Daimler Super Eight Walnussholz und Lammwollteppich
Der Name sorgt zunächst für Verwirrung. Daimler? Mit 109 Jahren Geschichte die älteste noch existierende Automarke des Vereinigten Königreiches? So ist es. Denn 1896 schloss der deutschstämmige britische Ingenieur Fredrick Simms mit Gottlieb Daimler einen Vertrag über den Vertrieb von dessen Motoren in Großbritannien. Ein Jahr später bereits kam der erste in England gebaute Daimler auf den Markt - und gleich im ersten Jahr wurden 89 Autos verkauft. Ein ungeheurer Erfolg für die damalige Zeit. 1900 dann machte Edward, Prince of Wales - der spätere König Edward VII. - Bekanntschaft mit der Marke. Und fortan gehörten Daimler-Limousinen stets zum Fuhrpark der Royals.
Der Ruf des Luxusautomobils war damit begründet und wurde mit jedem neuen Modell gefestigt. In den späten vierziger Jahren zum Beispiel entstand mit dem DE 36 das damals größte Serienauto der Welt. Das Fahrgestell war derart mächtig, dass Könige und Staatsoberhäupter mit Vorliebe auf diesen Wagen zurückgriffen, um sich eine Spezialkarosserie obendrauf schneidern zu lassen.
Ganz so speziell geht es bei der Neuauflage des Daimler - seit 1960 gehört die Marke zu Jaguar - nicht mehr zu, denn der Kostendruck ist inzwischen auch im automobilen Oberhaus angekommen. Außergewöhnlich edel aber wird auch der neue Daimler sein, der auf Basis der Jaguar-Limousine XJ gebaut wird. Die Technik ist bekannt: Aluminiumkarosserie plus 4,2-Liter-V8-Kompressormotor mit 395 PS (291 kW) sowie 541 Newtonmeter sorgen für standesgemäßes Vorwärtskommen. Bei Tempo 250 riegelt die Elektronik ab, von 0 auf 100 km/h geht es in 5,3 Sekunden. Eine Sechsgangautomatik übernimmt die Schaltwechsel, den Durchschnittsverbrauch gibt Jaguar mit 12,1 Liter je 100 Kilometer an.
Für eine 5,22 Meter lange Limousine mit rund 1,8 Tonnen Gewicht sind die Fahrleistungen sehr ordentlich. Optisch unterscheidet sich der Daimler vom Jaguar durch das Firmenemblem, ein elegant geschwungenes "D", durch einen speziellen Kühlergrill, verchromte Außenspiegelgehäuse und die Außenfarben Garnet (Metallic-Burgunderrot) und Westminster Blue, die sonst kein anderes Auto tragen darf.
Im Innenraum allerdings wird deutlich, warum Könige so gerne auf diese Marke zurückgreifen: Daimler verpackt die kraftvolle Technik mit typisch britischem Barock. Will heißen: Die Füße ruhen auf Lammwollteppichen, die Hände greifen feinstes Leder, die Augen blicken auf Walnussholz mit Buchsbaum-Intarsien. Darüber hinaus wird ein Daimler erst dann zusammengebaut, wenn ein Auftrag und somit entsprechende Sonderwünsche des künftigen Eigners vorliegen.
Ab November soll der neue Daimler Super Eight auf die Straße kommen. Jeder Kunde erhält den so genannten "Royal Service", der unter anderem eine Komplettgarantie für die ersten drei Jahre umfasst. Das heißt: Sämtliche Inspektions- und Werkstattkosten, Verschleiß- oder Austauschteile - mit Ausnahme der Reifen - sind im Kaufpreis von 112.500 Euro inbegriffen. Könige oder Kronprinzen wollen sich eben nicht mit Werkstattrechnungen befassen.