Extrem-Tuner Gemballa: Der Erbe des Porsche-Prinzen - DER SPIEGEL
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Extrem-Tuner Gemballa: Zurück auf die Überholspur

Extrem-Tuner Gemballa Der Erbe des Porsche-Prinzen

Die Porsche-Umbauten des Tuners Gemballa sind legendär. Wirtschaftlich jedoch fuhr die Firma auf Schlingerkurs, das Unternehmen ging pleite. Im vergangenen Jahr wurde der Chef Uwe Gemballa erschossen, nach offenbar zwielichtigen Geschäften. Nun ist die Firma wieder da.
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Diese Story hat alles, was ein guter Krimi braucht: schnelle Autos, zwielichtige Geschäftspartner, Schwarzgeld-Millionen und einen spektakulären Mord. Doch von diesem Teil der Geschichte des Porsche-Veredlers Uwe Gemballa aus Leonberg will Andreas Schwarz am liebsten gar nichts wissen. Während die Polizei im vergangenen Jahr in Südafrika noch nach dem vermissten Firmengründer suchte und Gerüchte über eine Entführung laut wurden, saß der 40jährige Schwarz bereits mit dem Insolvenzverwalter zusammen und verhandelte eine Übernahme des 1981 gegründeten Unternehmens Gemballa. Die Leiche des Gründers Uwe Gemballa wurde schließlich in der Nähe von Pretoria gefunden - erschossen und eingewickelt in Zellophan-Folie.

Die Hintergründe des Mordes - es soll sich um dubiose Schwarzgeldgeschäfte gehandelt haben, bei denen die Geldbündel in den Türverkleidungen von Luxusautos versteckt waren - wurden nie vollständig aufgeklärt. Die Firma jedoch überlebte. Andreas Schwarz, der neue Lenker des Tuningmarke Gemballa verkündete: "Mit einem völlig neuen Unternehmen und einer Millionen-Investition gehen wir in eine gesicherte Zukunft."

Schwarz kennt das Geschäft mit schnellen und luxuriösen Autos gut. Er betreibt bereits seit längerem eine Vertriebs- und Veredelungsfirma für Bugatti, Koenigsegg und ähnliche Sportwagenkaliber. Als er von der Insolvenz Gemballas hörte und seinen Kunden gegenüber die Tuningfirma erwähnte, war er erstaunt vom positiven Echo. "Viele kannten Gemballa und hatten eine hohe Meinung von der Marke." Und so beschäftigte sich Schwarz intensiver mit der Causa - und hatte sechs Wochen später den Tuningbetrieb übernommen.

Zwei neue Modelle wurde soeben in Monaco vorgestellt

Inzwischen gibt so bereits zwei neue Automodelle. Erst vor wenigen Wochen auf der Millionärsmesse "Top Marques" in Monaco wurden die Typen Mistrale und Tornado enthüllt. Dass der eine mal ein Porsche Panamera und der andere ein Porsche Cayenne gewesen ist, kann man nur noch erahnen. "Bis auf das Dach haben wir kein Teil der Karosserie vom Original übernommen", sagt Schwarz. Stattdessen ersetzen zwei Dutzend Gemballa-Spezialisten, von denen einige im nahe gelegenen Porsche-Entwicklungszentrum Weissach ausgebildet wurden, alle Bleche durch Karbon-Teile. "Das spart trotz der besseren Ausstattung und dem Wechsel von 20- auf 22-Zoll-Räder etwa 70 Kilogramm Gewicht", sagt Schwarz. "Und natürlich sieht es besser aus."

Das kann man auch anders sehen, aber zumindest hat Schwarz den schillernden Stil von Gemballa beibehalten und die Umbauten entsprechend auffällig gestaltet. "Kein anderer Porsche-Umrüster hat so eine extreme und markante Formensprache wie wir", sagt der Chef.

Ab 300.000 Euro aufwärts beginnt die Vollgaskosmetik

Es bleibt natürlich nicht bei Äußerlichkeiten. Auch der Innenraum wird nach Kundenwunsch gestaltet. Mal schwülstig, mal düster - aber immer bis ins kleinste Detail. Kein Wunder, dass Schwarz für die Montage eines Autos vier bis sechs Monate kalkuliert. Und kein Wunder, dass der Preis deutlich in die Höhe schnellt. "Der Umbau kostet je nach Kundenwunsch ab 300.000 Euro aufwärts - das Basisfahrzeug nicht mitgerechnet", sagt Schwarz.

Mit den Standard-Fahrleistungen von Cayenne oder Panamera muss sich freilich kein Gemballa-Kunde bescheiden. Die V8-Motoren leisten dank neuer Luftführung, geänderten Turboladern und sportlicherer Auspuffanlage in mehreren Ausbaustufen bis zu 707 PS und 955 Nm. Damit stürmt der Tornado in 4,1 Sekunde auf Tempo 100 und schafft mehr als 310 km/h. Für den Mistrale nennt Schwarz einen Sprintwert von 3,6 Sekunden und ein Spitzentempo jenseits von 320 km/h.

Gekauft werden solche Autos vor allem in Ländern, in denen an derartige Geschwindigkeiten auf öffentlichen Straßen nicht zu denken ist. "Unsere wichtigsten Märkte sind die Golf-Staaten, Russland und der ferne Osten", sagt Schwarz. In Europa und vor allem in Deutschland bleibt nur ein kleiner Teil der Jahresproduktion, die mittelfristig auf 50 Autos wachsen soll. "Hierzulande gibt es einfach zu wenige Kunden, die so ein extrovertiertes Fahrzeug bewegen wollen. Und wenn, dann machen sie das selten in Deutschland, sondern an einem fernen Zweitwohnsitz."

Auch die Gemballa-Klassiker werden noch gebaut

Neben den neuen Modellen baut Schwarz auch zwei Klassiker aus der Feder von Uwe Gemballa weiter: Den bis zu 700 PS starken und bis zu 450.000 Euro teuren Avalanche auf Basis des Porsche 911 und den Mirage als Derivat des Carrera GT. Das Originalauto wird von Porsche zwar seit fünf Jahren nicht mehr gebaut, aber noch immer kommen Kunden mit ihren Gebrauchtfahrzeugen zum Umbau nach Leonberg. Das kostet dann mindestens 650.000 Euro - und ergibt einen Sportwagen mit 670 PS.

Auch vom kommenden Hybrid-Supersportwagen Porsche 918 Spyder soll es einen Gemballa-Umbau geben. "Das wird für uns der erste Schritt in eine neue Technik-Ära", sagt Schwarz. Bei dem Hybridauto soll dann nämlich nicht nur in klassischer Tuner-Manier der V8-Benziner aufgemotzt werden, sondern auch der Elektromotor. "Dieser Technik dürfen wir uns nicht verschließen", sagt Schwarz und schiebt nach, "wir werden deshalb sicher keine Ökos. Das würde uns ohnehin keiner glauben."