Infiniti Prototype 9: Retro aus der Retorte
Infiniti Prototype 9 Der Was-wäre-gewesen-wenn-Wagen
Beim Concours d'Elegance im kalifornischen Pebble Beach werden jedes Jahr im August die seltensten, begehrtesten und teuersten Oldtimer ausgestellt und auf Auktionen gehandelt. An diesem Wochenende ist es wieder so weit, der Chromglanz und das Motorenwummern längst vergangener Automobil-Epochen wird die Halbinsel von Monterey an der US-Pazifikküste erfüllen - und die japanische Marke Infiniti wird versuchen, möglichst viel davon abzubekommen.
Infiniti gehört zu Nissan und wurde 1989 gegründet, um unter diesem Label luxuriösere und teurere Autos zu verkaufen; zunächst in Nordamerika, inzwischen auch in zahlreichen anderen Regionen und Ländern. Infiniti -Modelle bieten im Prinzip alles, was auch Autos von Mercedes, Jaguar oder Alfa Romeo können - mit einer Ausnahme: Der Marke fehlt jegliche Tradition. Es gibt sie ja erst seit 28 Jahren, in Europa sogar erst seit elf Jahren.
Dass Infiniti jetzt dennoch im Zentrum der Highend-Oldtimer-Szene auftaucht, hat mit einem Marketing-Trick zu tun. Infiniti-Designchef Alfonso Albaisa erklärt es so: "Alles fing mit einer Frage an. Was wäre gewesen, hätte Infiniti in den Vierzigerjahren einen Rennwagen geschaffen?" Man kann diese Frage für grotesk oder genial halten - das Ergebnis ist jedenfalls sehenswert. Ein Monoposto-Rennwagen, gedengelt aus blankem Blech, mit frei stehenden Speichenrädern und spitz zulaufendem Heck.
Hightech-Antrieb unter Retro-Optik
Glaubt man den offiziellen Mitteilungen von Infiniti zu dem Retro-Konjunktiv-Konstrukt, dann ist der Wagen, der den Namen "Prototype 9" trägt, das Ergebnis "nachfeierabendlicher Anstrengungen eines passionierten und tatkräftigen Teams". Nachdem Designchef Albaisa erste Zeichnungen eines derartigen "Was wäre gewesen, wenn"-Rennautos zu Papier gebracht habe, sei es zu einem "Dominoeffekt" gekommen und immer mehr begeisterte Designer und Techniker hätten mitgearbeitet.
Infiniti Prototype 9: Retro aus der Retorte
Offenkundig bekam auch die Abteilung "Advanced Powertrain" des Mutterhauses Nissan Wind von dem Projekt. Denn der fahrbereite Prototype 9 erhielt keinen klassischen Verbrenner-Rennmotor (da war auch bei Nissan Leere im Regal), sondern einen Elektroantrieb der nächsten Generation, wie es heißt. Die E-Maschine mit einer Leistung von 120 kW wird von einem Lithium-Ionen-Hochvolt-Akku mit 30 kWh Speicherkapazität mit Energie versorgt. Der 890 Kilogramm schwere Prototype 9 könne in 5,5 Sekunden von 0 auf Tempo 100 beschleunigen und eine Höchstgeschwindigkeit von 170 km/h erreichen, teilt Infiniti mit. Eine Akkuladung würde für etwa 20 Minuten auf der Rennstrecke reichen.
Lässt sich Historie nachträglich schaffen?
Viel wichtiger als die Frage nach der Reichweite oder dem Spitzentempo ist natürlich, ob es in einer zunehmend virtuellen Welt gelingt, mit einem Projekt wie dem Prototype 9 tatsächlich so etwas wie Historie zu generieren. Eine Art Fake-Tradition, die allerdings cool aussieht und obendrein als Pseudo-Rennwagen aus den Vierzigerjahren auch keine Vergleiche zu scheuen braucht. Denn in diesem Jahrzehnt tobte anfangs der Zweite Weltkrieg und anschließend hatten die allermeisten Menschen andere Sorgen als Grand-Prix-Rennsport. Die Formel 1 startete erstmals 1950, der erste Grand Prix in Japan wurde 1963 ausgetragen.
Zwei Jahre später wurde der heutige Infiniti Chef Roland Krüger geboren. Er nennt den Prototype 9 ein "ausgezeichnetes Beispiel für den unveränderten Einfallsreichtum, das hohe handwerkliche Können und den Unternehmergeist in allen Bereichen unseres Unternehmens". Und des raffinierten Marketings, muss man ergänzen.