Invader L 60: Allrad-Sumo im Pompös-Look - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Fotostrecke

Invader L 60: Ein SUV für Graf Koks

Invader L 60 Allrad-Sumo im Pompös-Look

Luxus-Tuning-Firmen verarzteten unter den teuren Allrad-Modellen bislang vor allem Typen wie Mercedes G-Klasse, Porsche Cayenne oder BMW X5. Doch beim Autosalon in Genf geht es auch dem SUV von Lexus ans Blech. Der Name des japanischen Brummers ist Programm: Invader.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Er ist der Sumo-Ringer unter den japanischen Geländewagen. Was eigentlich mal ein Lexus LX 570 war, wird nach einer Behandlung der Tuningfirma Invader Technologies aus Tokio zum Extrem-SUV Invader L 60. Der Name ist Programm, Invader bedeutet im Englischen so viel wie Eindringling. Und eindringen und sich Platz verschaffen soll der wuchtige Wagen dort, wo das dicke Geld verdient und dann in prunkvollen Automobile investiert wird: bei Auto-Fans, die sich zum Beispiel gern im Casino von Monte Carlo, Luxushotels in Dubai oder Discotheken in Moskau aufhalten. Und die den dort üblichen Ferrari-, Lamborghini-, Bentley-Modellen mal so richtig die Schau stehlen wollen.

Geschmack und Stil sind dabei Kriterien von untergeordneter Bedeutung - wobei das nicht ganz richtig ist: Die Designer gehen tatsächlich davon aus, dass der Wagen echt cool aussieht - und sie sind überzeugt davon, dass ihre Kunden das genauso sehen. Für den Invader L 60 werden sich Kunden begeistern, die Luxusautos grundsätzlich pimpen lassen, sagt Dimitry Krivstov, der Verkaufschef der Tuningfirma. Kundschaft für das neue Modell wähnt er vor allem in den Golf-Staaten, in Florida und Kalifornien, in Osteuropa und Russland. "Dort haben wir gerade unseren ersten europäischen Händler unter Vertrag genommen", sagt Krivstov. Auch in Mitteleuropa hoffen die Tokioter SUV-Veredler auf Kundschaft, weshalb die Firma jetzt erstmals am Autosalon in Genf (3. bis 13. März) teilnimmt.

Den braven Schweizern, mehr aber noch den arabischen Residenten und den Moskauer Millionären im Winterurlaub, zeigt das erst vor zwei Jahren gegründete Unternehmen in den Palexpo-Hallen einen Wagen, wie man ihn selbst in den Luxus-Oasen dieser Welt nur selten zu sehen bekommt: Die 22-Zoll-Felgen sind komplett vergoldet, die Frontpartie wirkt aggressiv und fast so, als wolle der Invader alle paar Kilometer einen Kleinwagen verschlingen, und die Flanken wirken mit den weit ausgestellten Kotflügeln und den riesigen Schwellern wie Mister Universum nach einem Anabolika-Cocktail. Dazu gibt es ein extrem aufgebrezeltes Interieur, das ganz nach den Vorgaben der Kundschaft eingerichtet wird.

Der V8-Motor leistet mit Kompressor nun 600 PS

Es bleibt bei einem Auto dieses Kalibers natürlich nicht beim schrillen Schein. Damit der 2,7 Tonnen schwere Invader beim Anfahren hält, was die Optik verspricht, wurde auch der 5,7 Liter große V8-Motor des - hierzulande übrigens gar nicht angebotenen - Original-Lexus getunt. Während das Aggregat üblicherweise 383 PS leistet, sorgen ein Kompressor und eine neue Abgasanlage mit vier Endrohren im Invader für 600 PS. Obwohl weit über zwei Tonnen schwer und alles andere als windschnittig, schnellt der Sumo-SUV damit in 5,5 Sekunden auf Tempo 100.

So viel Bumms und Bling-Bling gibt es nicht zum Nulltarif. Während Lexus für das Basismodell in den USA knapp 80.000 Dollar verlangt, werden für den Invader L60 knapp 270.000 Dollar fällig. "Jeweils natürlich plus Zoll und lokalen Steuern", sagt Vertriebschef Krivstov. In Deutschland wäre der potente Eindringling also kaum unter 325.000 Euro zu haben.

Maximal hundert der Extrem-Allradler werden gebaut

Trotz des stattlichen Preises können sich die Japaner über mangelndes Interesse offenbar nicht beklagen. "Wir haben das Auto im Herbst erstmals gezeigt und schon mehr als ein Dutzend Exemplare gebaut", sagt Krivstov und erzählt eine Anekdote von der Motorshow in Katar. Dort war das erste von drei Autos schon verkauft, ehe der Messestand überhaupt aufgebaut war. Vorsichtshalber hat die Firma deshalb ihre Produktionskapazitäten überprüft. "Der Umbau erfolgt komplett in Handarbeit. Deshalb können wir derzeit nur an drei bis vier Fahrzeugen gleichzeitig arbeiten. Falls es mehr werden müssen, sind wir darauf vorbereitet", sagt Kirvstov. Grundsätzlich limitiert ist das Modell ohnehin. "Mehr als hundert Autos wird es nicht geben", verspricht Invader den Kunden. Danach seien neue Modelle an der Reihe.

Noch aber gibt es ja genug Modelle des "größten und schwersten SUV, das derzeit auf dem Tuningmarkt angeboten wird", wie das Unternehmen selbstbewußt schwadroniert. Konkurrenz gebe es deshalb nicht, sagt Krivstov. "Im Prinzip kämen der G 55 AMG von Mercedes, der Porsche Cayenne, der getunte Range Rover oder der BMW X5 in Frage. Doch sind die für den L60 eigentlich alle zu klein."