IAA-Design-Trends: "Wieder was los im Blech" - DER SPIEGEL
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IAA-Design-Trends "Wieder was los im Blech"

Nichts prägt ein Auto mehr als das Design. Mode, Zeitgeist, Tradition und die Vorlieben der Kreativen hinterlassen Spuren im Blech. Acht Autodesigner beschreiben bei SPIEGEL ONLINE, welche neuen Trends sie auf der Automesse IAA entdeckt haben.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Toshiyuki Okumoto und Yukio Emi

(Exterieur- und Interieur-Designer für den Honda Civic): "In aller Bescheidenheit müssen wir sagen, dass unser neuer Civic wohl schon einen Trend markiert. Im Karosseriedesign ist das der Trend zu sorgfältiger ausgeformten Details, wie etwa Auspuffblenden oder Türgriffe. Beim Interieur haben fast alle neuen Autos die Reduktion auf die wesentlichen Elemente gemeinsam. Der Fahrer soll sich wieder ganz auf das Fahren konzentrieren können. Das Design der Zukunft muss vor allem die schnelle und eindeutige Benutzung der Bedienelemente möglich machen."

Martin Smith (Design-Direktor von Ford Europa): "Auf dieser IAA fällt mir ganz besonders der Trend zu Cabriolets mit klappbarem Stahldach auf. Eine ganze Reihe von Herstellern stellt solche Coupé-Cabriolets vor. Dennoch glaube ich, dass sich diese Autogattung langfristig wohl nicht durchsetzen wird, denn die Silhouette dieser Fahrzeuge ist stets geprägt von einer sehr großen und sehr flach gestellten Frontscheibe, die beinahe die vorderen Plätze überragt. Das sieht weder besonders sportlich aus, noch vermittelt es das Cabrio-spezifische Gefühl, in einem wirklich offenen Auto zu sitzen."

Peter Birtwhistle (Mazda-Designchef): "Besonders beeindruckt hat mich der neue Honda Civic, weil die Kollegen dort sehr mutig waren. Ich weiß zwar nicht, ob die Rechnung aufgeht, doch ist der Civic jetzt wirklich nicht mehr zu übersehen. Beim Interieur haben die Designer viele tolle Effekte eingebaut, allerdings wirkt es auf mich etwas überladen. Bei den Studien geht der Trend in eine andere Richtung. Gerade die kleineren Modelle sind sehr minimalistisch. Der Innenraum des Mini Concept beispielsweise erinnert mit viel weißer Farbe, Kunststoffoberflächen und klar strukturierten Formen viel eher an Designer-Computer, etwa von Apple, als an die übliche Auto-Welt aus Lack und Leder."

Adrian van Hooydonk (Leiter Design BMW Automobile): "Es ist schön zu sehen, dass sich wieder deutlich mehr an Vielfalt im Autodesign entwickelt als noch vor einigen Jahren. Und was für uns im BMW Design schon immer extrem wichtig war, sieht man jetzt auch bei immer mehr anderen Marken: Die Emotionen sind wieder da. Auf einer Messe, wo die Fahrzeuge ja nur stehend zu sehen sind, bringen viele Designs die Dynamik schon im Stand rüber. Es ist wieder 'was los im Blech'. Das gefällt mir sehr."

Lutz Fügener (Professor für Transportation Design an der Fachhochschule Pforzheim): "Für mich zeigen sich auf der IAA vor allem folgende fünf Trends. Erstens die Dynamisierung der Limousine, die immer coupéartiger interpretiert wird. Zweitens die spürbare Verbesserung der Designqualität in den Innenräumen kleiner Autos, bei denen die Hersteller besonders scharf kalkulieren. Drittens die Unterwanderung der etablierten Hierarchien wie Kompakt-, Mittel- oder Oberklasse durch neue Modelle, die sich kaum einordnen und vergleichen lassen. Viertens eine immer breitere Differenzierung des SUV-Segments. Und fünftens ein Designtrend, den ich eher negativ sehe. Ich finde, dass manche Hersteller ihr markentypisches Design zu sklavisch auf alle Modelle übertragen. Dieses knallharte Durchziehen einer einheitlichen Linie führt mitunter zu grotesken Überzeichnungen. Ein eigenartiger Trend."

Frank M. Rinderknecht (Chef des Kleinserienherstellers Rinspeed AG im Schweizerischen Zumikon): "Auf der IAA habe ich mehrer klare, neue und auch sehr eigenwillige Designs gesehen - zum Beispiel bei Ford. Mir gefällt, dass das Aussehen eines Autos, seine optische Differenzierung, mehr Gewicht erhält gegenüber den technischen Daten, obwohl gute Motor- und Fahrleistungen natürlich immer ein Trend sind. Auffällig ist auch, dass die Cockpits wieder einfacher werden und die bisherige Überladenheit abgebaut wird."

Peter Pfeiffer (Chefdesigner Mercedes Car Group): "Es ist erfreulich zu beobachten, dass die Marktnischen, die wir in den letzten Jahren mit dem viertürigen Coupé der CLS-Klasse und den Sports Tourern der B- und R-Klasse eröffnet haben, offensichtlich den Nerv der Zeit getroffen haben, wie man aus vielen Studien sehen kann. Wir fühlen uns in unserem Bestreben bestätigt, mutige Produktvisionen zu kreieren und auch tatsächlich zu realisieren."