BMW 3er: Siebte Generation des BMW-Bestsellers im Test - DER SPIEGEL
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Autogramm BMW 3er Reden ist Silber, Fahren ist Gold

In Zeiten des SUV-Booms wirkt BMWs 3er-Limousine wie ein Auto aus der guten alten Zeit. Ein Glück, dass die Münchner bei der Neuauflage des Klassikers vor allem seine typischen Eigenschaften verbessert haben.
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Der erste Eindruck: Niere oder Nasenring? Am Chromrahmen um den BMW-Kühlergrill werden sich die Geister scheiden. Dennoch ist das Detail wichtig - sonst könnte man den neuen 3er kaum vom alten unterscheiden.

Das sagt der Hersteller: Wenn BMW-Entwickler wie Jos van As über den neuen 3er sprechen, fällt oft der Begriff "Ultimate Sports Sedan" (ultimative Sportlimousine). Denn es ist vor allem die 3er-Reihe, die für BMWs Markenslogan "Freude am Fahren" steht. Über sechs Generationen hat sich der Wagen einen sportlichen Ruf erarbeitet. Den wollen van As und seine Kollegen verteidigen. Bewusst haben sie den 3er nicht ganz so bequem wie eine Mercedes C-Klasse oder so technikverliebt wie den Audi A4, konzipiert. Solange sich Kunden für Längs- und Querkräfte interessieren, wollen sie diese Bedürfnisse befriedigen - und haben bei der siebten Ausgabe des 3ers nachgelegt. "Wir wollten das Auto noch sportlicher, strammer und agiler bauen, ohne Kompromisse beim Komfort zu machen", sagt van As.

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Autogramm BMW 3er: Digitale Beschleunigung

Foto: BMW

Das ist uns aufgefallen: Passt, wackelt nicht und hat keine Luft - der neue 3er sitzt wie ein Hemd vom Maßschneider. Ob man im potenten 330i mit 258 PS oder im 320d mit 190 PS Platz nimmt - man muss nur ein paar Mal einlenken, eine Kurve anbremsen und wieder Gas geben, schon merkt man, dass der neue 3er ganz der Alte ist. Bereits auf den ersten Metern vermittelt das Auto ein direktes, unverfälschtes Gefühl für die Straße, so dass man die Lehne steiler stellt, mit den Händen fester ans Lenkrad greift und alle Aufmerksamkeit auf die Straße richtet. Das kennt man sonst eher von Sportwagen, an denen man den 3er aber nicht messen sollte - wegen der schwächeren Leistung und des höheren Komforts. Denn BMW erkauft die Dynamik des 3ers nicht mit Härte. Schließlich ist der 3er auch Familienkutsche und Firmenwagen. "Schnell und trotzdem entspannt über die Autobahn fahren und auch jenseits von 200 km/h keine feuchten Hände bekommen" - so beschreibt Jos van As die Zielvorgabe bei der Abstimmung.

Weil Geschwindigkeit vielen Kunden inzwischen aber weniger wichtig ist als gute Leistungen auf dem Datenhighway, hat BMW das Cockpit digitalisiert und einen großen Touchscreen eingebaut. Dank des neuen Betriebssystems lassen sich die Menüs leichter personalisieren, die Onlineverknüpfung mit der Cloud funktioniert gut. Zudem gibt es einen Digitalassistenten, wie man ihn von neuen Mercedes-Modellen kannte. Nach dem Zuruf "Hey BMW" hört er auf frei formulierte Befehle, sucht Ziele in der Umgebung, spielt die Wunschmusik oder bedient die Klimaanlage.

Der Einfluss der Assistenzsysteme wächst weiter. Zu ihnen zählt der neue Rückfahrassistent, der sich die zuletzt gefahrenen 50 bis 100 Meter merkt und sie auf Knopfdruck rückwärts abfährt. Die Elektronik findet den Weg - und befreit das Auto so sicher aus jeder Zwickmühle, in die man sich hineinmanövriert hat. Der Fahrer muss lediglich Gas geben oder bremsen.

Das muss man wissen: Der 3er ist für BMW das mit Abstand wichtigste Auto, fürs Image und für den Absatz. In sechs Generationen seit 1975 wurden rund 15 Millionen Exemplare verkauft. Die siebte Auflage kommt am 9. März in den Handel und kostet mindestens 37.850 Euro. Dafür gibt es den 3er als 318d mit einem 150 PS starken 2,0-Liter-Diesel. Daneben stehen der gleiche Motor als 320d mit 190 PS und als einziger Sechszylinder der 330D mit 3,0 Liter und 265 PS zur Wahl. Außerdem gibt es die beiden 2,0-Liter-Benziner im 320i mit 184 und im 330i mit 258 PS. Später folgen ein M 340i mit 374 PS, ein Plug-in-Hybrid mit mehr als 50 Kilometer elektrischer Reichweite und ein M3, dessen Leistung auf knapp 500 PS taxiert wird. Als Karosserievarianten wird es Touring und GT sowie Zweitürer, Cabrio und Gran Coupé in der 4er-Baureihe geben.

Äußerlich übernimmt der 3er weitgehend die Form des Vorgängermodells, neu ist das Format. In der Länge wächst er um knapp acht Zentimeter, der Radstand legt vier Zentimeter zu. So gibt es vor allem auf der Rückbank etwas mehr Platz. Außerdem wird das Auto zwei Zentimeter breiter und bekommt vorne vier und hinten zwei Zentimeter mehr Spurweite für einen stabileren Stand und ein besseres Fahrgefühl. Obwohl er in allen Dimensionen zulegt, speckt der 3er um einen Zentner ab.

Das werden wir nicht vergessen: Die Tücken der Sprachsteuerung. Sie funktioniert nur bei guter Mobilfunkabdeckung und auch dann nicht immer. Die Songsuche beim Streaming klappt nur manchmal. Wer eine Toilette sucht, wird vom Computer nicht immer auf den nächsten Parkplatz hingewiesen. Immerhin hat die digitale Assistentin die Freude am Fahren verinnerlicht: Wer "mir ist langweilig" sagt, dem stellt sie nicht das Radio an, sondern empfiehlt den Wechsel in den "Sport"-Modus. Ganz nach dem Motto: Reden ist Silber, Fahren ist Gold.

Hersteller:BMW
Typ:330i (2019)
Karosserie:Limousine
Motor:Vierzylinder-Benzindirekteinspritzer-Turbo
Getriebe:Achtgang-Automatik
Antrieb:Heck
Hubraum:1.998 ccm
Leistung PS:258 PS
Leistung kW:190 kW
Drehmoment:400 Nm
Von 0 auf 100:5,8 Sek.
Höchstgeschw.:250 km/h
Verbrauch (ECE):5,8 Liter
CO2-Ausstoß:132 g/km
Kofferraum:480 Liter
Gewicht:1.540 kg
Maße:4709 / 1827 / 1442
Preis:44.750 €

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