Neuer Dreier von BMW: Der kleine Fünfer
BMW-Premiere in München Aller guten Dinge sind Dreier
Der Zieleinlauf beim Marathon ist nichts dagegen: Das ganze BMW-Stammwerk in München stand Spalier, als ein halbes Dutzend Auszubildender die ersten Exemplare des neuen Dreiers aus der Halle fuhr. "Dieses Auto ist das Herz unserer Marke, und das schlägt hier in München", sagte BMW-Chef Norbert Reithofer in einer pathetisch aufgeladenen Rede, bevor er sich in einen weißen Dreier an die Spitze der kleinen Prozession setzte, die vom Werk direkt zur Premiere in die BMW-Welt führte.
Dass BMW um den Bestseller solch ein Aufhebens macht und zu dieser eindrucksvollen Demonstration des "Mir san mir"-Gefühls auch noch 200 Journalisten aus aller Welt einfliegt, hat einen guten Grund: Der Dreier ist nach fünf Generationen, 36 Jahren und mehr als zwölf Millionen Fahrzeugen nicht nur das mit Abstand wichtigste Modell von BMW und macht derzeit etwa ein Drittel des Absatzes aus. Ihm kommt obendrein noch die Aufgabe zu, auf dem am meisten beachteten Schlachtfeld der Premium-Klasse gegen Mercedes und Audi anzutreten. Es geht um nicht weniger als die Vorherrschaft auf dem deutschen Markt wo im ersten Halbjahr die C-Klasse noch knapp vor dem Dreier rangierte, der A4 nur um wenige hundert Exemplare dahinter.
Die Voraussetzungen für den Erfolg indes stehen gar nicht schlecht. Denn der Dreier kann alles ein klein wenig besser als der Vorgänger, und sieht auch noch besser aus. "Dieser Wagen ist das Gesicht von BMW", sagt Designchef Adrian van Hooydonk. "Deshalb muss er auch auf den ersten Blick alles ausdrücken, was BMW ausmacht." Tatsächlich kommt der Mittelklasse-BMW deutlich straffer und sportlicher daher als bisher: Die Niere ging in die Breite, die Nase läuft jetzt spitz zu und die Scheinwerfer ragen bis an den Chromrand in der Mitte heran.
Verwechslung nicht ausgeschlossen
Auf den ersten Blick dürften ihn selbst Kenner der Marke leicht mit dem größeren Fünfer verwechseln, und das ist durchaus gewollt. Denn in kaum einem anderen Segment sind Kaufentscheidungen so stark von Statusdenken beeinflusst wie in der Wagenklasse der Aufsteiger.
Eleganter, ruhiger und vor allem kräftiger als früher steht er satt auf der Straße und kaschiert geschickt, dass er auch deutlich größer geworden ist. Auf über 4,60 Meter hat BMW den Wagen gestreckt. Der erste Dreier musste noch mit 4,35 Metern auskommen. Bei der Sitzprobe merkt man das deutlich: Auch wenn nicht alle neun Zentimeter Längenzuwachs bei den Passagieren angekommen sind, so hat man doch vor allem im Fond spürbar mehr Platz für Knie und Kopf. Und der Kofferraum wächst ebenfalls: Mit 480 Litern ist er jetzt 20 Liter größer als früher.
Wechselt man hinters Lenkrad, zeigt sich der Dreier von seiner einnehmenden Seite. Das Cockpit ist jetzt noch stärker auf den Fahrer ausgerichtet auch die Schalter und Instrumente auf der Mittelkonsole liegen bestens im Blick. Neu sind die Option auf ein Head-Up-Display, das erstmals in dieser Klasse alle wichtigen Informationen direkt auf die Frontscheibe projiziert, sowie ein halbes Dutzend Assistenz- und Infotainment-Systeme von der Fußgängererkennung bis zu den Verkehrsinformationen in Echtzeit.
Ausgeklügelte Energiespartechnik
Beim Antrieb setzt BMW den Sparkurs der letzten Modellwechsel fort. Die Limousine ist trotz der gewachsenen Abmessungen um bis zu 45 Kilo leichter geworden, der Motor stellt an der Ampel den Dienst ein und nutzt beim Neustart die Energie, die die Elektronik beim Bremsen vorher zurückgewonnen hat. Auf Wunsch ist zum ersten Mal auch ein Achtgang-Automat erhältlich, dessen höchster Gang die Drehzahl noch einmal senkt. Dazu gibt es beim sogenannten "Fahrerlebnis-Schalter" noch einen Eco-Pro-Modus, der mit sensiblerem Gaspedal und gedrosselten Nebenverbrauchern noch einmal bis zu 20 Prozent spart. Im besten Fall reicht das für einen Normverbrauch von 4,2 Litern und macht den Dreier mit 109 g/km zum CO2-Champion in seiner Klasse.
Diesen Wert schafft die "Efficient Dynamics"-Edition des 320d, die mit ihrem zwei Liter großen Vierzylinder und 163 PS die vorerst schwächste Version der Dreier-Reihe ist. Denselben Motor gibt es auch ohne Sparzwang als normalen 320d mit 184 PS. Bei den Benzinern startet BMW mit einem ebenfalls zwei Liter großen Vierzylinder im 328i, der mit 245 PS und 350 Nm in der Liste steht. BMW verspricht den Sprint auf Tempo 100 in 5,9 Sekunden und 6,4 Liter Normverbrauch. Darüber rangiert der vorerst einzige Sechszylinder im 335i. Er hat drei Liter Hubraum. Leistet 306 PS und punktet mit 400 Nm. Seine Leistung ist zwar unverändert, aber er sprintet schneller als vorher und verbraucht deutlich weniger. Statt mit 8,4 Litern soll er jetzt im besten Fall mit 7,2 Litern auskommen.
Der "Efficient Dynamics"-320er wird einen Monat nach der Publikumspremiere des Dreier im Januar auf der Motorshow in Detroit zu Preisen ab zunächst 35.350 Euro in den Handel kommen. Ein paar Monate später will BMW aber noch kleinere Benziner anbieten, um den Preis in die Nähe von 30.000 Euro drücken zu können. Außerdem planen die Münchner natürlich auch mit stärkeren Dieseln und einem neuen M3.
Die spannendste Antriebsalternative wird aber der Dreier ActiveHybrid, der für nächsten Herbst versprochen ist. Als erster Teilzeitstromer in seiner Klasse wird er tatsächlich ein paar Kilometer nur mit dem Antrieb aus dem Akku fahren können.