IAA-Studien aus Italien: Erotische Töchter - DER SPIEGEL
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IAA-Studien aus Italien Erotische Töchter

Die Italiener zeigen bei ihrem Messe-Auftritt mit ihren Studien, dass sie das Spiel mit schönen Formen und eleganten Linien nach wie vor beherrschen. Worauf nicht-italienische Presse-Chefs schon leicht gereizt reagieren, entpuppt sich zum heimlichen Star der IAA: die Lancia-Studie Fulvia.
Von Frank Wald
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"Findest du also auch, dass das Lancia Fulvia Coupé das schönste Auto der Messe ist? Und würdest es auch kaufen, wenn es gebaut wird?" Das Messe-Publikum ist begeistert. Die feine Fiat-Tochter Lancia erinnert mit der Neuauflage eben jenes Fulvia Coupés an eigene Glanzzeiten, als der internationale Jet-Set der sechziger und siebziger Jahre sich mit Luxus-Ikonen italienischer Herkunft schmückte. Schon damals gab es dieses Modell, das an den Küstenstraßen der Côte d'Azur ebenso zu sehen war wie auf den Serpentinenstrecken der Rallye Monte Carlo.

Fast 40 Jahre nach dem Debüt des ersten Fulvia Berlina auf dem Genfer Salon 1965 haben die Designer des Centro Stile Lancia nun das legendäre Coupé wieder belebt. Das Showcar dreht sich in Halle 6 inmitten eines künstlichen Sees, der von einem Wasserlauf gespeist wird. Wobei dieses Element nicht zufällig eingesetzt wird, erinnert doch das Stufenheck-Schema des Fulvia Coupé mit spitz zu laufendem Bug und stumpfem Heck stark an die Riva-Motorboote der damaligen Zeit.

Von oben gesehen wirkt die Fulvia tropfenförmig, mit einer sehr breiten Front und einer zulaufenden Heckpartie. In der Seitenansicht liegt der optische Schwerpunkt des Autos auf der langen Motorhaube und den Vorderrädern, deren Radhäuser kräftig ausgestellt sind. Bis auf die breitere Spur wurden auch die Abmessungen vom Original übernommen sowie das nüchtern gestaltete Heck mit den senkrechten Rücklichtern.

Das zweisitzige, dunkelbraune Interieur zitiert Möbelaccessoires der Siebziger. Die Bedienknöpfe erinnern an HiFi-Anlagen dieser Zeit, die kreisrunden Analoginstrumente entstammen ebenfalls dem Bootsbau. Seidig schimmerndes Holz und knautschiges Leder geben einen nostalgischen Touch. Einen Schuss Modernität bekommt das Ganze durch einige Aluminium-Details, Klimaanlage und Navigationssystem.

Die Leichtigkeit des Designs findet sich auch in der Technik wieder, die auf Lancias neuem Kleinwagen Ypsilon, den die Italiener ebenfalls vis-à-vis ausstellen, basiert. So besteht die Fulvia-Karosserie komplett aus Aluminium, was dem Auto ein Leichtgewicht von nur 990 Kilogramm beschert. Leichtes Spiel für den 1,8 Liter-16V-Vierzylinder, der 140 PS (103 kW) leistet. Damit soll die Studie maximal 213 km/h schnell werden und den Sprint von null auf hundert in 8,6 Sekunden hinlegen.

Anders als bei den meisten Studien ist der Prototyp kein Ausblick auf stilistisch-technische Neuerungen, sondern ganz bewusst eine neue Interpretation des Urkonzepts und der originalen Stilelemente, das laut Lancia eine starke "Assoziationswirkung auf alle ausüben soll, die es seinerzeit begehrten und erträumten". Wahr werden soll dieser Traum ab Ende nächsten Jahres, wenn die Italiener eine Kleinserie von jährlich rund 2500 Exemplaren auf den Markt bringen wollen.

Tiefere Einblicke gewährt Fiats sportliche Tochter. Der Star des Alfa-Romeo-Auftritts in Halle 5 ist permanent von einer Menschentraube umlagert. Wobei nicht entschieden ist, ob das an der muskulösen Sportwagen-Studie 8C oder den nicht minder üppig geformten Hostessen liegt. Die Acht steht dabei für einen V8-Kompressormotor mit über 400 PS, das C für Competizione, italienisch für Wettkampf.

Entsprechend athletisch präsentiert sich der rote Renner. Mit seinen gewölbten Kotflügeln, die sich über große 20-Zoll-Räder schmiegen, der pfeilförmigen Bugspitze, dem Kuppel-Dach und dem kurzen, knackigem Hintern sieht der Wagen schon im Stand richtig schnell aus. Die 4,5 Sekunden für den Sprint vom 0 auf 100 km/h und 300 km/h Höchstgeschwindigkeit, die Alfa angibt, glaubt man auf Anhieb. Und nach der durchweg positiven Resonanz zu urteilen, stehen die Chancen gut, dass das rasante Coupé schon zum Genfer Salon im nächsten Frühjahr in der Serienversion zu sehen sein wird. Ebenso wie eine Cabrio-Variante, die danach folgen soll.

Ihren eleganten wie erotischen Töchtern hat Mutter Fiat hingegen in Halle 6 nur wenig entgegenzusetzen. Am ehesten zieht hier noch die Barchetta-Studie Alviero Martini die Blicke auf sich. Für das Sondermodell des zweisitzigen Spiders hat der bekannte italienische Designer die exklusive Lederserie "Geo" im Weltkarten-Design entworfen. Mit ihr bezogen sind die Sitze und Türverkleidungen sowie die beiden wie ein überdimensionales Sitzkissen geformten Koffer, die ebenso wie die Gepäckbrücke eigens für das Sondermodell entwickelt wurden.

Innovativer Kontrapunkt zum eher blassen Fiat-Modellprogramm ist der Panda-SUV, der Ende nächsten Jahres auf den Markt kommen soll. Mit einem optischen und technischen Mix aus Offroader und Pkw soll der kompakte Fünftürer auf einer Länge von 3,59 Meter die Lifestyle-orientierte Freizeit-Fraktion ansprechen: mit Zweifarb-Karosserie, wuchtigen Schutzfängern und Alu-Schutzverkleidung. Der 1,3-Turbodiesel-Motor aus Punto und Panda dient mit seinen 70 PS (51 kW) auch dem Mini-SUV als Kraftquelle. Ein permanenter Allradantrieb mit zwei Differenzialen in Verbindung mit 17 Zentimeter Bodenfreiheit soll den Panda SUV über Steigungen bis 50 Prozent und steile Böschungen bugsieren. Auf Asphalt sorgt die Einzelradaufhängung für Pkw-ähnliches Fortkommen mit Höchstgeschwindigkeiten bis 150 km/h.

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