IAA-Nacht Frottee, Futtern, Feiern
Frankfurt - General Motors (GM), der größte Autokonzern der Welt, eröffnete den Partyreigen mit der Enthüllung des Opel Antara GTC, die aufregend gestylte Studie eines kompakten Geländewagens. Der Antara soll die Erfolgsfährte des Opel Frontera wieder aufnehmen, der Anfang der neunziger Jahre einer der ersten SUVs überhaupt war. GM-Vorstand Bob Lutz, der Altmeister aus Detroit, beschwor bei der Premiere in der ehemaligen Straßenbahnhalle "Bockenheimer Depot" im Westen Frankfurts den "Spirit of Creativity" und erklärte, dass die letzte verbliebene Differenzierungsmöglichkeit von Autos unterschiedlicher Marken das Design sei.
Das mag übertrieben sein, ganz von der Hand zu weisen ist es jedoch nicht - angesichts von Modul- und Plattformstrategien, die es möglich machen, komplette technische Komponenten zwischen Baureihen, Modellen und Marken auszutauschen. Bob Lutz trieb die Betonung des Designs sogar noch weiter: "Man kann sich eine Uhr für fünf Euro kaufen oder eine für 10.000 Euro. Beide zeigen die Zeit an. Aber nur zu der Uhr für 10.000 Euro wird man eine emotionale Beziehung aufbauen." Mit Autos und ihrem spezifischen Design sei es ähnlich.
Hostessen in Frotteetüchern
Neben dem Antara GTC zeigte GM auch den Saab 9-5, den Chevrolet Nubira, den Hummer H3 und die aktuelle Corvette. Und weil sich Autos und Journalisten arg drängten, war es ziemlich heiß im Bockenheimer Depot. Das hatten die Organisatoren einkalkuliert und deshalb im Foyer eine Sauna aufgebaut. Dort verteilten freundliche Hostessen, die lediglich mit einem großen Handtuch bekleidet waren, die Presseunterlagen für die neuen Fahrzeuge. Kollegen raunten hingerissen vom Enthüllungsjournalismus der besonderen Art - und verdrückten sich zur nächsten Veranstaltung.
Zum Beispiel zum Westhafenplatz, wohin Suzuki geladen hatte, um die IAA ganz ohne Autos zu feiern. "Fight Grill and Drive Party" hieß das Motto. Rockige Musik, ein Whirlpool und Go-Go-Girls versprach das Programm. Leider nieselte es leicht, und die Sommer-Sonne-Sweetheart-Stimmung stellte sich nur bedingt ein. Etwas sachlicher verlief der Abend bei Volvo. Die Schweden stellten im Palais am Zoo am Alfred-Brehm-Platz ihr neues Cabrio C70 vor. Von dem Modell mit klappbarem Hardtop sollen pro Jahr 16.000 Exemplare verkauft werden, was ungefähr einer Verdopplung der Stückzahl des Vorgängermodells entspräche. In Deutschland soll der Wagen ab Mitte März für rund 33.000 Euro angeboten werden. Mit dem Cabrio gab auch der neue Designchef Steve Mattin seinen Einstand bei Volvo. Mattin wechselte nach 17 Jahren bei Mercedes-Benz zu den Skandinaviern.
Goldpartikel aus Japan
Ford wiederum hatte zum traditionellen IAA-Dinner mit Vorständen in das Restaurant "Nizza am Main" an der Uferpromenade geladen. Vorstandschef Bernhard Mattes lud die Anwesenden auf den Messestand ein, denn dort stünden ja die Studie Iosis und der kommende Nachfolger der Großraumlimousine Galaxy. "Wir wollen, dass Ford unwiderstehlich wirkt", sagte Mattes. Später führte Designchef Martin Smith aus, wie das gelingen soll. Er sprach vom "kinetischen Design", das alle künftigen Ford-Modelle prägen werde, von "formaler Flüssigkeit" der Karosserielinien und davon, dass das hinreißende Konzeptauto Iosis mit einem Lack namens "Thunder" überzogen sei. Der enthalte "Goldpartikel aus Japan, um eine ganz speziellen Glitzer- und Glanzeffekt zu erzielen".
Draußen glitzerten da schon ein paar Sterne im träge dahin fließenden Main. Die meisten Partygäste dachten bereits an den nächsten Messetag - und stellten fest, dass die Nächte um die IAA in Frankfurt immer wieder sehr, sehr lang werden.