Blitzmarathon: Die Ausreden der Raser - DER SPIEGEL
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Raser-Ausreden beim Blitz-Marathon Geschichten, die der Blitzer schrieb

Blitz-Marathon in halb Europa: Ein Pizzabote raste mit 60 km/h durch die 30er-Zone, ein Beifahrer wurde mit drei Haftbefehlen gesucht - und es gab sogar Polizisten, die ihre Kollegen erwischten. Hier die erste Bilanz.
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Die Polizei hat beim ersten europäischen Blitz-Marathon zahlreiche Temposünder ausgebremst - obwohl die Aktion vorher schon bekannt war und sogar die Standorte der Polizei bekannt gegeben wurden.

- In Berlin blitzen die Beamten einen Polizisten in Zivil. "Macht doch mal eine Ausnahme, wir sind doch Kollegen", so seine hoffnungsvollen Bekehrungsversuche - vergeblich. Ein anderer Autofahrer versuchte, seine Raserei mit Frechheit überspielen: "Ich wollte mal testen, ob Ihre Geräte funktionieren." Er war 23 km/h zu schnell. "Ich wollte eigentlich die 100 schaffen, jetzt fehlten mir aber noch 13 km/h", so die flapsige Antwort.

- Am Ausbauende der Autobahn 1 bei Nettersheim in der Eifel überholte ein 48-Jähriger ein Videofahrzeug der Polizei - mit sehr hoher Geschwindigkeit. Die nachfolgende Messung ergab eine Höchstgeschwindigkeit von 204 km/h bei erlaubten 100 km/h. Die Erklärung des Fahrers: "Ich kam mit der Beschilderung nicht zurecht." Dabei weisen drei in Abständen aufeinanderfolgende Schilder an dieser Stelle auf die Geschwindigkeitsbeschränkung hin. Den Mann erwarten ein Bußgeld in Höhe von 600 Euro, zwei Punkte in Flensburg und drei Monate Fahrverbot.

- Ein Pizzabote war in Neuss doppelt so schnell wie erlaubt unterwegs. Mit 60 km/h durch eine Tempo-30-Zone. Wäre er ein km/h schneller gefahren, hätte er laut Polizei ein Fahrverbot kassiert.

- In Dortmund gingen den Polizisten bei den Kontrollen am Donnerstag nicht nur Temposünder ins Netz: Sie ertappten bei der Kontrolle eines Rasers einen Beifahrer, gegen den drei Haftbefehle vorlagen.

- Gleich zweimal hintereinander geblitzt wurde ein offenbar unbelehrbarer Autofahrer auf der Autobahn 555. Der 37-Jährige war mit 130 km/h in einer Tempo-100-Strecke gemessen worden. Etwa ein Kilometer nach der Kontrolle blitzte ihn ein Radarwagen - erneut mit 130 km/h. Macht zweimal Bußgeld und jeweils einen Punkt in Flensburg.

- Auch anderswo in Europa gingen Temposünder der Polizei ins Netz: Im Großherzogtum Luxemburg wurde ein Raser mit 191 km/h erwischt, wo maximal Tempo 130 erlaubt ist. In den Niederlanden hatten 60 Raser Glück: Sie wurden zwar geblitzt, kamen aber mit einer Verwarnung davon. Die Polizisten weigerten sich Geldbußen zu verhängen - mit der Aktion wollte die niederländische Polizei für einen besseren Tarifvertrag kämpfen.

- In den sozialen Netzwerken gehörte der Blitz-Marathon zweitweise zu den beherrschenden Themen. Nutzer machten sich mit viel Humor über Raser, aber auch die Groß-Aktion insgesamt lustig. "Wird der Verkehrsservice bei Radiosendern heute etwas länger werden?", fragte ironisch ein Nutzer. Andere gaben augenzwinkernd Tipps wie: "Heute mal bitte alle beim Autofahren lächeln."

Bei der breiten Masse der Autofahrer zeigten die Ankündigungen der Großaktion aber Wirkung. Viele Auto- und Motorradfahrer waren vorsichtiger unterwegs als sonst, sagt stellvertretend das nordrhein-westfälische Innenministerium. "Die Polizisten berichten, dass sich die allermeisten Autofahrer heute an die Regeln halten und deutlich verantwortungsvoller fahren", so der dortige Ressortchef Ralf Jäger (SPD). Nach ersten Schätzungen hätten bis zum Donnerstagnachmittag nur etwa drei Prozent der gemessenen Fahrzeugführer die erlaubte Geschwindigkeit überschritten, sagte Jäger.

smh/dpa/Afp/AP