensoren interpretieren die eingebrachte Pedalkraft angemessen und veranlassen den Motor auf dezente Weise zur Mithilfe. Nur die stärkste Unterstützungsstufe "Boost" fühlt sich etwas zu heftig an - als wolle das Rad mit einem durchgehen - selbst, wenn man sie über die Shimano-App und Bluetooth-Verbindung drosselt. Die Sitzhaltung ist aufrecht und bequem.

In jedem Rad steckten 80 Stunden Handarbeit. Das Testrad enttäuscht die Erwartungen nicht. Auch an den Punkten, wo in Sachen Stabilität Zweifel aufkommen könnten, nämlich dort, wo am Rahmen Bambus auf Metall trifft, überzeugt die Handwerkskunst: Sowohl die beiden hinteren Ausfallenden, die das Hinterrad aufnehmen, als auch die beiden Hülsen für Sattel und Steuerrohr sowie die Tretlager- und Motoraufnahme wirken bombenfest integriert.

Nur die außen geführten Kabel und Leitungen stören den Bambus-Look. Außerdem erschweren sie die Fahrradwäsche. Auf Sonderwunsch sei es technisch zwar möglich, über eine Einführhülse am Steuerrohr die Kabel durchs hohle Bambus zu verlegen, doch der Hersteller empfiehlt das gerade bei E-Bikes nicht. "Wenn etwas kaputt geht, ist die Reparatur aufwendig", sagt Habke.

Das muss man wissen: MyBoo ist mit 120 Händlern Europas größter, aber nicht einziger Anbieter von Bambusfahrrädern. Stark Bamboo Bikes aus Darmstadt oder die Marke Urbam aus Düsseldorf bieten teils günstigere Produkte. MyBoo setzt darauf, dass der Kundschaft das handgefertigte Bambusrad unter Nachhaltigkeitsaspekten einen gewissen Preis wert ist - allein der Rahmen kostet fast 1000 Euro. Von der Beleuchtung bis zur Schaltung - verbaut sind hochwertige Komponenten: etwa 1x10-Kettenschaltung, Scheibenbremsen und Naben - kommt alles aus der Shimano-Deore-XT-Gruppe.

Ratgeber Rad

Aber gammelt so ein Bambusrahmen nicht? Es gibt Berichte von Schimmelbefall und fasrigen Brüchen. "Auf keinen Fall!", heißt es dagegen aus Kiel. Zum einen sprieße Bambus in feuchteren Regionen und sei mit einer natürlichen Wachsschicht geschützt. Zudem bekämen die Rahmen ein Finish aus Autolack verpasst, sodass Kratzer und auch Schäden durch Salzwasser vermieden würden. Folgerichtig gibt's auf den Rahmen fünf Jahre Garantie.

Eine Frage bleibt: Widerspricht ein E-Bike mit Akku, dessen Produktion als energieaufwendig und umweltschädlich gilt, nicht dem Nachhaltigkeitsanspruch? Es sei immer noch ökologischer, einen Bambusrahmen fürs E-Bike zu nutzen als einen aus Metall, sagt Habke. Außerdem seien E-Bikes für MyBoo essenziell, um konkurrenzfähig zu bleiben. "Sollte es der Firma nicht gut gehen, wäre auch das Projekt in Ghana gefährdet." Also steht fest: Das My Volta E8000 kommt. Der Marktstart ist für Ende des Jahres 2019 geplant.

Das werden wir in Erinnerung behalten: Wie viel Interesse das Bambusrad geweckt hat. Und doch ist von selbst niemand auf die Ökofrage zu sprechen gekommen.

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