IAA-Trends: Suche nach der Goldader - DER SPIEGEL
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IAA-Trends Suche nach der Goldader

Angesichts des Aufgebots kann einem schwindelig werden. 122 neue Fahrzeugmodelle werden auf der IAA in Frankfurt präsentiert, darunter 80 Weltpremieren. Allein die deutschen Hersteller zeigen auf ihrer Suche nach neuen Marktlücken insgesamt 77 Auto-Debütanten.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt - Kommt der Aufschwung? Derzeit wird eine Antwort auf diese Frage mit Vorliebe bei der Autoindustrie gesucht, denn die größte Messe dieser Schlüsselbranche für Deutschland steht auf dem Programm: die Internationale Automobilausstellung in Frankfurt (15. bis 25. September). Bernd Gottschalk, der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), verkündete bereits im Vorfeld eine Trendwende: "Es geht wieder aufwärts." Nach Schätzungen des VDA werden in diesem Jahr rund 3,3 Millionen Autos in Deutschland neu zugelassen - das wäre ein leichtes Plus gegenüber dem Vorjahr, als diese Kennziffer bei 3,27 Millionen lag.

Die Hoffnungen für das kommende Jahr sind noch größer, denn dann sind die meisten der Autos auf dem Markt, die jetzt vorgestellt werden. Schon beim ersten Blick über die Messeneuheiten lässt sich die Unsicherheit der Branche erkennen: Wo sind die zukunftsträchtigen Marktnischen? In welchen Segmenten ist die Nachfrage am größten? Welche Fahrzeuge werden in Zukunft zu den Gewinnern gehören?

Vom Supersportwagen bis hin zum Kleinstwagen, von PS-strotzenden Benzinfressern bis hin zu intelligenten Sparfahrzeugen - die Hersteller gehen in alle möglichen Richtungen. Es gibt zahlreiche neue Ideen, aber auch sehr viele Modelle, die nach dem schlichten Prinzip "größer, schneller, teurer" weiterentwickelt wurden. Trotz dieser Differenziertheit lassen sich fünf große Trends auf der Suche nach den künftigen Goldadern der Branche ausmachen.

1. Cabriolets

Geht das, Spaß und Vernunft zu verbinden? Die Antwort vieler Hersteller heißt ja, und sie fahren deshalb neue Cabriolets mit festem Klappverdeck ins Rampenlicht. VW zum Beispiel zeigt den viersitzigen Eos, dessen dreiteiliges Stahldach sich per Knopfdruck im Kofferraum versenkt. Nach dem gleichen Prinzip funktionieren die neuen Modelle Astra Twin Top, das Volvo-Cabriolet C70, Nissan Micra C+C und die Coupé-Cabrio-Version des Mitsubishi Colt.

Vermutlich wird auch Ford eine Klappdachversion des Ford Focus zeigen - sozusagen das Serienmodell der Studie Vignale. Klassische Cabrios, also Fahrzeuge mit Stoffverdeck, debütieren ebenfalls: zum Beispiel der neue Mazda MX-5, das überarbeitete Audi A4 Cabriolet und - quasi die Sahnehauben des Open-Air-Buffets in Frankfurt - der Lamborghini Gallardo Spider sowie der Bentley Azure.

2. Neue Klassiker

Es gibt Autos, die stehen wie Monolithen im Angebot der Marken und sind entsprechend wichtig für deren Image. Auch von diesen Klassikern erleben in Frankfurt einige eine Weltpremiere. Allen voran die neue Mercedes S-Klasse, der größte Stern des Stuttgarter Herstellers und so etwas wie das Maß der Dinge in der Oberklasse. Das neue Modell soll vor allem in den Kategorien Fahrdynamik und Sicherheit Akzente setzen, denn zuletzt punkteten hier vor allem die Schiffe von Audi und BMW.

