IAA Highnoon unterm Messeturm
Frankfurt - "Heute morgen hätte ich die IAA am liebsten links liegen gelassen", sagte VW-Markenchef Wolfgang Bernhard, als er das VW-Cabrio Eos auf die Bühne chauffierte. Schräg über dem Auto hing ein riesiger Spiegel, so dass das Publikum aus ungewohnter Perspektive verfolgen konnte, wie sich das fünfteilige Stahldach des Pkw binnen 25 Sekunden zusammenfaltete und automatisch unter der Heckklappe verschwand.
"Ein starkes Auto", sagte Bernhard und erinnerte an ein anderes, hinreißendes Modell, das vor exakt 50 Jahren von VW auf der IAA präsentiert worden war: den Karmann Ghia. Der kostete damals rund 7500 Mark und war damit für die viele Menschen unerschwinglich. Das neue Cabriomodell Eos soll im Frühling ab 25.950 Euro auf den Markt kommen - von einem Sonderangebot wird auch dann niemand sprechen.
Dennoch ist VW auf der diesjährigen IAA weit davon entfernt, alten Premiumträumen hinterher zu hängen. Bernhard ging auf die stetig steigenden Kraftstoffpreise ein und hob den neuen Golf GT hervor, dessen 1,4-Liter-Vierzylinder mit Turbo und Kompressor 170 PS leistet und einen Durchschnittsverbrauch von 7,2 Liter je 100 Kilometer erzielt. Sparsame Autos, die dennoch Fahrspaß bereiten, sagte der VW-Markenchef, seien die Zukunft. An zahlreichen neuen Modellen werde bereits entwickelt. "Wir werden noch mehr wagen, denn am Mut hängt der Erfolg und VW braucht Mut", rief der neue Boss in Wolfsburg. Und er gab klar zu erkennen, dass mit neuen Modellen keine Luxusabenteuer gemeint seien. "Wir wissen, wo unsere Wurzeln liegen, nämlich im Herzen des Volumensegments."
Audi Q7 mit Hybrid-Antrieb
Während VW sich offenbar wieder auf die kompakteren Baureihen konzentriert, kann es bei Audi gar nicht groß genug sein. Zur Präsentation des siebensitzigen Geländeriesen Q7, den Audi-Chef Martin Winterkorn zu den Klängen des Rocksongs "Streets of tomorrow" auf die Bühne fuhr, hatten die Ingolstädter auch den großen Basketballstar Dirk Nowitzki geladen. Kurz vor Beginn der Basketball-EM plauderte A8-Fahrer Nowitzki ein wenig über sein Erfolgsrezept und die Medaillenchancen des deutschen Teams.
Doch neben der Show und dem massigen Q7, von dem Audi schon vor Wochen erste Bilder in Umlauf brachte, hatten die Autobauer noch eine echte Überraschung parat. Motorenchefentwickler Wolfgang Hatz präsentierte einen weiteren Q7 - aber einen mit Hybridantrieb. Der Prototyp kombiniert einen V8-Benzindirekteinspritzer mit einem Elektromotor und soll in drei Jahren serienreif sein. Beinahe en passant wurde dabei verkündet, dass Audi gemeinsam mit VW und Porsche eine Entwicklungsgemeinschaft für die Hybridtechnik bilden wird. Nach Daimler-Chrysler, BMW und General-Motors formiert sich damit der zweite, große Hybridverbund in der Automobilindustrie.
Das größte Gedränge des ersten Messetags für die Presse herrschte punkt zwölf in der Festhalle, in der Mercedes-Benz traditionell seine Neuheiten präsentiert. Verblüffung im Publikum, als ein knallroter Jeep Wrangler auf die Bühne fährt. Vom Beifahrersitz klettert Ex-Chrysler-Chef Dieter Zetsche, zieht eine schwarze Lederjacke mit Chrysler-Schriftzug aus und ein graues Anzugjacket an. Voilà: Hier steht der seit zwölf Tagen amtierende, neue Mercedes-Chef.
Mercedes-Raumgleiter
"Schön wieder hier zu sein!" ruft Zetsche ins Auditorium. Dann macht er sich daran, die vier Weltpremieren des Stuttgarter Unternehmens vorzustellen: den Vollgas-SUV M 63 AMG als "stärksten Serien-Geländewagen der Welt", die Studie Vision R 63 AMG als "stärksten Raumgleiter auf Erden" sowie die neue R-Klasse in der kürzeren Europaversion und die neue S-Klasse, die mit zahlreichen neuen Sicherheitssystemen das Autofahren so sicher und komfortabel machen soll wie noch nie zuvor. Zwischendurch stürzen sich drei Bungee-Artisten von der Decke und vollführen Salti, Schrauben und andere Kunststücke. Dynamik soll das ausdrücken, denn auf dieser Messe stehen ja alle Autos still.
Und was ist mit Hybrid? "Uns ist das Thema so wichtig, dass wir es auf einer gesonderten Pressekonferenz unter dem Titel "Advanced Power" vorstellen", sagt Zetsche. Die findet morgen statt, wieder zur Mittagszeit. "Freuen Sie sich auf die sparsamsten und saubersten Luxuslimousinen der Welt", ruft Zetsche den Journalisten noch zu. Denn die meisten hasten schon wieder weiter. Zu neuen Automodellen, neuen Superlativen - und neuen Hitzerekorden in den Messehallen.