Dodge Viper SRT-10: Giftige Gattung - DER SPIEGEL
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Dodge Viper SRT-10 Giftige Gattung

Für die einen ist sie die legitime Erbin der amerikanischen muscle cars, für andere die Inkarnation des Macho-Mobils - die Dodge Viper, Supersportwagen mit Zehnzylinder-Triebwerk und allen Insignien des automobilen Wahnsinns.
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Flach wie eine Flunder, breite Puschen und der Sound einer Heavy-Metal-Band. 1992 hatte die Chrysler-Tochter Dodge diese Giftschlange zum Leben erweckt. Über das erste Exemplar der Gattung sagte der damalige Chrysler-Chef Lee Iacocca: "Wen dieses Auto nicht in Aufregung versetzt, sollte besser seinen Puls messen: Vielleicht ist man ja schon tot."

Im Oktober 2002 dürfen die Amerikaner für 79.995 Dollar die neue Viper SRT-10 ins Freie führen. Und auch bei der Neuauflage empfiehlt sich vor Gebrauch auf jeden Fall, den Beipackzettel zu lesen. Denn wer sich erst einmal in das zweisitzige Cockpit gezwängt hat, bekommt nach dem Start leicht Herzrasen.

Der Roadster soll aus dem Stand in 3,8 Sekunden an die 100 km/h-Marke springen. "Die Viper ist das automobile Äquivalent zum Jet-Fighter, und der Fahreindruck gleicht einem Katapultstart von einem Flugzeugträger", heißt es in einer Dodge-Pressemitteilung.

Um sich dieses Top-Gun-Feeling vorzustellen, genügt ein Blick unter die lang gestreckte Motorhaube. Das mächtige V10 Aluminium-Motor, aus einem Lkw-Aggregat abgeleitet, wurde für die neue Viper-Version auf 8,31 Liter Hubraum aufgebohrt. In den zehn Brennkammern entstehen über 507 PS und 712 Newtonmeter Drehmoment, das über eine Sechsgangschaltung an die Hinterräder weiter geleitet wird. Die sind mit 19 Zoll Durchmesser und 345er Breite entsprechend dimensioniert.

Um es nicht bei den üblichen Kraftsprüchen zu belassen, hatte die für die Viper-Entwicklung verantwortliche PVO (Performance Vehicle Operation), vergleichbar mit AMG bei Mercedes-Benz, Anfang Juli den Beweis dafür antreten wollen - mit der ungewöhnlichen Paarung Dodge Viper SRT-10 gegen Kampfflugzeug Lockheed Martin F-16: Amerikas stärkstes Serienfahrzeug gegen Amerikas wendigsten Kampfjet. Auf der Luke Air Force Base in Glendale, im US-Staat Arizona, sollten 140.000 Zuschauer hautnah erleben, was die neue Viper drauf - und drunter hat.

Auf parallel verlaufenden Startbahnen sollten beide aus dem Stand beschleunigen und als erster die 800 Meter entfernte Ziellinie überqueren. "Das Rennen gab uns endlich einmal eine Möglichkeit, uns mit einem der wenigen zu messen, die in Lage sind, eine Viper zu schlagen," sagte PVO-Senior Manager Herb Helbig. Mit der Prognose sollt er dann auch Recht behalten. Mit ohrenbetäubendem Lärm, qualmenden Reifen und gezündetem Nachbrenner konnte die F-16 das Beschleunigungs-Rennen für sich entscheiden.

Trotz starker Motoren und Marketing-Sprüche, beim Design haben sich die Amerikaner diesmal auffallend zurückgehalten. Während die alte Viper noch mit gewagten Karosserieschwüngen und martialischen Seitenschwellern daherkam, glänzt die neue Version mit schon fast italienischer Eleganz. Glatte Flächen und dezente Schnitte konturieren die lang gezogene Motorhaube, die klare Seitenlinie und das sanft gerundete Heck geben dem Cabrio eine souveräne Silhouette. Einzig die Kiemen auf der Haube und die tief eingeschnitten seitlichen Lüftungsschächte erinnern noch ein wenig an die Krawall-Optik des Vorgängers.

Für amerikanische "Schlangenbeschwörer" offenbar genau das richtige. Die erste Jahresproduktion von 1250 Exemplaren war bereits im Januar innerhalb von zwei Tagen vergriffen, da viele Besitzer des Vorgängermodells das angebotene Vorkaufsrecht ausübten. Hiesige Viper-Fans müssen sich eh noch in Geduld üben. Ob das Auto auf den europäischen Markt kommt, wird zurzeit noch geprüft. Deshalb steht noch nicht fest, ob die Dodge Viper SRT-10 auch in Deutschland angeboten wird.