Elektronischer Einschlafwarner: Kamera läuft - DER SPIEGEL
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Elektronischer Einschlafwarner Kamera läuft

Nach Angaben der Deutschen Verkehrswacht sind Müdigkeit oder der gefährliche Sekundenschlaf die Ursache für jeden vierten Unfall auf deutschen Autobahnen. Siemens VDO hat nun einen Einschlafwarner entwickelt, der auf der IAA Nutzfahrzeuge präsentiert wird.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Stundenlang geht es dahin auf der Autobahn, die sich wellig durchs Land windet. Der Dieselmotor brummelt einschläfernd, das Radio dudelt leise eine endlose Gutenachtmusik. Dies sind die Momente höchster Gefahr - und sie kommen täglich viele hundert Mal auf deutschen Autobahnen vor. Vor allem Lkw-Fahrer, die viele Stunden hinterm Lenkrad sitzen, sind davon betroffen. Und zwar nicht nur nachts, denn der berüchtigte Sekundenschlaf wurde vor allem auch in den Morgen- und Nachmittagsstunden beobachtet.

Die akute Müdigkeit am Steuer soll Ursache für jeden vierten Autobahn-Unfall sein. Der ökonomische Schaden dieser Karambolagen wird allein in Deutschland mit etwa fünf Milliarden Euro pro Jahr beziffert. Das Zuliefer-Unternehmen Siemens VDO hat daher ein "Driver Attention System" entwickelt, einen elektronischen Einschlafwarner, der diese Gefahr minimieren soll.

Kernstück des Systems ist eine für den Fahrer kaum wahrnehmbare Infrarot-Digitalkamera, die den Lkw-Lenker ständig fixiert und mit ihrem unsichtbaren Infrarotlicht das Gesicht auch bei Dunkelheit gut ausleuchtet. Die Bilder werden von einem Minicomputer in Echtzeit ausgewertet - dabei überwacht das Programm die Blickrichtung, die Zahl und Dauer der Lidschläge sowie die Kopfhaltung.

Daraus wird dann ermittelt, ob der Lkw-Fahrer wach und aufmerksam ist, oder müde und unkonzentriert. Wird Letzteres erkannt, folgen zwei Warnstufen. Zunächst wird der Fahrer durch Vibration des Sitzes buchstäblich wieder wachgerüttelt. Registriert die Kamera daraufhin keine gesteigerte Aufmerksamkeit des Fahrers, ertönt ein anschwellender Signalton.

Das System ist auch in jedem Pkw einsetzbar. Siemens VDO erweitert damit sein Arsenal an Fahrerassistenzsystemen, das unter dem Namen pro.pilot entwickelt wird. Dazu gehören bislang ein Nachtsichtsystem, eine Sensoranlage zur Überwachung des toten Winkels, ein Spurassistent sowie ein Abstandsregeltempomat. In einem künftigen Entwicklungsschritt könnte zum Beispiel der Einschlafwarner mit dem Spurassistenten und dem Abstandsregeltempomaten so gekoppelt werden, dass ein Fahrzeug automatisch in der Spur und auf Abstand zum Vordermann gehalten wird, wenn die Kamera Sekundenschlaf beim Fahrer registriert - zumindest so lange, bis der übermüdete Fahrer auf die Warnsignale reagiert und wieder selbst die Kontrolle über den Wagen übernehmen kann.

jüp