Bombendrohung auf der IAA: Schock statt Show - DER SPIEGEL
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Bombendrohung auf der IAA Schock statt Show

Es sollte das große Fest des Automobils werden. Doch für Autos interessiert sich auf der IAA seit Dienstag keiner mehr. Jetzt gab es eine Bombendrohung für die neue Halle 3, wo der Ford-Konzern mit seinen Marken, Renault, Nissan und Volkswagen untergebracht sind.
Von Frank Wald und Jürgen Pander
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der obere Teil der Halle, wo unter anderem Ford mit seinen Konzernmarken Aston Martin, Jaguar, Volvo und Land Rover untergebracht ist, wurde geräumt. Und auch im Erdgeschoss des vor der IAA neu errichteten, riesigen Gebäudes herrschte Aufregung. Die VW-Kommunikationsabteilung, die sich am zweiten Pressetag der Messe für Interviews und Hintergrundgespräche auf dem Volkswagen-Stand aufhielt, plant offenbar die vorzeitige Abreise.

Die Serie an Terroranschlägen in New York rief besondere Betroffenheit bei den amerikanischen Automobilherstellern hervor. DaimlerChrysler zum Beispiel hat sämtliche Termine abgesagt. Die für heute Morgen 10 Uhr geplante Konzern-Pressekonferenz mit Jürgen Schrempp wurde noch gestern annulliert. Markus Hauf, Pressesprecher von Chrysler Deutschland, sagte: "Es gibt keine Interviews mehr, die Lage ist zu angespannt."

Gleiches gilt für Opel und andere General-Motors-Marken, die in Halle 8 ihre Produkte zeigen. Wo zu Messebeginn noch Popmusik lief, wo Graffiti-Sprayer sprühten und HipHop-Musiker für frischen Sound sorgten, herrscht heute das große Schweigen. Opel-Sprecher Christoph Horn erklärte, man habe den Werksschutz verstärkt. Nach Feiern und Plaudern ist jedenfalls niemandem mehr zumute. Zum Zeichen der Verbundenheit wird heute um 12 Uhr in allen europäischen GM-Werken die Arbeit für eine Minute niedergelegt.

Das war auch schon gestern, am ersten Pressetag so, als sich ab etwa 15.30 Uhr die Nachricht von den Terroranschlägen in New York und Washington wie ein Lauffeuer auf der Messe verbreitete. Plötzlich waren die chromglänzenden Autos, die technischen Neuheiten und Design-Studien völlig nebensächlich. Jeder versuchte an Informationen heranzukommen, was genau in den USA passiert war. Fernsehschirme waren dicht umlagert.

Vor zahlreichen Übertragungswagen verschiedener Sender, die neben den Hallen geparkt waren, wurden Monitore aufgestellt, um die sich schnell große Gruppen von Motorjournalisten versammelten.

Auch bei den Abendveranstaltungen nach dem ersten Pressetag waren Trauer, Angst und Fassungslosigkeit allgegenwärtig. DaimlerChryslers Kommunikationsdirektor Christoph Walther sprach beim Abendessen, das ursprünglich als festliches Dinner geplant war, von "transatlantic solidarity".

Der Veranstalter der IAA, der Verband der deutschen Automobilindustrie (VDA), sagte die für Donnerstag geplante offizielle Messeeröffnung mit Bundeskanzler Schröder ab. Zudem kündigte der VDA an, die Sicherheitsvorkehrungen auf der Messe drastisch erhöhen zu wollen. Heute war davon allerdings nichts zu spüren. SPIEGEL-ONLINE-Mitarbeiter Frank Wald kam wie am Vortag ohne jede Kontrolle auf das Messegelände. Dort sind zwar zahlreiche Beamte des Bundesgrenzschutzes in Uniform anwesend, die gestern noch nicht da waren, doch es gibt darüber hinaus bis jetzt noch keine besonderen Maßnahmen, um die Sicherheit in den Messehallen zu gewährleisten.

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