IAA-Auftakt: Partys, Promille und PS - DER SPIEGEL
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IAA-Auftakt Partys, Promille und PS

Wenn in den Messehallen die Scheinwerfer aufleuchten und die Hüllen von den Autos fallen, dann ist die ganz große Show bereits gelaufen. Die findet am Vorabend des ersten Pressetages der Automesse in Frankfurt statt – und zwar je nach Gastgeber in ganz unterschiedlicher Art und Weise.
Von Jürgen Pander und Frank Wald
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

In der Mercedes-Niederlassung weit draußen im Nordwesten Frankfurts nippen die 588 geladenen Gäste an Cocktails oder Chardonnay, schlemmen Scampishooter im Reagenzglas oder Baby-Calamari auf Salsa Picante, als gegen 21.15 Uhr endlich Kimi Räikkönen auf dem großen Monitor im Saal erscheint. Man kann dem finnischen Formel-1-Youngster ansehen, dass er friert. "Hier auf der Passhöhe des Stilfserjochs hat es drei Grad", berichtet der Rennfahrer, "es ist nebelig und die Straße rutschig." Das Wetter spielt also nicht so ganz mit bei der aufwendig-exzentrischen Premierenfahrt des neuen Supersportwagens Mercedes McLaren SLR.

Ansonsten aber passte alles: Die exquisiten Speisen von Starkoch Stefan Marquardt - später gab es noch Blaubeerjägermeister-Grütze -, die Musik der Band "Streetlife", die illustre Gästeschar (unter anderem David Coulthard, Jean Alesi und Bernd Schneider) und das Auto. Nachdem die Live-Schaltung zur Jungfernfahrt des SLR stand und Räikkönen einen kurzen Fahr- und Wetterbericht abgeliefert hatte, enthüllten Mercedes-Chef Jürgen Hubbert und McLaren-Boss Ron Dennis endlich das neue Flügeltüren-Fahrzeug, das "den Mythos SL" fortschreiben soll.

Im Angedenken an jene legendäre Mille Miglia des Jahres 1955, als auf den Plätzen eins und zwei Stirling Moss und Juan Manuel Fangio auf Mercedes 300 SL einen Doppelsieg mit der bis dahin unvorstellbaren Durchschnittsgeschwindigkeit von 158 km/h (Moss) landeten, startete der SLR seine Karriere gestern Mittag in Brescia. Zuvor drehte Stirling Moss mit dem Bürgermeister der italienischen Stadt noch eine Ehrenrunde im originalen Rennwagen-Oldie mit der Startnummer 722. Dann gingen Räikkönen und Formel-1-Testfahrer Alexander Wurz mit dem neuen SLR auf die Reise durchs regnerische Italien, über das Stilfserjoch nach Österreich (hier übernahm der Österreicher Wurz das Steuer) und weiter über den Reschen- und Fernpass bis nach Frankfurt auf den Mercedes-Messestand in Halle 2.

Audi setzte den Abend rennsportlich fort. Die Ingolstädter hatten an der Europa-Allee eine Tribüne aufgebaut und die Straße zwischen 22 und 23.30 Uhr für den Verkehr sperren lassen. In dieser Zeit verfolgten die rund 900 Gäste, darunter Willy Bogner, Uli Hoeneß und die Bayern-Spieler Thomas Linke, Samuel Kuffour und Alexander Zickler, eine grandiose Show, in der zunächst sechs Rennwagen der Marke, vom 16-zylindrigen "Typ C" aus den dreißiger Jahren bis zum dreimaligen Le-Mans-Siegerauto Audi R8, vorbeipreschten und dann vor den Tribünen Aufstellung nahmen. Der Platz in der Mitte war noch frei, als gegen 23.10 Uhr ein bis dahin streng geheim gehaltenes Auto über den Asphalt fegte: der Audi Le Mans quattro. Audi-Chef Martin Winterkorn parkte die Studie vor den Tribünen, sprach kurz von der Alukarosserie, dem V10-Biturbo-FSI-Motor mit 610 PS sowie den Keramikbremsen, und sagte dann vieldeutig: "Vielleicht werden wir dieses Auto tatsächlich bauen."

DJ Ötzi, als Ehrengast in der ersten Reihe platziert, war höchst angetan von der Supersportwagen-Studie. "Viele bringen mich ja ausschließlich mit Popmusik und Ballermann in Verbindung, aber ich habe auch Freunde wie Herrn Pischetsrieder", erklärte der Tiroler. Und wer den VW-Lenker einen Freund nennt, ist auch bei Audi gern gesehen. Künftig wohl erst recht, denn DJ Ötzi räumte ein. "Jetzt werde ich mir wohl einen Audi kaufen müssen."

Denn Anfang der Auto-Sneak-Previews am Vorabend der Messe hatte Volvo gemacht. Die Schweden stellten in der Union-Halle ihr neues Mittelklasse-Modell S40 vor. Nach der Weltpremiere jedoch zog es zahlreiche Gäste weiter: Party-Hopping zu Mercedes oder Audi. Ford hatte, wohl in weiser Voraussicht dieses Verhaltens, zu einem eher intimen Dinner im idyllisch gelegenen Holzhausen Schlössle im Frankfurter Nordend geladen. Vorstandschef Bernhard Mattes plauderte locker mit den rund 20 Journalisten, enthüllt oder bekannt gegeben wurde bei dieser Gelegenheit jedoch nichts.

Im Bockenheimer Depot, wo die GM-Markenfamilie feierte und um Mitternacht der neue Daewoo Lacetti enthüllt wurde, blieb die ganz große Partystimmung ebenfalls aus. Frankfurts Taxifahrer hatten sich da längst in Richtung Europa-Allee orientiert, die nach der Audi-Vollsperrung wieder für den Verkehr geöffnet worden war. "Fahr dahin", rieten sich manche Kollegen über Funk, "da ist noch irgendeine Sause im Gange."