IAA-Previews: "Wir sind eine Modeindustrie mit viel Technik" - DER SPIEGEL
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IAA-Previews: Currywurst statt Kanapee

Foto: Jürgen Pander

IAA-Previews "Wir sind eine Modeindustrie mit viel Technik"

Vor zwei Jahren herrschte am Vorabend der IAA noch enormer Terminstress, denn die Hersteller inszenierten aufwendige Preview-Partys, um ihre Autos zu präsentieren. Diesmal fiel das Gros der Veranstaltungen dem Sparzwang zum Opfer - nur VW trumpfte mit einer Konzern-Gala auf.
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Die Jahrhunderthalle in Frankfurt-Höchst ist Gegensätze gewohnt. Hier gastiert das Russische Staatsballett ebenso wie Prinzessin Lillifee oder Oliver Pocher. Auch die IAA-Veranstaltung des VW-Konzerns am Montagabend fiel variantenreich aus: Das Spektrum reichte vom Einzelstück Bugatti Sang Bleu, einer 1,9 Millionen Euro teuren Auto-Preziose, bis hin zur Elektro-Stadtauto-Studie E-Up, die 2013 auf den Markt kommen könnte. Und draußen vor der Halle stand ein nagelneuer Scania-Lkw.

Bei VW scheint der Sparzwang nicht so groß zu sein wie bei der Konkurrenz. Es gab Steinpilzsüppchen in Reagenzgläsern und mit Schokolade überzogene Rehrückenbissen für die gut 2000 Gäste in der Jahrhunderthalle - vor allem aber gab es eine große Show des nunmehr auf zehn Marken angeschwollenen Konzerns.

Etwa eineinhalb Stunden dauerte das Defilee von Autoneuheiten wie Skoda Superb Combi oder Bentley Mulsanne, VW Multivan sowie Audi R8 Spyder, Seat IBZ und Lamborghini Reventon Roadster. Ein neuer Porsche rollte zwar noch nicht über die VW-Bühne, und auch das Logo der Zuffenhausener fehlte noch neben den neun anderen, doch Porsche-Chef Michael Macht samt seiner Vorstandskollegen waren zugegen.

Demutsbekundungen aus Zuffenhausen

"Wir sind sehr stolz, jetzt ein Teil dieses integrierten Konzerns zu sein", erklärte Porsche-Lenker Macht fast schon demütig. Da blickte VW-Patriarch Ferdinand Piëch, flankiert von seiner Gattin, zufrieden aufs Podium. Der Auftritt wurde hernach von einigen Beobachtern als Kniefall gewertet; ein Branchenkenner kalauerte, die kurze Ansprache des Porsche-Chefs sei alles mögliche gewesen, "nur keine Machtdemonstration". Es wurde jedenfalls endgültig klar, wer der Herr im Haus der vielen Automarken ist. Und der residiert nicht in Zuffenhausen.

Die unklare Positionierung Porsches wurde umso deutlicher, da Audi-Chef Rupert Stadler wenige Minuten zuvor reklamiert hatte, Audi sei auf "dem Weg zur Signaturmarke", was offenbar noch ein bisschen toller ist als eine Premiummarke, denn bislang war dies eine der Lieblingsvokabeln des Vorstandsvorsitzenden aus Ingolstadt. Signaturen in Sachen grüner Technologie, die Konzernchef Winterkorn beschwor, hinterließ Audi bislang jedenfalls nicht.

"Jede Tochter hat den Freiraum, das zu tun, was für die Kunden das Beste ist", sagte Winterkorn zum Marken-Mobile, das derzeit so fein austariert wirkt. "Aber gleichzeitig ist klar, dass der Konzern die starke Klammer ist für alle." Dann wandte er sich wieder dem knallgelben E-Up auf der Drehbühne zu und erklärte, VW werde "das Elektroauto aus der Ökonische ins Massensegment führen". Und dabei zähle nicht, welcher Hersteller der schnellste, sondern wer der beste sei.

Zwei IAAs hinter der Konkurrenz

Alles andere als ein wirklich überzeugendes Elektroauto wäre wohl auch fatal, denn falls die Ankündigungen einiger Konkurrenten zutreffen, rollt ab dem kommenden Jahr eine ganze Reihe neuer Stromer auf die Straßen - nur keiner von VW. 2013 erst wollen die Wolfsburger elektrisch loslegen. Mit der Rolle des Spätzünders ist VW durchaus vertraut. Häufig erschließen andere Hersteller Jahre vor den Niedersachsen neue Marktnischen, meist setzten sich dann doch VW-Modelle als Bestseller durch - so war es beim Kompaktvan Touran, so war es beim Mini-SUV Tiguan.

In der Rolle des Nachzüglers, allerdings nur mit einigen Monaten Rückstand, ist auch der viertürige Sportwagen Aston Martin Rapide, die englische Antwort auf den Porsche Panamera. Am Montagabend wurde er im Innenhof des Frankfurter Hotels Roomers einer kleinen Schar ausgewählter Gäste vorab präsentiert. In weißen Lederturnschuhen und unter einem weißen Baldachin stellte Firmenchef Ulrich Bez den eleganten Schlitten vor, dazu gab es Champagner und Kanapees.

Bei bodenständiger Currywurst und Bier hatte die gerade an ein russisch-kanadisches Konsortium verkaufte GM-Tochter Opel bereits am Nachmittag gefeiert. Hatten die Rüsselsheimer vor zwei Jahren noch zur Megaparty ins Bockenheimer Depot gebeten, luden sie diesmal treue Kunden nach Frankfurt ein und versammelten auf dem Rossmarkt mehr als 50 Oldtimer der Marke mit dem Blitz. Die Stimmung war trotz des Regenwetters famos. "Opel hat zuletzt Schlimmeres durchgemacht als einen Regenguss", sagte ein Teilnehmer. Als Fingerzeig in eine bessere Zukunft fuhr GM-Europa-Chef Carl-Peter Forster dann noch den neuen Opel Astra auf die Bühne.

Ebenfalls bereits am Nachmittag hatte IAA-Abstinenzler Nissan in den noblen Club King Kamehameha nahe an der Alten Oper gebeten. Es gab zwar eine Handvoll Autos, doch das gute Dutzend Gäste interessierte sich vor allem für die Gründe der IAA-Absage von Nissan. Andreas Gabriel, Geschäftsführer von Nissan Deutschland, redete gar nicht lange drumherum: "Die IAA-Absage war eine Entscheidung der Nissan-Zentrale und hat uns natürlich nicht so gut gefallen. Aber wenn überall gespart wird, dann gehen einem schnell die Argumente aus."

Das kann sich rasch wieder ändern, denn das Autogeschäft scheint stimmungsabhängig wie nie. Scania-Chef Leif Östling formuliert es so: "Die Pkw Branche ist eine Modeindustrie mit viel Technik."