Citroën C5 Airscape Adieu Tristesse
Es gab eine Zeit, da war Citroën der Inbegriff für automobile Extravaganz und einen ganz eigenen Weg. Zwar hat die kleine Tochter des PSA-Konzerns mit aktuellen Autos wie dem C3 Pluriel und der Oberklasselimousine C6 in den letzten Jahren wieder einen Hauch dieses alten Flairs zurück gewonnen, doch in der Mittelklasse riecht es immer noch äußerst muffig da nützt auch der im Cockpit von Modellen wie dem C4 eingebaute Parfümspender nichts.
Künftig soll bei den Franzosen alles besser werden. Die Tage des C5 sind offensichtlich gezählt. Sechs Jahre nach der Premiere und gute zwei Jahre nach dem letzten Update nimmt der Nachfolger allmählich Gestalt an. Das fertige Auto zeigt Citroën wahrscheinlich erst im Frühjahr auf dem Genfer Salon. Doch als Abschiedsgruß an die alte Tristesse werden Franzosen auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt am Main die Studie eines großen Cabrios enthüllen. Es trägt den Namen C5 Airscape.
Der schlanke Zweitürer lässt alle Wucht und Langeweile hinter sich und wirkt stattdessen so elegant, leicht und dynamisch als hießen die Wettbewerber nicht Renault oder Peugeot, sondern Audi, BMW und Mercedes. Der Bug ist schön gerundet und hat mit dem riesigen Kühlermaul unter dem ins Blech geschnittenen Doppelwinkel dennoch genügend Biss. Die riesigen Scheinwerfer reichen bis weit in die von zwei markanten Falzen durchzogene Motorhaube, an den Flanken funkeln Chromspangen, und das Heck wirkt schlanker als bei jedem anderen Cabrio mit versenkbaren Hardtop. Selbst der offene 3er BMW sieht dagegen aus wie ein bayerisches Pummelchen.
Möglich macht das eine völlig neue Verdeck-Konstruktion, die nicht auf Stahl und Kunststoff, sondern auf Karbonfasern setzt. Sie kann besonders einfach und platzsparend verstaut werden und ist zudem so leicht, dass die zuständigen Motoren auch noch ein großes Glaselement bewegen können, das selbst bei schlechtem Wetter für sonnige Aussichten sorgt. Zudem haben die Franzosen die feste Haube mit einem metallisch schimmernden Gewebe überzogen, das wenigstens optisch die Brücke zu den Cabrios klassischer Bauart schlägt.
Ein Innenraum mit vielen Überraschungen
Das Verdeck ist ebenso neuartig wie das Interieur: Dort gibt es reichlich blankes Chrom und braunes Leder; Sitzen, deren Mittelbahnen wie die Glieder eines Uhrenarmbands gestaltet sind; Schalter, die mit einer Art Haut überzogen wurden; ein Lenkrad mit freistehender Nabe und einem Cockpit mit überraschenden Instrumenten. Alles hübsch, aber zum Teil noch ziemlich futuristisch. Die Technik unter dem Blech wiederum ist deutlich näher an der Wirklichkeit der Serienfertigung.
Angetrieben wird der Airscape vom bekannten Dieselmotor aus der Kooperation mit Peugeot und Jaguar, hier kombiniert mit einer ebenfalls bekannten Sechsgang-Automatik. Allerdings wurde der 2,7 Liter große und 204 PS starke V6-Motor überarbeitet und schluckt jetzt trotz des Rußpartikelfilters auch Biodiesel. Außerdem haben die Franzosen ihr Kraftwerk auf Diät gesetzt und dabei ein wenig nach München zu BMW geschaut.
So wird wohl, ähnlich wie bei den Bayern, auch im nächsten C5 die Bremsenergie in Strom umgewandelt und zur Batterieladung genutzt. Und was auf bayerisch einfach Start-Stopp-Automatik heißt, wird auf Französisch zum sogenannten UrbanHybrid: Sobald das Tempo unter 6 km/h fällt und der Fahrer auf der Bremse steht, geht der Motor aus.
Weniger Abgase und mehr Grip auf rutschigem Grund
Nimmt der Fahrer aber den Fuß wieder vom Bremspedal, wirft der Generator den V6-Motor wieder an. Diese Lösung spart im Gesamtverbrauch etwa 24 Gramm CO2 pro Kilometer, hat Citroen errechnet. Außerdem dient die Technik als Booster beim Anfahren und macht dem Auto an der grünen Ampel Beine.
Damit der Vortrieb nicht in Rauch aufgeht, hat Citroen zudem eine neue Antischlupfregelung erfunden, die den für Cabrios eher ungewöhnlichen Namen Snow Motion trägt. Insbesondere in Kombination mit Winterreifen erreiche die Traktion des Airscape damit beim Anfahren auf rutschigem Untergrund das Niveau eines Allradfahrzeuges, versprechen die Franzosen.
Noch ist der Airscape lediglich eine schöne Vision. Im kommenden Jahr bringt Citroën wohl erst einmal die Limousine und den Kombi - genau wie die Wettbewerber Peugeot und Renault. Doch Peugeot leistet sich ein 407 Coupé und vom neuen Laguna wird es künftig ebenfalls einen Zweitürer geben. Gut möglich also, dass auch Citroën genug Mut und Leidenschaft entwickelt - und das C5-Cabrio tatsächlich baut.