IAA-Bummel: Wo der Schuh drückt - DER SPIEGEL
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IAA-Bummel Wo der Schuh drückt

Mehrere Hektoliter Autopolitur, Hunderte Staubwedel und Tücher werden gebraucht, um die Autos auf der IAA stets glänzend und fingerabdruckfrei zu präsentieren. Manchmal aber sind die Seitenblicke auf die bizarren Details abseits der Hochglanz-Karossen viel interessanter.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Ein IAA-Bummel ganz ohne Autos - klingt langweilig, ist aber genau das Gegenteil. Denn am Rande passieren manchmal die ulkigsten Dinge. SPIEGEL ONLINE sind in den Messehallen in Frankfurt eine ganze Reihe von skurrilen Details aufgefallen. Wer zum Beispiel am Hyundai-Stand in Halle 4 vorbeikommt, sollte einmal ganz unauffällig auf den Gang der dort beschäftigten Hostessen achten. Vor allem gegen Abend wirken die Bewegungen eckig und hölzern, und das hat keineswegs mit den ausgesprochen freundlichen und aufmerksamen jungen Damen zu tun. Der Grund sind die Schuhe, die sie tragen müssen.

Während die grelle Farbgebung in den Augen schmerzt, malträtieren die unnatürlich spitz zulaufenden Pumps die Füße der Hostessen. Bereits nach dem ersten IAA-Tag waren die Beschwerden der Hostessen so massiv, dass die Agentur die Schuhe zu einem Schuster gab, um die Riemchen zu weiten. Nun sind sie einen Hauch bequemer, aber noch immer alles andere als geeignet, um stundenlang darin zu stehen.

Vielleicht sollten die Hyundai-Damen abends geschlossen zu Citroën (Halle 8) pilgern. Dort hatten die Messemacher die geniale Idee, als kleines Gastgeschenk das "Fußbalsam Allgäuer Latschenkiefer" an die Besucher zu verteilen. Auf einer Automesse wirkt dies gleich doppelt originell.

Auffällig waren an den ersten Messetagen auch zahlreiche Journalisten, die gelbe Werbetrolleys des Reifenherstellers Michelin über der Schulter trugen oder hinter sich her schleiften. Der Grund waren gebrochene Achsen. Die Konstruktion des Hacken-Porsches, der eigentlich den Transport der kiloschweren Prospektpakete erleichtern sollte, war dem Gewicht der Informationsflut nicht gewachsen.

Eine ganz neue Art des Modellauto-Vertriebs ist auf dem Stand der BMW-Marke Mini zu bestaunen (Halle 4). Dort gibt es einen Automaten ähnlich jenen auf Bahnsteigen oder in Wartehallen, wo Modellautos und weitere Mini-Accessoires "gezogen" werden können. Nach dem Einwurf von 5, 10 oder 15 Euro versteht sich.

Ein bisschen teurer, aber noch immer aberwitzig viel billiger als das Original in Halle 2, wird der Mercedes McLaren SLR von Modellbaufirmen angeboten. In der Zubehör- und Tuner-Halle 1 zum Beispiel trafen wir auf ein recht ansprechendes Exemplar zum Preis von 25 Euro - was für ein Automodell noch immer recht stattlich ist.

Gleich nebenan fiel uns der Stand der noch jungen Firma "Ramball" auf. Das Unternehmen aus Lindenfels im Odenwald bietet einen "kleinen Aufprallschutz" für Fahrzeuge aller Art an. Es handelt sich um Kunststoffhalbkugeln, die ungefähr so groß sind wie halbe Tischtennisbälle, und die mit einem klebstoffbeschichteten Saugnapf an alle stoßgefährdeten Stellen eines Autos angebracht werden können. "Es gibt diese Halbkugeln in jeder Farbe oder auch ganz nach Wunsch bedruckt", sagt Erfinder Vasco Tjong Ayong. Ein Viererset kostet 16 Euro und demnächst sind sogar von innen beleuchtete "Rambälle" geplant. Der auf dem Stand ausgestellte Smart voller bunter "Ramball"-Halbkugeln sieht aus, als hätte er Windpocken - nur viel lustiger.

Die Smart-Werbung für das neue Modell Forfour, die rund um das Messegelände platziert wurde, ist übrigens auch ziemlich lustig. Und frech. Der Text lautet: "Die Neuheiten der anderen finden Sie in Halle 08/15."