BMW 330e: Der neue Plug-In-Hybrid im Test - DER SPIEGEL
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BMW 330e: Sparsam sporteln statt sportlich sparen

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Autogramm BMW 330e Bei Fußtritt Stromstoß

Der Hybrid als langweiliges Sparer-Auto: Mit diesem Klischee will der Plug-in-Hybrid-Antrieb des neuen BMW 3er aufräumen. Möglich wird das durch eine brachiale Überraschung.
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Der erste Eindruck: Hintenrum, bitte! Der neue Dreier unterscheidet sich vor allem durch eine deutlich schönere Rückansicht vom Vorgänger. Das Erkennungsmerkmal der Plug-in-Hybrid-Variante, den Deckel des Ladeanschlusses, muss man jedoch beinahe suchen. Der versteckt sich erstaunlich gut hinter dem linken Vorderrad.

Das sagt der Hersteller: Der neue Dreier-Hybrid soll vor allem eingefleischte Verbrenner-Fans überzeugen, erklärt Elke Sonak, Projektleiterin beim 330e: "Durch das schnelle Ansprechen des Hybridantriebs kann der 330e auch mit stärkeren Autos mithalten." Diesem Ziel musste sich die gesamte Entwicklung des Wagens unterordnen, vor allem drei Dinge standen Projektleiterin Sonak zufolge im Vordergrund: "Sportlichkeit, Komfort und Effizienz - in dieser Reihenfolge." Damit muss sich die Effizienz beim neuen Dreier-Hybrid, wie auch schon bei der überarbeiteten Plug-In-Variante des Siebeners, dem Fahrspaß unterordnen - leider. Denn der Neue hätte endlich das Zeug zu einem wirklich sparsamen Plug-in-Hybrid.

Das liegt vor allem an der neuen Batterie und dem verbesserten E-Motor, die ihn im Vergleich zum Vorgänger flexibler machen, sagt Projektleiterin Sonak: "Dadurch wird der Hybrid zu einer echten Alternative zum Diesel, aber auch zu sportlichen Benzinern." So schafft der 330e durch den neuen Akku nun - zumindest theoretisch - bis zu 60 Kilometer im rein elektrischen Betrieb, beim Vorgänger war spätestens nach 35 Kilometern Schluss. Und auch die rein elektrische Höchstgeschwindigkeit ist nun höher, sie stieg von 120 auf 140 km/h. Trotzdem soll der neue Hybrid-Dreier im Alltag effizienter sein - durch den Spieltrieb des Fahrers: "Der Wagen soll den Fahrer nicht erziehen", sagt Projektleiterin Elke Sonak. Stattdessen sollen das digitale Cockpit und die Anzeige der verbliebenen E-Reichweite den Fahrer spielerisch zu einem effizienteren Fahrstil animieren.

Das ist uns aufgefallen: Auf Wiedersehen, Drehzahlmesser! Beim Starten des 330e zeigt das Display hinter dem Lenkrad keine vertraute Drehzahlskala von 1000 bis 7000 Umdrehungen pro Minute. Stattdessen ziert das blaue Powermeter mit Prozentangaben zur abgerufenen Systemleistung die rechte Seite des Bildschirms. Das ist auf den ersten Kilometern ungewohnt - passt aber tatsächlich besser zum Plug-in-Hybrid.

Bei der Leistung bietet der Dreier nichts neues - zumindest bis zum ersten Tritt. Zwar ist die Systemleistung mit 252 PS, von denen der Verbrenner 184 liefert, identisch mit der des Vorgängers. Allerdings sind beide Motoren nun deutlich besser aufeinander abgestimmt, und der 330e wedelt trotz des Mehrgewichts durch E-Motor und Batterie flink durch Pylonenslaloms und kann vor allem auf der Landstraße überzeugen.

