IAA-Debüt: Der Drache erwacht - DER SPIEGEL
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IAA-Debüt Der Drache erwacht

Zum ersten Mal präsentieren auch chinesische Autohersteller auf der IAA in Frankfurt ihre Modelle. Landwind, Zhonghua und HQ geben eine Ahnung, was aus dem Fernen Osten auf den europäischen Markt drängen wird. Deutsche Autokäufer zeigen bereits ein beachtliches Interesse.
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Frankfurt/Main - Die Ära des Drachen beginnt: Auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt starten die chinesischen Autohersteller eine Offensive für den europäischen Markt. Die Erfolgsaussichten sind nicht schlecht: Zwar werden die ersten Jahre noch Lehrjahre sein, meint Marktexperte Professor Ferdinand Dudenhöffer von der Fachhochschule Gelsenkirchen (Nordrhein-Westfalen). "Doch ab 2010 werden sie ernst zu nehmende Wettbewerber sein und mancher europäischen Marke das Leben schwer machen." Bei den deutschen Autokäufern haben die chinesischen Autos bereits zum Zeitpunkt ihrer derzeitigen Markteinführung ein beachtliches Interesse geweckt.

Wie das Marktforschungsinstitut TNS Infratest am Dienstag in Bielefeld mitteilte, kommt für zwölf Prozent der Befragten, die sich in den nächsten fünf Jahren ein Fahrzeug kaufen wollen, auch ein Pkw aus dem Reich der Mitte in Frage. Das ist nur ein Prozentpunkt weniger als bei den koreanischen Marken. Deutsche oder japanische Fahrzeuge stehen mit 86 Prozent beziehungsweise 48 Prozent allerdings deutlich höher im Kurs, ergab die aktuelle Umfrage unter 1002 Teilnehmern.

Landwind kommt im Herbst nach Deutschland

In Frankfurt geben drei chinesische Hersteller ihr Debüt. Am weitesten fortgeschritten ist die Jiangling Landwind Motors Company, die unter der Marke Landwind, einen Geländewagen im Stil des alten Opel Frontera nach Europa bringt. Das 4,75 Meter lange Auto hat nach Angaben des Unternehmens technisch nichts mit dem Frontera gemein. "Wir haben nur das Design nachempfunden", sagt der für Deutschland zuständige Projektmanager Wolfgang Haus. Die Motoren kommen von Mitsubishi und Isuzu. "Und der Rest wurde selbst entwickelt."

Der Geländewagen wird nach Angaben des belgischen Importeurs bereits seit einigen Wochen in Europa verkauft. Noch in diesem Herbst soll laut Haus der Vertrieb in Deutschland starten. Deshalb habe Landwind bereits gut 100 Händler im Bundesgebiet unter Vertrag genommen. Bis zum Jahresende sollen es etwa 250 sein.

Für Preise ab 14.995 Euro gibt es den Geländewagen mit einem 84 kW/115 PS starken Zweiliter-Benziner, der aber nur zwei Räder antreibt. Alternativ gibt es einen 2,4-Liter-Benziner mit 92 kW/125 PS oder einen 2,8-Liter-Diesel mit 68 kW/93 PS, beide auch mit Allradantrieb erhältlich. Für 2006 kündigt Haus einen Sechszylinder an. Außerdem wird Landwind eine Großraumlimousine nach Europa holen.

Zhonghua zielt auf "Generation 45plus"

Ebenfalls kurz vor dem Start steht der chinesische Hersteller Brilliance, der nach Angaben des europäischen Importeurs noch in diesem Jahr mit der Vermarktung der Mittelklasse-Limousine Zhonghua beginnen will. Das 4,88 Meter lange Stufenheck-Modell ziele auf die "Generation 45plus" und wird mit einem 2,0-Liter-Vierzylinder mit 95 kW/129 PS zu Preisen ab etwa 18.000 Euro an den Start gehen.