An der Neuauflage eines Klassikers versucht sich auch Jaguar. Die Briten bringen den Sportwagen XK mit an den Main. Und Honda zeigt die komplett neue Version des Kompaktwagens Civic - es ist die inzwischen sechste Generation. Wichtig an diesem Fahrzeug ist vor allem das frische, moderne Design, mit dem die Japaner alte Versäumnisse offenbar mit einem Modell vergessen machen möchten.

3. Hybridantrieb

Je höher die Benzinpreise steigen, desto interessanter wird die Frage, wie sich die gewohnte Mobilität sparsamer sicherstellen lässt. Eine mögliche Antwort darauf ist der Hybridantrieb. Die Vorreiterrolle bei dieser Technik übernimmt der Toyota-Konzern. Auch auf der IAA zeigen die Japaner eine Neuheit mit Hybridantrieb: die Limousine Lexus GS 450h, das erste Hybridauto der Oberklasse. Honda wiederum, beim Thema kombinierter Benzin- und Elektroantrieb ebenfalls weit vorne, stellt den neuen Civic auch als Hybridversion vor.

Weitere Serienmodelle wird es wohl nicht geben, dafür eine eine Reihe von Studien, die demnächst marktreif werden könnten: Mercedes will zwei Hybrid-Prototypen vorstellen, von Audi und Porsche wird gemunkelt, dass diese Technik bei deren IAA-Auftritt ebenfalls eine Rolle spielen werde. Ein Hybrid-Prototyp ist auf jeden Fall auch am Stand des russischen Herstellers Lada zu sehen.

4. Raum in allen Größen

Neue Autos müssen in der Regel immer ein bisschen größer sein als ihre Vorgänger. Von diesem Grundsatz weicht kaum ein Hersteller ab. Allerdings wächst in den letzten Jahren der Innenraum der Fahrzeuge mehr als die Karosserie - was die Entwickler durch intelligentere Raumausnutzung und variable Interieurkonzepte erreichen. Auf der IAA ist nun eine neue Generation dieser "Raumautos" zu sehen - und zwar in ganz unterschiedlichen Klassen.

Unter den Kleinwagen demonstrieren zum Beispiel der neue Renault Clio, Toyota Yaris und der Fiat Grande Punto, dass auch eine kleine Grundfläche ausreichend Platz bieten kann. Der neue Nissan Note interpretiert das Thema Raum und Design auf eine eigene Art. Gleiches gilt für einen Ford Kompaktvan, der vermutlich in Frankfurt stehen wird. Von Subaru wird der Van-Allradler Tribeca zu sehen sein, von Hyundai die Van-Studie Portico. Mercedes präsentiert die Europaversion der neuen R-Klasse. Ein luxuriöses Auto mit viel Platz, das das Image eines praktischen Familientransporters gerne abstreifen möchte.

5. Geländewagen

Auch wenn in anderen Marktsegmenten die Geschäfte stocken, für Geländewagen in allen möglichen Ausprägungen scheint die Nachfrage weiter zu wachsen. Deshalb konzentrieren sich eine Reihe von Herstellern in Frankfurt auf Neuheiten in diesem Bereich: Opel wird beispielsweise den Nachfolger des ehemaligen Erfolgsmodells Frontera präsentieren, einen kompakten Allradler in sportlichem Dress. Toyota bringt den Bestseller RAV4 in seiner dritten Auflage, die US-Geländewagenmarke Jeep zeigt zwei interessante Studien, der koreanische Hersteller Ssangyong stellt den Kompakt-Offroader Kyron in den Mittelpunkt und Suzuki den neuen Grand Vitara.

Der Knüller unter den Allradlern aber dürfte das neue SUV-Flaggschiff von Audi sein, ein Auto-Monstrum mit Namen Q7. Und vielleicht hat der VW-Konzern auch noch eine Überraschung parat: Es gibt Gerüchte, wonach eine SUV-Studie auf Basis des VW Golf in Frankfurt präsentiert werden soll.

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