Wem der ohnehin schon sportliche Hybridmodus nicht reicht, für den hält der Sportmodus eine brachiale Überraschung parat: Dann leuchten die Instrumente nicht nur rot und ein klassischer Drehzahlmesser ersetzt das Powermeter, beim Kickdown stehen dann 41 zusätzliche PS zur Verfügung. Dieser Leistungsschub wird in der neuen Hochvoltbatterie für einige Sekunden bereitgehalten und katapultiert den Wagen schlagartig, wie es sonst nur am Ende des Turbolochs geschieht, in eine höhere Leistungsklasse.

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BMW 330e: Sparsam sporteln statt sportlich sparen

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Dieser von den Entwicklern beabsichtigte, elektrische Tritt ins Kreuz lässt sich zwar bis zum beinahe leeren Akku beliebig oft wiederholen - wird aber genauso schnell zur Gewohnheit, wie die Extra-PS bereitstehen. Seine wohl größte Innovation spielt der sportlich ausgelegte Wagen ausgerechnet in einer gegenteiligen Fahrsituation aus: Bei vorausfahrenden, langsameren Autos oder wechselnden Geschwindigkeitsbegrenzungen.

Denn dann gewinnt der 330e intelligent Bewegungsenergie zurück - vorausgesetzt man ist im Eco-Pro-Modus unterwegs. So erkennt der Wagen durch Sensoren und die Daten des Navigationssystems beispielsweise den Abstand zum Vordermann, nahende Ampeln oder Geschwindigkeitsbegrenzungen und gewinnt möglichst viel Energie zurück - beinahe unbemerkt. Denn der Wagen greift nicht aktiv ins Geschehen ein, sondern rekuperiert situationsabhängig, sobald der Fahrer vom Gas geht - und sorgt für deutlich weniger Tritte aufs Bremspedal bei nahenden Ampeln oder langsamer vorausfahrenden Autos.

Das muss man wissen: Den Entwicklern ging es darum, sportliches Fahren effizienter zu machen - nicht andersherum. Ein Sparweltmeister wird der Plug-in-Hybrid auch deshalb nicht, trotz einer Verbrauchsangabe von 1,7 Litern auf 100 Kilometer. Denn lässt man es tatsächlich sportlich angehen, schmilzt nicht nur die elektrische Reichweite dahin - auch der 184 PS starke Vierzylinder dürfte den unter dem Kofferraum versteckten Tank dann deutlich schneller leeren. Das zeigt auch ein Blick auf den weniger sportlich ausgelegten Vorgänger: Dessen Verbrauch lag laut BMW bei 2,1 Litern auf 100 Kilometern, laut der Datenbank Spritmonitor  waren es dagegen eher fünf Liter. Beim Nachfolger dürfte sich an dieser Abweichung nicht allzu viel ändern.

Und der Neue übernimmt mit dem kleineren Kofferraum einen weiteren Nachteil des Vorgängers, der fasst nun 105 Liter weniger als der des Verbrenners. Schuld daran ist der Tank des Wagens, der im Hybridmodell seinen Platz unter der Rückbank für die neu entwickelte Batterie räumen muss. Der Preis des 330e war zur Veröffentlichung noch nicht bekannt, dürfte aber, wie auch beim Vorgänger, auf dem Niveau eines vergleichbaren Diesels wie dem 330d liegen.

Das werden wir nicht vergessen: Die Freude am Sparen - trotz des sportlichen Potenzial des Wagens. Denn das brachiale Beschleunigungserlebnis nutzt sich, trotz der 41 Extra-PS, recht schnell ab - das spielerische Spritsparen jedoch nicht. Der längere Pedalweg im rein elektrischen Fahrmodus macht es deutlich leichter, ohne den Verbrenner im Verkehr mitzuschwimmen, und sorgt in Kombination mit dem Powermeter und dem dort blau abgesetzten, rein elektrischen Antriebsbereich für beinahe zwanghafte Zurückhaltung im rechten Fußgelenk. Diesen blauen Bereich möchte man bereits nach wenigen Kilometern gar nicht mehr verlassen - und so wird der Klang des anspringenden Verbrenners nach wenigen Kilometern zum heimlichen Todfeind - trotz der sportlichen Qualitäten des 330e.

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