IAA Doch lieber was Kleines
Frankfurt am Main - Während in der Luxusklasse und im traditionellen Kleinwagensegment von den einheimischen Produzenten neue Kaufanreize geschaffen werden, bleibt es nach einer dpa-Umfrage in der Mittel- und Kompaktklasse weitgehend bei den schon bekannten Modellen.
Nachdem Opel mit dem Corsa bereits vor einem Jahr eine neue Runde in dem deutschen Dreikampf in der Kleinwagenklasse eingeleitet hatte, wollen jetzt VW mit dem Polo und Ford mit dem Fiesta dem Marktführer den Platz streitig machen. Beide Modelle werden deutlich auf etwa 3,90 Meter Länge wachsen, so dass sie kaum noch in das herkömmliche Kleinwagensegment passen. Sie erreichen damit schon die Größenordnung der früheren Golf- und Escort-Generationen. Vor allem in den viertürigen Versionen können sie als vollwertige Familienautos gelten und ihren nicht mehr ganz frischen größeren Brüdern Golf und Focus das Leben noch schwerer machen.
Derartige Bedenken brauchen BMW und Mercedes nicht zu haben. Sowohl die mit Elektronik vollgestopfte 7er-Reihe als auch der nach 12-jähriger Bauzeit aktualisierte Mercedes SL haben keine unterklassige Konkurrenz aus dem eigenen Haus zu fürchten, selbst die Wettbewerber aus anderen Konzernen sind in diesen Kategorien dünn gesät. Allerdings ist bei Preisen deutlich über 100.000 Mark (50.000 Euro) und bei mehr als 300 PS auch die Kundschaft rar - jedenfalls dann, wenn sie das Geld privat aus versteuertem Einkommen hinlegen müssen. Da nach Feststellung des Fachmagazins "Firmen Auto" über 80 Prozent dieser Autos allerdings als Geschäftswagen laufen, können ihre Besitzer damit sogar noch Steuern sparen - was den Polofahrern eher selten gelingt.
In der Mittel- und Kompaktklasse haben die deutschen Hersteller in Frankfurt wenig Neues zu bieten. Lediglich Mercedes präsentiert einen kompakten Van namens Vaneo, der auf der verlängerten A-Klasse basiert. Von den anderen Firmen sind bestenfalls Modellergänzungen wie der Audi Avant zur A4-Baureihe oder Design-Retuschen wie beim 3er-BMW zu erwarten. Opel wird seinen für Frühjahr geplanten Vectra- Nachfolger noch nicht auf der IAA zeigen, stattdessen nochmals eine Studie für die gehobene Mittelklasse.
Aktiver zeigen sich auf diesem Gebiet die Ausländer, vor allem die die Japaner und Koreaner: Toyota schickt als Weltpremieren seinen kompakten Bestseller Corolla gleich mit mehreren Versionen ins Rennen und ergänzt die obere Mittelklasse mit seinem Camry-Nachfolger. Nissan renoviert den Mittelklassetyp Primera von Grund auf, von Honda ist der kompakte Van Jazz zu erwarten, und Koreas größter Autokonzern Hyundai möchte sein Image mit einem sportlichen Mittelklassecoupé aufpolieren.
Die europäischen Wettbewerber bringen einiges nach Frankfurt mit, was zwar schon im Frühjahr in Genf als Fotomodell gezeigt wurde, aber noch nicht den Markt bereichert. Dazu gehören der geradlinig konturierte Golf-Konkurrent Stilo von Fiat und die beiden extravagant gestylten Modelle der oberen Mittelklasse Lancia Thesis und Renault Vel Satis. Hier möchte auch die tschechische VW-Tochter Skoda mitmischen: Sie kündigt für die IAA die Vorstellung ihres künftigen Spitzenmodells an, das von der Größe dem A6 der Konzernschwester Audi entspricht und im Frühjahr 2002 auf den Markt kommt.