Fahrbericht über den Mini-SUV VW Taigun - DER SPIEGEL
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VW Taigun: Probefahrt im Winzling

Foto: Volkswagen

VW Taigun Das SÜVchen

Kompakte Geländewagen sind derzeit Verkaufsschlager. Nun will VW die SUV-Schrumpfkur mit dem Taigun auf die Spitze treiben: Das Auto soll noch eine Nummer winziger werden als die Minis der Konkurrenz. Doch bei einer ersten Probefahrt macht der Hersteller große Geheimnisse um den Kleinen.
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Die Straßen von San Antonio de Areco sind voller riesiger Geländewagen. Vor allem alte Modelle von Ford und Chevrolet walzen durch diesen Ort hier in der Pampa, zwei Stunden außerhalb von Argentiniens Hauptstadt Buenos Aires. Mitten zwischen den Riesen rollt ein Auto von VW, das es noch nicht zu kaufen gibt. Es steht nicht mal fest, ob es jemals gebaut wird. Klein und zierlich wirkt es neben den anderen Wagen - und das dürfte VW ganz recht sein.

Denn das Miniformat ist der Knackpunkt bei diesem Auto: "In jeder Klasse gibt es mittlerweile Geländewagen und Crossover-Fahrzeuge", sagt Martina Biene, Leiterin des VW-Produktmarketings für die kleinen Baureihen. "Nur bei den ganz Kleinen nicht." Dabei werden in diesem Segment mittlerweile pro Jahr weltweit fast neun Millionen Fahrzeuge verkauft. "Deshalb sehen wir in Autos wie dem Taigun den nächsten großen Trend", erklärt Biene.

In der Vergangenheit fuhr VW solchen Trends meist hinterher. Mit dem Taigun wollen die Wolfsburger dagegen als einer von wenigen Herstellern einen Kleinst-SUV bauen. Derzeit ist das Angebot solcher Wagen überschaubar, vergleichbar mit dem Taigun ist beispielsweise der Suzuki Jimny. Autos wie der Opel Mokka oder der Peugeot 2008 sind dagegen zwar auch kleiner als die große Masse der SUV. Doch neben dem Taigun wirken selbst diese Modelle groß und schwer.

Falls er denn in Serie gebaut wird, wäre der Taigun also ein Zwergenkönig unter den Geländewagen. Und dass er bald grünes Licht aus der VW-Vorstandsetage erhält, ist allen Anzeichen nach schon beschlossene Sache. Vor knapp einem Jahr stellte VW ihn auf der Motorshow im brasilianischen São Paulovor, nun luden die Autobauer zu einer ersten Probefahrt.

Probefahrt im Schleichtempo

Der Taigun teilt sich die Fahrzeugarchitektur mit dem Kleinwagen VW Up und ist bloß 3,86 Meter lang. Zum Vergleich: Der nächstgrößere VW-SUV Tiguan ist um 60 Zentimeter länger. Am Steuer ist dieser Unterschied allerdings nicht auffällig. Man sitzt im Taigun zwar etwas niedriger als im Tiguan - aber das Platzangebot ist bequem. Als vollwertiger Fünfsitzer taugt das Auto hingegen nicht, dazu ist im Fond zu wenig Raum. Und auch der Kofferraum hinter der geteilten Klappe bietet nur ein Ladevolumen, das mit dem eines VW Polo vergleichbar ist.

Leider handelte es sich bei dem Testwagen um ein teures Einzelstück, weshalb VW die Probefahrt nur mit gezogener Handbremse zuließ. So ging es im Schleichtempo über Pflastersteine und Schlammpfützen. Dabei wäre eine härtere Gangart durchaus drin gewesen, schließlich verfügt der Wagen über eine ordentliche Bodenfreiheit sowie einen Unterfahrschutz.

Ein Allradantrieb ist für den Taigun aus Kostengründen offenbar nicht geplant. Die Kundschaft kann ohnehin darauf verzichten: Laut Angaben des Kraftfahrbundesamts (KBA) wurden kompakte SUV seit Jahresbeginn überwiegend mit Zweiradantrieb bestellt. Und der Taigun ist ja noch mal eine Nummer kleiner als zum Beispiel der Nissan Juke, der Skota Yeti oder der Dacia Duster.

Kleiner Wagen zu stolzem Preis

Mit der Größe soll auch der Verbrauch schrumpfen: Die Studie wurde von einem 1-Liter-Dreizylinder-Turbobenziner mit 110 PS angetrieben, laut den Ingenieuren wäre damit ein Durchschnittsverbrauch von 4,7 Liter je 100 Kilometer möglich. Aber als Motorisierungen stehen laut VW auch noch auch die Dreizylinder-Saugmotoren sowie eine Erdgasvariante zur Verfügung. Und, so deutet Martina Biene an, womöglich auch ein Dieselmotor. "Dann würde beim Verbrauch bei einem unserer SUV-Modelle erstmals eine Drei vor dem Komma stehen", sagt sie.

Der Taigun ist also fast in jeder Hinsicht ein Kleinstwagen - mit einer Ausnahme. Sollte das Auto endgültig von VW abgesegnet werden, wird es wohl Anfang 2016 auf den Markt kommen. Festlegen will sich in Wolfsburg zwar noch niemand, aber offenbar wird der Taigun dann etwa 16.000 Euro kosten. Und das ist nicht gerade ein kleiner Preis.