Zur Ausstattung gehören laut Deutschland-Repräsentant Reiner Roethling unter anderem eine Klimaanlage, elektrische Fensterheber, eine Einparkhilfe, eine funkfernbediente Zentralverriegelung und ein CD-Radio. Außerdem soll die Limousine grundsätzlich über ABS und zwei Airbags verfügen.

"Etwa ein halbes Jahr später bringen wir auch die auf der Automesse in Leipzig noch als Studie gezeigte Limousine Zhonghui nach Deutschland", kündigt Roethling an. Dieses Auto sei zwar etwa 40 Zentimeter kürzer als der Zhonghua, biete aber innen ähnlich viel Platz. Als Antrieb stellt das Unternehmen einen bei einem deutschen Motorenhersteller entwickelten 1,8-Liter-Turbo in Aussicht. "Mit diesem Modell, dessen Preis auf einem ähnlichen Niveau wie beim Zhonghua beginnen wird, will Brilliance die etwas jüngere Kundschaft ansprechen", so Roethling.

Geely will zunächst Portfolio vorstellen

Noch etwa zwei Jahre vom Markteintritt entfernt ist Geely. In Frankfurt gezeigt werden der HQ, ein Kompaktmodell namens MR, die Mittelklasse-Limousine CK und das Coupé BL. "In diesem Jahr wollen wir allerdings nur Flagge zeigen und unser Portfolio vorstellen", sagt Vertriebsmanager Frank Xu. "Bevor wir tatsächlich auf dem europäischen Markt antreten, müssen wir mit unseren Autos erst die Euro4-Norm erfüllen."

Zwar laufen die Arbeiten nach seinen Angaben auf Hochtouren. "Doch bis 2007 werden sich die Europäer schon noch gedulden müssen." Mit welchen Autos und mit welcher Vertriebsstruktur Geely dann antreten wird, ist noch offen. "Wir erkennen hier in Frankfurt eine große Nachfrage nach unseren Autos. Doch wie wir dieser begegnen werden, wollen wir erst kurz vor der Markteinführung entscheiden und kommunizieren", sagt Xu.

Die Aussichten der chinesischen Anbieter schätzt Ferdinand Dudenhöffer als sehr gut ein. "Wir davon aus, dass sie nach 2010 sehr ernst zu nehmende Wettbewerber sind." Aussichtsreichster Bereich dürften demnach die preisgünstigen Kleinwagen sein, mit denen bis zu zwei oder drei Prozent Marktanteil von den Koreanern, günstigen Japanern wie Daihatsu oder Suzuki und preiswerten Europäern abgenommen werden könnten.

China-Autos müssen sich noch bewähren

Für die Hersteller gehobener Modelle dagegen sieht der Experte keine Gefahr: "In der Mittelklasse und darüber werden die Chinesen auf absehbare Zeit keinen Erfolg haben, weil dort die Marke wichtiger ist als der Preis", meint Dudenhöffer.

Wichtig für die Chinesen sind nach Dudenhöffers Meinung allerdings aussprechbare Namen und eindeutige Marketing-Strategien. "Einfach nur etwas nachzubauen wird sicher nicht reichen." Stattdessen müssen die Firmen nach seiner Einschätzung rund 500 Millionen Euro in die Hand nehmen, um binnen drei Jahren eine Marke in West-Europa aufzubauen.

Für die Teilnehmer der Infratest-Umfrage sind die Fahrzeuge, die auf der IAA präsentiert wurden, noch nicht wettbewerbsfähig. Für 59 Prozent der Befragten müssen sich die Fahrzeuge daher erst einmal fünf bis sechs Jahre im deutschen Markt bewähren, bevor sie einen Kauf erwägen. Nutzen die Hersteller diesen Zeitraum für die Verbesserung der Produktqualität, dann können sich ihre Erfolgsaussichten in Europa deutlich verbessern, folgern die Autoren der Studie.

Von Thomas Geiger, gms/ddp

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